Cadillac ATS Coupé – Amerikaner stellen sich auf Europa ein
Cadillac möchte mit dem neuen ATS Coupé auch Deutschlands Autokäufer überzeugen. Deshalb haben sich die Amerikaner auf die automobilen Wünsche und Vorlieben der Europäer eingestellt. Überdimensionale Ausmaße und fette Motoren in Säuferlaune scheinen Vergangenheit. Der 4.66 Meter lange Zwei-Türer möchte die Kunden mit kantigem Design, reichhaltiger Ausstattung und effizienten Motoren überzeugen. Doch keine Sorge, auch der Zweiliter-Turbo-Benziner leistet immerhin noch 276 PS (203 kW). Sie wollen eine andere Leistung oder einen Diesel? Damit möchte Cadillac nicht dienen.
Beim Design mit der kantigen Karosserieform wird schnell klar, wie man sich von deutschen Premium Herstellern abgrenzen möchte. Im Vergleich zur Limousine wirkt das Coupé komprimiert. Obwohl es länger ist, eine fließende Dachform trägt und muskulöser wirkt, als die Schrägheck-Limousine. Die spitz gezeichneten Leuchten sind ein Eye-Catcher. Im Innenraum muss man sich zwischen vier Ausstattungslinien entscheiden: Elegance, Luxury, Performance und Premium.
Egal auf welche die Wahl fällt, der Innenraum des Coupés ist weitgehend deckungsgleich mit dem der Limousine. Alles ist an seinem Platz. Schön aufgeräumt, klar strukturiert und übersichtlich. Die Sitze sind bequem, dabei aber nicht zu weich. Selbst auf längeren Highway-Strecken sollte das passen. Besonders groß Gewachsene werden sich auf den hinteren Plätzen indes nicht wohl fühlen. Für Kinder ist das hingegen völlig easy.
Das ATS Coupé sollte für eine Familie mit zwei Kindern ausreichen. Vorausgesetzt, sie wollen nicht allzu viel Gepäck mit auf die Reise nehmen. Denn der 295 Liter fassende Kofferraum ist knapp bemessen. Sei‘s drum. Familien kaufen eh selten Coupés. Die Zielgruppe ist eher männlich und Single. Und weil Männer auf Technik stehen, stattet Cadillac das ATS Coupé mit einer Neuheit aus: Via Induktion lässt sich das Smartphone im ATS laden. Also über Magnetfelder. Man legt einfach das Smartphone in ein Fach in der Mittelkonsole und wartet. Wie auch immer das genau funktioniert. Nach einiger Zeit ist das Ding jedenfalls geladen und niemand muss mehr mit lästigen Kabeln und Steckern fummeln. Das nenne ich praktisch und die Konzentration des Fahrers kann auf dem Verkehr bleiben. Dominantestes optisches Merkmal im Innenraum ist der Acht-Zoll-Monitor des „CUE-Multimedia-Systems“. Wenn man sich an die Menüführung gewöhnt hat, läuft es prima und die Menü-Unterpunkte springen dem Nutzer schon beim Annähern vergrößert entgegen. Das ist magisch und hat sich schon bei Touchscreen-Systemen der Wolfsburger Konkurrenz bewährt.
Auch mit Allradantrieb bestellbar
Der 276 PS (203 kW) leistende Motor kann wahlweise mit Heck- oder Allradantrieb geordert werden. Wer durchweg sicher unterwegs sein will, der setzt auf Allrad. Der ATS liegt sicher und satt auf der Straße. Sportlich ambitioniertere Landstraßenhelden wählen eher den Heckantrieb. Die Elektronik (ESP) greift hier so bemerkenswert spät ein, dass der Fahrer ausreichend Gelegenheit hat, sein fahrerisches Können unter Beweis zu stellen. In Kombination mit der sportlich-präzisen Lenkung des ATS ist das ein Vergnügen. Der Fahrer hat zudem die Wahl zwischen den Modi: Tour, Sport und Schnee. Lenkung, Getriebe und Gasgriffigkeit werden je nach gewähltem Modus angepasst. Eine 6-Gang-Wandlerautomatik sorgt für die Umsetzung der Kraft. Fans von Schaltpaddeln werden nicht enttäuscht. Die Formel-1-Schaltwippen am Lenkrad machen Spaß und sind eine gute Hilfen um der Automatik sportlich unter die Arme zu greifen. Die bereits erwähnte Getriebeautomatik macht zwar einen soliden Job, reicht aber nicht wirklich an die Schaltzeiten eines modernen Doppelkupplungsgetriebes heran. Drückt man das Gaspedal zackig durch, sprintet die Turbomaschine willig und drehfreudig los.
Das Ganze ist untermalt von einem Sound, der 6- oder gar 8-zylinderverwöhnte Ohren nicht wirklich befriedigen kann. Der 4-Zylinder läuft indes leise und kultiviert. In 6,2 Sekunden haben wir Tempo 100 erreicht. Der ATS mit Hinterradantrieb erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 240 Stundenkilometern. Der Allradler wird lediglich 230 km/h schnell. Will man mit dem ATS einen niedrigen Verbrauch erzielen, braucht man einen sensiblen Gasfuß. Zwar ist der angegebene Durchschnittsverbrauch von 8,3 Litern erreichbar, bei betont sportlicher Fahrweise oder in der Stadt kann es allerdings schnell zweistellig werden. Eine Start-Stopp Automatik gibt es im ATS nicht.

Ab 39.600 Euro kann man das Cadillac ATS Coupé mit Heckantrieb und in der niedrigsten Ausstattungsvariante sein Eigen nennen. Dafür bekommt man zwar keine Eierlegendewollmilchsau, aber ein Auto, das der deutschen Premium-Konkurrenz durchaus Paroli bieten kann. Wer etwas mehr Geld in die Hand nehmen möchte, der bekommt den allradangetriebenen ATS ab 47.895 Euro. Der hat dann schon die höhere Performance-Ausstattungs-Variante an Bord. Das beinhaltet ein Head-up-Display, ein Bose-Soundsystem, 18-Zoll-Felgen, der schlüssellose Zugang und Bi-Xenon-Scheinwerfer. Noch ist der Cadillac ATS eine Rarität auf deutschen Straßen.
Jan Weizenecker
Absolvent der Volks- und Betriebswirtschaftslehre der Albert-Ludwigs Universität Freiburg. Mal in kleinerem, mal in weiterem Radius, aber immer mit der nötigen Portion Humor, berichte ich seit 2012 über die Neuerscheinungen der Automobilwelt.
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