Tatort Litauen im Mai 2015. Genauer Zarasai. Irgendwo im Nirgendwo. 800 scheinbar völlig bekloppte Teilnehmer campen auf einer Halbinsel zwischen zwei Seen. Könnte auf den ersten Blick ein normales Festival sein. Ist es aber nicht, denn auf den zweiten Blick wird deutlich, dass Classic Minis das Festival-Bild dominieren. Ziemlich viele sogar. Von Donnerstag bis Samstag fanden 500 Minis den Weg nach Litauen.

Alleine die kühlen Fakten sind beeindruckend. Noch spannender scheinen die Geschichten hinter den Leidenschaften. Diese Passion zog zudem 400 Gäste mit 50 weiteren Minis auf das Gelände.

International Mini Meeting 2015 in LitauenDie bunte Mini-Landschaft wirkt anarchisch. Doch ist sie es nicht. Die Classic-Mini Liebhaber formieren sich in Gruppen, teilen ihre Leidenschaft, unterstützen sich beim Schrauben und führen Benzingespräche bei diversen Alkoholika.

So ist es nur auf den zweiten Blick kaum verwunderlich, dass Mitglieder aus insgesamt 130 Mini Clubs aus ganz Europa zu diesem Treffen gekommen sind. Die Freunde eines Clubs stehen meist bei ihren Autos, in kleiner Runde zusammen. Ihr Name ziert ein DIN 4-Blatt, befestigt an einem Holzpflock. „Anonyme Miniholiker“  oder „Flying Finns“ ist da beispielsweise zu lesen. Die Teilnehmer lieben ihre Minis. Das Sympathische an ihnen ist allerdings, dass die meisten sich nicht allzu ernst nehmen.

International Mini Meeting 2015 in Litauen

Von quietsche-bunten Classic-Minis über Monster-Truck-Minis bis hin zu Mini-Cabrios der Marke Eigenbau. Alles was denkbar und undenkbar ist, ist dabei. Der Fantasie der Bastler scheint keine Grenzen gesetzt. Schnell wird klar, dass diese Leute so positiv und liebenswert verrückt sind. Und am Ende denke ich, dass ich einmal im Jahr immer wieder gern diesem Spektakel beiwohnen würde. Wenn nicht sogar selbst einen eigenen Club gründen und mit meiner ganz persönlichen Mini-Kreation teilnehmen.

Eines bemerke ich schnell, die Marke Mini besitzt eine Strahlkraft, die ich bisher nicht kannte, die zweifelsohne ihresgleichen sucht. Dan Moloney hatte wohl die längste Anreise mit seinem Mini. 3.200 Kilometer hinter sich gebracht. Gestartet ist er im Westen von Irland.

Was man nicht vergessen sollte, und was er hoffentlich auch nicht vergessen hat, diese Strecke muss er nach feucht-fröhlichen IMM-Festival-Tagen auch wieder zurück fahren. Den Ehrenpreis für die längste Fluganreise würden die Besucher Mike und Rhonda Guido bekommen. Beide sind aus Kalifornien zum Festival gekommen. Ich spreche mit Bob und Marta aus England. Eigentlich ist das Rampenlicht nicht ihr Ding. Doch auf ihren grünen Classic Mini der Sonderedition „British Open“ sind sie einfach zu stolz. Genauso stolz wie auf ihre 30- jährige Ehe. Den Mini besitzen sie fast genauso lange. Jedes Jahr besuchen sie das IMM, campen im Wohnwagen hinter ihrem 4-rädrigen Schatz und betrachten das als Urlaub.

Zwar hat es ihnen letztes Jahr in Italien besser gefallen, doch wollen sie auch nächstes Jahr, dann in Belgien, auf jeden Fall wieder dabei sein. Ich frage, wie lange sie das noch machen wollen. Beide lachen und antworten synchron: Solange keiner von uns dreien völlig durchgerostet ist …

Klicken Sie sich durch die Galerie und bewundern einmalige Einzelanfertigungen und denken Sie daran, hinter jedem Mini steckt eine Maxi-Geschichte!