Lamborghini Aventador SVJ -Ein halbes Pferd je Kilogramm Auto
Schon die Anlieferung dieses Testwagens war eine aufsehenerregende Show. Obwohl unsere Nachbarn eigentlich daran gewöhnt sind, dass immer wieder auch Sportwagen zu Testzwecken bei uns aufschlagen, war die Anlieferung des Aventador SVJ etwas Besonderes. Er kam nicht auf den Rädern, wie fast alle anderen. Er wurde auf einem Transporter gebracht dessen wertvolle Fracht unter einer edel beschrifteten Plane verborgen war.

Dass der Fahrer an einem Samstagmorgen runde 2 Stunden zu früh vor unserem Haus eintraf, machte die Sache auch nicht besser. Denn der kleine Italiener alarmierte sämtliche Nachbarn, nachdem das Klingeln bei uns nicht fruchtete. Was sich da wohl unter der Plane verbirgt? Schnell bildet sich ein kleiner Menschenauflauf. Was für ein Ereignis. Was für eine Erscheinung. Böse blickt dieser 415.000 Euro teurer Lambo in die Welt.
„Was kostet der“ fragt da der sparsame Badener unverholen. Kopfschütteln folgt auf meine Folge der Antwort. Ein Lamborghini ist wohl überall eine Seltenheit. Hier in der Badischen Provinz noch ein Stück mehr. Ich verstecke ihn also schnell in der Garage und habe zu tun, die zahlreichen Wünsche, mal mitfahren zu dürfen, freundlich aber bestimmt abzuwehren.


Seine überscharfe Optik polarisiert
Die normale Aventador-Version wäre hier im Badischen schon spektakulär genug. Aber der hier mit den drei magischen Buchstaben SVJ schlägt alles. Der 770-PS-starke Bolide zeigt sich auf seinen 4,94 Metern Länge noch schärfer noch kompromissloser. Die Mehrleistung von 30 PS ist dabei weit weniger interessant als die technischen Feinheiten, mit denen dieser Über-Aventador beeindruckt. Diese Feinheiten lassen den Aventador noch schneller durch die Kurven ziehen. Sein Fahrwerk ist noch sportlicher abstimmt. Seine Aerodynamik wurde filigran ausgefeilt.




Der 1,6 Tonnen schwere Supersportwagen mit Allradantrieb macht jede Kurve zum nervenzerreisenden Vergnügen. Ich taste mich langsam ran und am Ende kann ich mir kaum vorstellen, dass er diese Kurve mit diesem Tempo auch noch schafft. Sein Leistungsgewicht liegt übrigens je 1 PS bei 1,98 Kilogramm. Ein unglaublicher Wert. Um die Steifigkeit des SVJ hoch halten und trotzdem das Gewicht um 50 Kilogramm reduzieren zu können, haben die Lamborghini Ingenieure die Zahl der Karbon-Teile erhöht.
Fahren im Grenzbereich
Der Aventador SVJ ist nicht enden wollenden Fahren im Grenzbereich. Der auf 900 Fahrzeuge limitierte Italiener raubt seinem Fahrer ständig den Atem.

In 2,8 Sekunden erreicht er aus dem Stand Tempo 100. Und er bremst in rund 30 Metern von Tempo 100 bis zum Stillstand. Seine Höchstgeschwindigkeit von rund 350 Stundenkilometern kann man guten Gewissens wohl nur auf der Rennstrecke testen. Ich habe mich nicht getraut. 720 Newtonmeter bringt der V12-Sauger bei 6.750 Umdrehungen je Minute auf die Straße. Wenn man die einzelnen Gänge auszudreht, flimmert die Luft. Begleitet wird diese wilde Schau von einem Sound, der den Fahrer süchtig und die Nachbarn sauer macht.

Der variable Allradantrieb des SVJ sorgt dafür, dass die Motorleistung je nach angewähltem Fahrprogramm auf die beiden Achsen verteilt wird. Hinter dem Steuer bekommt man davon kaum etwas mit. Sein automatisiertes Schaltgetriebe ist indes gewöhnungsbedürftig, weil es die Gänge knallhart in die nächste Stufe katapultiert. Schlechte Straßen sind nicht sein Ding. Der liebt die glattgebügelte Piste.
50 kg weniger Gewicht durch den Einsatz von Kohlefaser-Bauteilen
Einen solchen Supersportwagen fahren zu können ist auch für einen Autotester ein seltenes Vergnügen. Die Tage mit dem Aventador SVJ ist einer der Tage, die man nicht vergißt. Bei all der Begeisterung und motorischer Power nicht übers Ziel hinaus zu schießen, will gelernt sein. Unerfahrene Driver können hier im überschwang die Kontrolle verlieren. Zum Glück sorgt hier der hohe Preis und die begrenzte Verfügbarkeit dafür, dass wenige in diese Gefahr kommen werden.
Die Reaktionen auf diesen Lamborghini sind aber nicht nur positiv. Das liegt einerseits an seiner krassen optischen Erscheinung und andererseits auch an dem Getöse seines akustischen Auftritts. Die Kabine ist so geschlossen, dass man Fahrer und Beifahrer kaum erkennt. Das werden die einen lieben, andere nicht. Wer es offener liebt und das nötige Spielgeld zur Verfügung hat, der wird auf den Spider warten. Er soll Anfang 2020 folgen und wird diesen Rennwagen mit Straßenzulassung mit Wind in den Haaren verbinden. So lange die Haare noch da sind.

Lamborghini Aventador SVJ – limitiert auf 900 Stück 770PS | 0-100km/h: 2,8sek | Basis: 349.116 Euro (Testmodell: 415.000 Euro)
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