Jaguar bringt noch 2017 einen XF Sportbrake

Kombis sind langweilig. Mit diesem Vorurteil haben Automobil-Hersteller weltweit zu kämpfen. Und auch Fahrern von solch praktischen Gefährten heftet das Spießer-Image, wie Volkswagen der Abgas-Skandal, an. Das trifft in erster Linie uns Deutsche im „Einig-Kombi-Land“ hart. Kaum eine andere Nation steht auf so viel Platz im Kofferraum und auf der Rückbank wie wir. Ist ja auch praktisch. Jetzt scheint es an der Zeit zu sein, an diesem Image zu rütteln. Was würde sich da besser als Gegenbeispiel anbieten, als die neue Sportbake-Variante des Jaguar XF? Und Sportbrake klingt ja viel aufregender, als Kombi. Wie aufregend die Raubkatze mit viel Nutzwert tatsächlich ist, lesen Sie in unserem Fahrbericht.Okay, ich geb’s zu. Ich bin KEIN Kombi-Fan. Aber ich habe auch keine Familie, und auch kein aufwendiges Hobby mit hohen Anforderungen an mobilen Raum. Meine Tennistasche passt eigentlich überall rein, findet zur Not auf dem Beifahrersitz Platz. Ähnlich verhält es sich mit dem obligatorischen Bierkasten. Da mir Kinderwagen genauso viel Angst machen wie Kit-Surfen, bin ich eigentlich der falsche Autor für diesen Artikel. Aber meine Nische ist es, mit dem verstaubten Kombi-Spießer-Image aufzuräumen.Jaguar um Chefdesigner Ian Cullum war mir dabei sehr behilflich. Denn betrachtet man den XF Sportbrake, so sieht er erst auf den zweiten Blick wie ein Kombi aus. Klar, nimmt die länger gezogene Dachlinie ein wenig von dem prächtigen Limousinen-Gefieder. Im ersten Moment frohlockt eine Mischung aus tiefergelegtem SUV, der eigentlich schon immer Sportwagen sein wollte. Genau in diese Kerbe schlägt die extrem lang gezogene Schnauze um den brachialen Kühlergrill. Sie bleibt – im Vergleich zur Limousine – unverändert. Dazu noch eine extra Portion Schulterlinie am Heck und breitere Rückleuchten die mit einem Chromstreifen verbunden sind. Fertig ist eine sexy Karosserie mit viel Kofferraum. Wer das steigern will, der bekommt mit der S-Variante noch mehr Kraft und ein betörendes Blechkleid.Nein, ein Kombi muss offensichtlich weder langweilig aussehen, noch langweilig sein. Ich habe meine Lektion gelernt.

Innenraum

Im Inneren setzt sich der positive Eindruck fort. Denn das Interieur strahlt in hellem Licht. Das 1,6 Quadratmeter große Panorama-Dach bringt Licht ins Dunkle. Cooles Gimik: Die dazugehörige Sonnenblende lässt sich spacig via Gestensteuerung öffnen und schließen. Ansonsten gleicht das Herz des Sportbrake dem bewährten Konzept der Limousine. Schwarzes Leder, Karbon-Elemente oder Chromleisten sind schick.

Mit digitalen Cockpit, Head-up-Display und großem Touchscreen-Infotainment-System bleibt technisch kaum ein Wunsch offen. Auch wenn der Jaguar bei Verarbeitungsqualität und Materialmix der deutschen Premium-Klasse ein klein wenig hinterher hinkt. Trotzdem: Schweine cool und very britisch! Das muss man so erst mal hinbekommen.Doch jetzt zum wichtigsten Merkmal des neuen Praktikanten. Dem Kofferraum. Er beheimatet 565 Liter Stauraum, der sich bei umgelegter Rückbank bequem auf sagenhafte 1.700 Liter Gepäck-Schlaraffenland erweitern lässt. Sexy und nützlich zugleich ist, dass sich die Heckklappe via Gesten-Steuerung öffnen lässt. Wer des Schlüssels müde ist, der schnallt den aus dem F-Pace bekannten „Active Key“ um. Er ist ein Armband und könnte selbst beim Schwimmen daran erinnern, dass Kombis nicht mehr mit dem verstaubten Image vergangener Tage belegt sein müssen. Dank des um 51 Millimeter verlängerten Radstands ist auch auf den Rücksitzen des Kombis mehr Platz als in der Limousine. Mit Pure, Prestige, Portfolio, R-Sport und S wird auch der Sportbrake in fünf attraktiven Ausstattungs-Linien verfügbar sein.

Was den aktuellen Erfolg von Jaguar beflügelt sind leistungsstarke Motoren. Zum Marktstart stehen ihrer fünf zur Auswahl. Das ist ein Benziner mit 250 PS und vier 4-Zylinder-Diesel mit einer Leistungsspanne von 163 bis 300 PS. Den kleinsten Diesel gibt es auch als Handschalter. Alle anderen Aggregate sind serienmäßig mit der Achtstufen-Automatik von ZF verknüpft. Der 250 PS starke Benziner beschleunigt in 7,1 Sekunden auf 100 und verbraucht gemessen lediglich 7,2 Liter Benzin. Seine Höchstgeschwindigkeit erreicht er bei 241 km/h. Geplant ist zudem eine V8 SVR-Version mit 600 PS. Ein Beleg mehr, dass Kombis cool sein können.Und jetzt das Entscheidende. Fährt man die Raubkatze und riskiert dabei keinen Blick nach hinten, so würde man nie auf die Idee kommen, in einem Kombi zu sitzen. Niemals. Fein ist auch das „configurable Dynamics“-System. Damit lassen sich Lenkung, Getriebe und Gasannahme vom super soften Schwiegermutter-an-Board-„Comfort“-Modus in den giftigen „Sport Modus“ verwandeln. Durch die Gewichtsverteilung von 50:50 zwischen Vorder- und Hinterachse liegt der Jag  – selbst ohne Allradantrieb – extrem stabil auf der Straße. Gleichzeitig sorgt die serienmäßige Luft-Federung mit automatischer Niveauregelung für wählbar guten Federkomfort. Dadurch soll der XF auch als Zugpferd von Lasten bis zu zwei Tonnen ein treuer Begleiter sein. Wem das zu langweilig wird, der ist mit der Müdigkeitserkennung auf der sicheren Seite.Fazit:

Die Preise für den Jaguar XF Sportbrake beginnen bei 43.960 Euro. Dafür gibt es den 2.0 Liter Diesel, der 163 PS leistet, und mit der 6-Gang-Handschaltung übersetzt wird. Den 20d mit 180 PS und Allrad und 8-Gang-Automatik gibt es ab 50.260 Euro. Wer die 300 PS des größten Diesel-Motors wünscht, der wird mit mindestens 67.660 Euro zur Kasse geben. Für den Turbo-Benziner mit seinem 4-Zylinder-250 PS-Aggregat und ebenfalls 8-Gang-Automatik werden 51.060 Euro fällig. Nach unseren Testfahrten bin ich froh, dass die Briten sich dazu entschieden haben, dem XF erstmals seit 2015 wieder eine Sportbrake Version zu spendieren. Denn mit diesem Modell beweist Jaguar, dass Kombis Spaß machen können und deren Fahrer keineswegs uncoole Anti-Hedonisten sein müssen.

Technische Daten

Jaguar XF Sportbrake 25t  184 kW/250 PS

Länge x Breite x Höhe (m): 4,96 x 1,99 x 1,50
Radstand (m): 2,96

Motor: R4-Benziner, 1997 ccm, Turbo, Direkteinspritzung, 8-Gang-Automatik
Leistung: 184 kW / 250 PS bei 5500 U/min
Max. Drehmoment: 356 Nm bei 1.200 – 4.500 U/min

Höchstgeschwindigkeit: 241 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 6,8 Sek.
ECE-Durchschnittsverbrauch: 7,2 Liter

Tankinhalt: 74 Liter
CO2-Emissionen: 155 g/km

Leergewicht / Zuladung: 1805 kg / 550 kg
Kofferraumvolumen: 565-1700 Liter

Max. Anhängelast: 2000 kg
Wendekreis: 11,9 m

Preis:  51.060 Euro