Schneller als ein Formel-1-Wagen: Volkswagen Polo R Supercar gewinnt Rallycross-WM
Windböen wirbeln den Sand über den Racetrack in Killarney. Die südlichste Stadt Afrikas wird vom Berg „Lion’s Head“ überragt. Hier, rund 20 Kilometer nördlich von Kapstadt entfernt, findet zum ersten Mal ein Rennen der FIA-Rallycross-Weltmeisterschaft statt. Und es ist gleich das Final-Wochenende der Rallycross-Saison 2018. Für viele Südafrikaner und die dort lebenden Europäer das sportliche Highlight des Jahres.
Riley und Rubin, zwei deutschstämmige Jungs, pressen ihre Nasen durch den Absperrzaum. Riley, der Vierjährige, trippelt dabei mit seinen kleinen Füßen auf dem unbefestigten Boden. Dabei drückt er mit seinen kleinen Fingern seinen Pullermann durch den Stoff der Hose ganz fest zusammen. „Nein, ich muss nicht“, versichert er seiner Mama empör, als sie ihn auf eines der Toi-Tois an der Strecke begleiten möchte. Für solche Nebensächlichkeiten ist nun wirklich keine Zeit. Zwei im Abstand von rund 3 Metern aufgestellte Zäune sichern die 1,060 Meter lange Strecke. Davon sind 60 Prozent asphaltiert. 40 Prozent verlaufen auf Schotter und Dreck. 
„Für uns ist das Rennen das Highlight des Jahres“, bekennt Papa Michael. Obwohl die Eintrittskarten für hiesige Verhältnisse sehr teuer sind, kommen zu diesem Rallycross-Spektakel unglaublich viele Zuschauer. Viele sind mit ihren Campingstühlen hier, auf den Ladeflächen von Pickups angereist. Andere kommen mit öffentlichen Verkehrsmitteln an der „Potsdam-Station“ an, deren Name an die deutschen Auswanderer erinnern soll. Die Karten im äußeren Ring, ohne Sitzplätze, sind deutlich günstiger.
Hier herrscht Volksfeststimmung. Über den Dieselskandal oder Abgaswerte spricht hier niemand. Hier versammeln sich eingefleischte Motorsportfans. Den Autoherstellern müsste das Herz aufgehen. Papa Michael und seine Familie haben Karten für Plätze direkt an der Strecke. Er weiß, was seine Jungs mögen – und er selbst natürlich auch. Die Stimmung auf der Formel Eins-Strecke von 1960 gefällt dem ausgewanderten Deutschen. Einige Plätze weiter auf den Zuschauerrängen hat einer der ausgeschiedenen Rallycross-Fahrer Platz genommen. Ganz ohne Berührungsängste mit dem Publikum – wo gibt es das noch?
Riley verweigert während dessen noch immer den ratsamen Gang zur Toilette. 28 Rennen über je 4 Runden dauern jeweils runde 3,5 Minuten. Da muss die Blase was aushalten. Riley kann nicht sagen, wie viele Rennen er schon schon gesehen hat, schließlich kann er erst auf 10 zählen.



Der Norweger Andreas Bakkerud vom EKS Audi Sport Team lässt sich von einer mitgereisten Fangruppe feiern. Grid-Girls zeigen ihre Reize, und posen geduldig vor den Linsen der Smartphone-Kameras der Zuschauer. Jede Menge Selfies machen die männlichen Autofans mit den Mädels. In der Box von Team PSRX Volkswagen wird indes fleißig geschraubt. Die Mechaniker haben nur Augen für die beiden Polos. Jede Minute zwischen den Rennen wird genutzt. 





Trotzdem wiederholt die Mannschaft um Teamchef und Fahrer Petter Solberg den Vorjahreserfolg und gewinnt erneut den Titel in der Teamwertung.
Nicht nur Fahrer lieben Rallycross. Die Zuschauer lassen sich von den Künsten der Fahrer begeistern. Ob es der kleine Riley noch rechtzeitig auf die Toilette geschafft hat, ist indes nicht überliefert. Verraten hat er uns allerdings, was sein größter Wunsch ist: Rallycrossfahrer werden.
Fotos: Heinrich Hülster und Der-Autotester.de
Cornelia Weizenecker
Ich bin die Frau bei Der-Autotester.de. Autos sehe ich nicht durch die rosarote Brille. Von heißen Kisten bleibe ich (meist) unbeeindruckt. „Hauptsache es fährt“, lasse ich aber auch nicht durchgehen. Ganz im Gegenteil. Ein Auto muss für mich vor allem alltagstauglich, umweltschonend und bezahlbar sein. Nur bei Cabrios und Oldtimern kann ich schwach werden. Elektroautos bringen mich zum Strahlen.
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