Porsche entwickelt Elektro-Rennwagen mit Technik für künftige Serienautos
Porsche treibt die Entwicklung seines nächsten Formel-E-Rennwagens mit maximalem Tempo voran – und der neue GEN4-Bolide hat es in sich. Seit November läuft die Erprobung des vollelektrischen Monoposto, der mit der vierten Fahrzeuggeneration den bislang größten Performance-Sprung in der Geschichte der Rennserie markieren soll. Mit 600 kW (816 PS), permanentem Allradantrieb, neuen Reifen und deutlich mehr Abtrieb verschiebt der GEN4 die Grenzen dessen, was in der Formel E technisch möglich ist. Entscheidender als die nackten Leistungsdaten ist jedoch der hohe Eigenentwicklungsanteil: Porsche setzt mehr selbst entwickelte Komponenten ein als je zuvor – und verfolgt dabei ein Lastenheft, das man eher aus der Serienentwicklung kennt. Leichter, stärker, langlebiger und gleichzeitig kosteneffizienter lautet die klare Zielvorgabe.
Der neue GEN4 dient Porsche nicht nur als Rennfahrzeug, sondern als rollendes Technologielabor. Motorsportchef Thomas Laudenbach betont, dass in der Formel E gezielt jene Technologien entwickelt werden, die später auch für Straßen-Sportwagen relevant sind. Mit der neuen Generation kommen unter anderem ein Gleichspannungswandler sowie ein Brake-by-Wire-System hinzu – Schlüsseltechnologien für zukünftige Elektrofahrzeuge. Bereits heute liegt der Wirkungsgrad des Porsche-Antriebsstrangs bei über 97 Prozent, was bedeutet, dass von der Batterie bis zum Rad weniger als drei Prozent der eingesetzten Energie verloren gehen. Projektleiter Florian Modlinger spricht daher offen von einer technischen Revolution: Neben Effizienzgewinnen standen vor allem Gewicht, Dauerhaltbarkeit und Kosten im Fokus – bei gleichzeitig 71 Prozent mehr Leistung im Attack Mode.
Die Entwicklung erfolgt unter enormem Druck. Porsche arbeitet parallel mit dem GEN3, dem GEN3 Evo und bereits am GEN4 – ein Dreifach-Spagat, wie man ihn sonst nur aus der Serienentwicklung kennt, dort allerdings mit deutlich längeren Zyklen und größeren Budgets. Bis Mitte Januar sammelte der neue GEN4 bereits 1.472 Testkilometer auf spanischen Rennstrecken, ein Großteil der Entwicklungsarbeit findet jedoch im Simulator statt. Dieser Ansatz spart Ressourcen und beschleunigt die Abstimmung, bevor die streng limitierten Testtage auf der Strecke genutzt werden. Bis Oktober muss das umfangreichste Hardware-Paket, das Porsche je für die Formel E entwickelt hat, homologiert sein. Danach rückt die kontinuierliche Software-Optimierung in den Mittelpunkt – ein Vorgehen, das stark an moderne Elektro-Serienfahrzeuge erinnert.
Auch aus Fahrersicht sorgt der GEN4 für Begeisterung. Weltmeister Pascal Wehrlein beschreibt das neue Auto als extrem schnell und fahrerisch beeindruckend, vor allem in schnellen Kurven, in denen der zusätzliche Abtrieb deutlich spürbar ist. Teamkollege Nico Müller spricht sogar von einem völlig neuen Fahrerlebnis: Leistung, Traktion und Bremsperformance erinnerten eher an Rallycross-Supercars als an bisherige Formel-E-Fahrzeuge. Noch sind die sportlichen Regeln für die neue Ära nicht final definiert, doch schon jetzt deutet sich an, dass der GEN4 das Racing spürbar verändern wird.
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