An alle Nixblicker, ich bin der Picknicker! Als im Sommer 2010 das erste SUV-Modell von Mini erschien, war ich kritisch. Passt das zur Marke? Muss inzwischen wirklich jeder Hersteller ein SUV haben? Und wie viel Mini ist der Countryman überhaupt noch? Doch dann fuhr ich den kleinen Großen zum ersten Mal und war angetan. Klassische Optik, loungiger Innenraum, kompakte Außenmaße, trotzdem Platz für vier Personen und wie jedes Statussymbol von Mini natürlich kein Billigheimer. Dann bekam ich das Schätzchen nach Hause.

Meine damalige Freundin, absolute Mini-Enthusiastin, urteilte knallhart: „Gefällt mir nicht. Sieht aus wie ein aufgeblasener Mini“. Hm, inzwischen gehen wir getrennte Wege. Nicht das ich mich deshalb getrennt hätte, aber mal ehrlich. Dieses Nixblicker-Argument habe ich nie verstanden. Was kann einem im Kleinen denn gefallen und im Großen „aufgeblasene“ Missgunst wecken? Natürlich sind die Menschen den knuffigen klassischen Mini gewohnt. Und wir lieben Klischees – optisch und eben auch in der Theorie. Doch im Alltag haben viele von uns gewachsene Bedürfnisse an Platz und Komfort.Der Erfolg gibt Minis polarisierendem SUV, das die Bodengruppe des BMW X1 nutzte, jedenfalls recht. Ganze 550.000 Mal hat sich der Countryman bisher verkauft. Das neue Modell (2017) ist in alle Richtungen weiter gewachsen. Noch aufgeblasener könnte man sagen. Will man aber nicht, denn sein Blechkleid wirkt jetzt eigenständiger und moderner. Kurzum der neue Countryman ist ein echter Hingucker. Künftig wird es den kleinen SUV wieder mit Drei- und Vierzylinder Motoren geben, als John Cooper Works und sogar eine Plug-in Version ist angekündigt. Für die nötige Portion England sorgt eine Picknick-Bank auf der Ladekante des Kofferraums. Wie sich der Picknicker in unserem ersten Fahrbericht schlägt, lesen Sie hier.

 

Ein richtiges Lifestyle-SUV ist der neue Countryman geworden. Speziell der Cooper S steht austrainiert auf seinen Rädern. Von adipösen Schwimmringen in der Karosserie keine Spur mehr. Große Lufteinlässe, Powerdome auf der Motorhaube, eine markante Dachreling und kantige hintere Kotflügel zeichnen ein unverwechselbares Bild. „Wir hätten ihn auch kleiner machen können“, sagt BMW Vorstand Peter Schwarzenbauer bei der Präsentation. Doch man wollte den Kundenwünschen gerecht werden. Deshalb ist der Neue mit 4,30 Metern stolze 20 Zentimeter länger als der Vorgänger (R60). Außerdem wurde er drei Zentimeter breiter und der Radstand ist von 2,60 Meter auf 2,67 Meter gewachsen. Auch das neuste Familienmitglied lässt sich in alle Richtungen individualisieren. Neben unzähligen Farben gibt es Kontrastlackierungen fürs Dach, unterschiedliche Spiegelblenden, Streifen und 10 unterschiedliche Felgen. Doch im Ganzen ist die Optik des Stadt-SUVs immer noch sehr weich und versprüht den typischen Mini-Charme.

Auch im Innenraum hat sich einiges getan. Das Interieur bleibt jedoch typisch Mini. Die Deutsch-Briten haben das Tacho in der Mitte unlängst gegen ein bunt blinkendes 8,8 Zoll großes Display ausgetauscht. Dessen Bedienung über das Touchpad oder wahlweise den Dreh-Drück-Regler ist sehr intuitiv. Außerdem kann erstmals ein Head-up-Display bestellt werden. Der neue Mini Countryman ist bestens vernetzt. Es gibt ein Ortungssystem für verplante Leute, die Dinge wieder finden können, wenn an ihnen sogenannte Tags angebracht sind. Mit Mini Connected ist ein Mobilitätsassistent an Board. Er informiert über die Verkehrslage und soll die idealen Abfahrtszeiten berechnen können. Nervende Beifahrer/innen lassen sich mit dem Country Timer ablenken. Er wertet im Monster-Mini Design Fahrdaten auf unwegsamem Untergrund aus und verteilt je nach Leistung Titel wie „Slope Master“, „Street Cruiser“ oder „Cliff Champ“.

Dabei ist das Ambiente im Countryman extrovertiert und verspielt designt. Durch die grandiose Verarbeitung fällt der hohe Plastikanteil kaum ins Gewicht. Neu ist jetzt der aus der Modellfamilie bekannte rote Schalter zum Starten des Motors. Er ist serienmäßig, während besagtes Head-up-Display stolze 600 Euro extra kostet. Die wunderschönen Vordersitze sind nun elektrisch verstellbar, was aber stolze 1.250 Euro Aufpreis verlangt. Bemerkenswert ist das unglaubliche Raumangebot im Fond. Von hier blickt man auf die Union-Jack Kopfstützen des Vordersitzes. Dazu ist die im Verhältnis 40:20:40 teilbare Rückbank, die sich um bis zu 13 Zentimeter verschieben lässt, was den Countryman zum flexiblen Kinder Country macht. Und damit meine ich nicht den Schokoriegel. Durch die um 20 Zentimeter gewachsene Außenmaße ist nicht nur das enorme Platzangebot hinten entstanden, sondern auch ein im Vergleich zum Vorgänger deutlich höheres Kofferraum-Volumen von 450 bis 1.390 Liter. Neben der optionalen elektrischen Heckklappe, welche sich via Komfortzugang auch berührungslos öffnen lässt, hat Mini sich mit der „Picknick Bench“ ein wirklich lustiges und 120 Euro teures Gimick a la Rolls Royce einfallen lassen. Im Ladeboden des Kofferraums befindet sich eine Picknick-Sitzauflage für die Ladekante des Kofferraums. Very British!

Der neue Countryman ist ein Wonneproppen. Denn er ist etwa 100 Kilo schwerer als sein Vorgänger. Mit dem 136 PS Motor im Cooper wiegt das SUV satte 1.365 Kilo. Viel Gewicht für einen Dreizylinder. Deshalb ist es nur logisch, dass wir den 192 PS starken Cooper S Motor empfehlen. Der 2.0 Liter-Vierzylinder Turbomotor wird, bis im Juni der John Cooper Works auf den Markt kommt, der stärkste Antrieb für den Countryman sein. Er beschleunigt ins 7,2 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 km/h. Die 8-Stufenautomatik leitet die Kraft beinahe stufenlos an alle 4 Räder weiter. Die Dieselmotoren Cooper D und SD komplettieren die Modellpalette. Dabei sind alle Motoren mit dem „ALL4“ genannten Allradantrieb kombinierbar. Optional sind für den neuen Countryman elektronisch geregelte Dämpfer erhältlich. Erstmal sind auch die Fahrmodi: Sport, Mid und Green wählbar.

Und fährt man den Countryman, so ist man von seiner hohen Sitzposition angetan mit der der Fahrer erhabene Übersicht über das Geschehen erhält. Trotzdem kommt das viel beschworene Go-Kart Feeling in diesem Mini nicht zu kurz. Die straff angestimmte Federung und eine sehr spitze und direkte Lenkung machen das Kurvenjagen auf dem Weg zum Picknick zum echten Erlebnis.

Bei auftretendem Schlupf leitet das flexible Allradsystem All4 die Kraft des Ur-Frontrieblers an die Hinterachse weiter. Damit liegt der SUV stabil und souverän auf der Straße. Auf der Autobahn machen Tempomat und Abstandsregler den Picknicker zum komfortablen Grand Tourismo, der bei 222 km/h seine Spitzengeschwindigkeit erreicht. Mit lebhaftem Gasfuß und im sportlichen Modus zeigt unsere Anzeige einen Durchschnittsverbrauch von 9,2 Litern an.

Fazit:

Kein Scheiß man, denn jeder weiß man: Ich bin der Picknicker. Ab Februar 2017 gibt den aufgeblasenen Lifestyler. Sein Einstiegspreis liegt bei 26.500 Euro. Dafür bekommt man den 136 PS starken Dreizylinder Cooper. Den von uns gefahrenen Cooper S gibt es ab 29.900 Euro. Dabei sind alle Motoren in der Basis mit 6-Gang Handschaltung und Frontantrieb versehen. Nur der Cooper SD fährt serienmäßig mit der Automatik auf. Ab Juni wird es neben dem John Cooper Works Modell noch ein echtes Novum bei Mini geben. Auf Basis des BMW 225xe wird mit dem Countryman Cooper SE erstmals ein Plug-in Hybrid angeboten. Hier wird der Dreizylinder des Coopers voraussichtlich mit einem 88 PS starken E-Motor verbunden. Das führt dann zu 225 PS Systemleistung, 40 Kilometer rein elektrische Reichweite, bei einer Spitzengeschwindigkeit von 125 Stundenkilometern.

Technische Daten

Mini Countryman Cooper S ALL4

Maße (Länge x Breite x Höhe in m): 4,30 x 1,82 x 1,56
Radstand (m): 2,67
Motor: Vier-Zylinder-Turbobenziner, 1998 ccm, Direkteinspritzung
Leistung: 141 kW / 192 PS bei 5000 U/min
Maximales Drehmoment: 280 Nm bei 1350 – 4600 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 222 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 7,2 s
Verbrauch (Schnitt nach EU-Norm): 6,4 l
Kohlendioxid pro Kilometer: 146 g (Euro 6)
Tankinhalt: 51 Liter
Leergewicht (DIN)/ Zuladung: 1530 kg / 590 kg
Gepäckraum: 450 – 1390 l
Bereifung: 225/45 R 17
Basispreis: 31.900 Euro