Land Rover Defender auf dem holprigen Weg zur Markteinführung

Dass Gerry McGovern Land Rover kann, hat der Designer mit den großen Range Rover-Modellen und besonders mit dem Evoque längst bewiesen. Trotzdem haben die Puristen laut daran gezweifelt, ob er nun auch die Ikone, den Ur- und Erz-Land Rover in die Zukunft führen könne. Obwohl unhandlich, unbequem und laut, hat der alte Defender viele unzerbrechliche Freundschaften mit Besitzern geschlossen. Viele waren skeptisch, alle neugierig. Nun sehen sie klar: Der Neue hat sich vorgestellt – wenigstens aus der Ferne, wegen Corona.

Land Rover Defender P400.

Wie alle anderen hat auch Jaguar Land Rover die geplante Vorstellung vor der Fachpresse ausfallen lassen – auf unbestimmte Zeit verschoben. Das gilt nicht für die Markteinführung. Der Defender soll im Mai oder Juni bei den Händlern stehen, der dreitürige Defender 90 zu Preisen ab 49.700 Euro, der fünftürige Defender 110 ab 55.600 Euro. Hoffentlich dürfen die Händler bis dahin wieder ihrem Geschäft nachgehen.

Wie immer – auch der Defender hat es nicht leicht, seinen Produktzyklus zu beginnen. Ein Bericht von Glücklichen, die den Defender in Namibia erlebten, soll die Pause bis zu Pressevorstellung und Markteinführung schließen, wenigstens mit eindrucksvollen Fotos und Videos von der Tour durch das Kaokoland im Nordwesten Namibias. Automobilexperten bei Deutschland hatten sich auf den Weg ins südliche Afrika gemacht, um gemeinsam mit Land Rover-Spezialisten und einheimischen Scouts den Defender unter brettharten Offroad-Bedingungen zu erleben.

Land Rover Defender P400.

Wenn der Neue mit den vergoldeten Erinnerungen an den Alten mithalten will, darf ihm kein Weg zu weit, keine Aufgabe zu schwer, kein Gelände zu anspruchsvoll sein. Der geliebte Leiterrahmen darf auf keinen Fall vermisst werden. Dahinter verbirgt sich ein von Land Rover komplett neu konzipiertes, leichtes Aluminium-Monocoque, das einen passenden Superlativ für sich beansprucht. Es soll die steifste Karosseriestruktur sein, die Land Rover jemals in Serie gehen ließ. Volle drei Mal steifer als herkömmliche selbsttragende Karosserie-auf-Chassis-Lösungen.

D7x bildet die Basis für die Einzelradaufhängung, für das zweistufige Verteilergetriebe und den obligatorischen permanenten Allradantrieb. Extrem kurze Überhänge an Front und Heck führen zu Böschungswinkeln von bis zu 38 Grad vorn und 40 Grad hinten. Hinzu kommen Rampenwinkel von bis zu 31 Grad.

Land Rover Defender P400.

Das viertägige Testprogramm bot Sandpassagen in ausgetrockneten Flussbetten, Passagen mit tückischen Felsen und tiefem Schotter, extrem wellige Pisten oder steile Anfahrten und ebensolche Anstiege. Und als Krönung ging es über den Van Zyl’s Pass, der zu den schwierigsten Strecken in ganz Afrika gehört.

Den zu schaffen, passt zu den Erwartungen, die von der Marke traditionell geweckt werden. Doch zum Generationswechsel gehören auch moderne Technologien, etwa mit der aktuellen Entwicklungsstufe des von Land Rover kreierten Allround-Steuerungssystems „Terrain Response“. Es verfügt nun zusätzlich über einen konfigurierbaren Modus, der den Piloten in die Lage versetzt, Fahrzeugeinstellungen auf Straße, Gelände, Schnee und Eis oder persönlichen Geschmack zu justieren. Auch ein neuer Wat-Modus von bis zu 900 Millimeter ist jetzt Teil von Terrain Response.

Neu für den Defender ist die Luftfederung. Mit ihrer Hilfe lässt sich die Karosserie um 145 Millimeter anheben. Eine Menge zusätzlicher Bodenfreiheit, wenn es darauf ankommt. Äußerst hilfreich sind ferner die Achsverschränkung des neuen Defender von 500 Millimetern und seine Fähigkeit zu seitlichen Schräglagen von 45 Grad und 45 Grad steilen Anstiegen, entsprechend 100 Prozent.

Den Passagieren kommen nun auch Handling und Komfort zugute, von denen sie beim Vorgänger nur träumen konnten. Wie es sich für ein neues Auto gehört, ist der Defender nicht nur außen und innen bei den Maßen gewachsen bis hin zum siebensitzigen Modell 110. Welche Ausstattungen möglich sind, lässt sich schon mit dem Konfigurator im Internet herausfinden. Und auch in den geschlossenen Showrooms wird sicher jemand bereit sein, Fragen zu beantworten. ampnet

Fotos: Land Rover

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Redaktion/cwe
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