Warum schimpfen wir beim Autofahren?
Das Auto eignet sich nicht nur zum Musik- oder Hörbuch-Konsum. Es ist als privater Raum mitten in der Öffentlichkeit einer der wenigen Orte, an dem man seinem Zorn sofort und ungefiltert Ausdruck verleihen kann, ohne sich damit Ärger einzuhandeln. Deshalb wird hier auch massiv geflucht und geschimpft.
Fast alle tun es gelegentlich, rund ein Drittel der Deutschen tut es sogar häufig: „Wir fluchen, wüten und wettern beim Autofahren“, so der TÜV Nord. Nur vier Prozent schimpfen nie am Steuer vor sich hin, ergab eine Forsa-Umfrage. Das Fenster behalten die meisten dabei lieber geschlossen: Sie wollen ihrem Ärger Luft machen, ohne sich zusätzlichen Ärger einzuhandeln.
Der TÜV-Psychologe Dr. Ralf Buchstaller: „Um heil von einem Ort zum anderen zu kommen, sind wir permanent darauf angewiesen, dass sich alle an die Gesetze und Regeln halten.“ Je dichter der Verkehr, desto mehr Stress und desto wahrscheinlicher sei es, dass jemand gegen die geschriebenen oder ungeschriebenen Regeln verstoße. Bestimmte Situationen sind laut des Fachmanns besonders dazu geeignet, Frust und Aggressionen auszulösen. Etwa, wenn jemand den Verkehr behindert oder gefährliche Situationen herbeiführt. Und: Dichter Verkehr geht besonders an die Nerven.
Nur: Was hilft’s, in solchen Situationen zu fluchen und zu schimpfen – zumal, wenn uns sowieso niemand hören kann? „Die meisten meinen, sie könnten auf diese Weise Dampf ablassen“, sagt der Psychologe. „In der psychologischen Forschung spricht man von Katharsis, der emotionalen Reinigung durch Abbau von inneren Spannungen und aggressiven Impulsen.“ Doch dieser kathartische Effekt ist in der Wissenschaft höchst umstritten. Denn in der Regel schwinden Wut und Ärger schneller, wenn man sie einfach verrauchen lässt, lautet der Tenor jüngerer Studien. mid
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