Der Krieg sei der Vater aller Dinge, soll Heraklit von Ephesos behauptet haben, der ein halbes Jahrtausend vor der Zeitenwende als griechischer Philosoph zu Ehren kam. Irgendwie passt dieses Zitat auch zum putzigen Geländewägelchen Mini Moke, der zunächst beim Militär dienen sollte und dessen Technik auf dem Austin Mini basierte. Ihn hatte Mitte der 1950er-Jahre Sir Alec Issigonis für die British Motor Corporation (BMC) entworfen.

Der „Buckboard“ wird beim britischen Militär getestet (1959).

Issigonis war es auch, der wenige Jahre später im Auftrag der britischen Armee einen Moke-Prototyp auf die Räder stellte. Der erhielt den Code-Namen „Buckboard“ (eine veraltete englische Bezeichnung für ein primitives, vierrädriges Motorfahrzeug), fiel aber aufgrund seiner geringen Bodenfreiheit und eines schwachen Motors mit nur 848 Kubikzentimetern Hubraum und 35 PS (25,4 kW) bei Tests im Gelände durch.

Dann bekam der Buckboard größere Reifen und verbesserte Geländefähigkeiten und wurde 1962 als Mini Moke erneut vorgestellt. Mini, weil er immer noch die Technik der zivilen Mini-Version unter dem spärlichen Blech trug, Moke, weil das Wort in altertümlichem Englisch „Esel“ bedeutet. Leider stieß das Auto bei den Militärs auch diesmal auf wenig Gefallen, so dass sich die BMC auf eine zivile Version konzentrierte. So kam der Moke im Januar 1964 auf den Markt, und der Rest ist Geschichte.

Als Spaßmobil eroberte das kleine Auto ohne Türen – nicht zuletzt als Konkurrenz zum VW Buggy – insbesondere jene Strände, wo sich die Reichen und Schönen tummelten. Die junge Brigitte Bardot zum Beispiel nutzte ihn in Saint Tropez zum Einkaufen, die legendäre Surf-Sound-Popband „Beach Boys“ ließen sich mit dem Moke am Strand sehen. Gleich in vier James-Bond-Filmen kam der Pseudo-Geländewagen ebenfalls zum Einsatz: In „Leben und sterben lassen“, in „Man lebt nur zweimal“, „Der Spion, der mich liebte“ und „Moonraker“.

Patty Boyd, zweitweilige Ehefrau von George Harrisson, im Mini Moke des Beatles-Gitarristen.

Patty Boyd, Fotomodell, Fotografin und elf Jahre lang Ehefrau von Beatle George Harrison schrieb auf Facebook: „George liebte Autos – alle Beatles taten es. Nach dem Jaguar E-Type kaufte er sich einen silbernen Aston Martin DB5 und einen Mini Moke ohne Türen und ohne Dach, der im Sommer wirklich Spaß machte. Auf der Kings Road in London war sein Wagen Kult.“ In England selbst hielt sich die Moke-Begeisterung allerings in Grenzen. Von den zwischen 1964 und 1968 gebauten 14.518 Exemplaren gingen 90 Prozent in den Export.

Anders in Frankreich, Australien, Kalifornien und der Karibik. Dort verlief die Beliebtheitskarriere des Kleinen steil – und ist bis heute nicht klein zu kriegen. Erst kürzlich verkündete Moke International Ltd. aus Aylesbury, der Hauptstadt der englischen Grafschaft Buckinghamshire und eineinhalb Autostunden nordwestlich von London, die Auflage einer neuen Sonderserie mit Technik von heute, entwickelt in Großbritannien und gebaut in Frankreich. Das Unternehmen, ein Firmenkonsortium aus Australien, Thailand und China, hatte sich 2015 das Markenrecht an der Bezeichnung „Moke“ gesichert.

Australischer Morris Mini Moke (1966).

Während die Briten 1968 die Produktion des Autos auf Eis legten, ging es anderswo weiter. Kurz vor Schluss waren noch 300 CKD-Teilesätze (Completely Knocked Down = total zerlegt) nach Rhodesien exportiert und dort bis 1967 zusammengebaut worden. Gleichzeitig machte sich ab 1966 in Australien BMC an die Fertigung einer neuen Version, den Morris Mini Moke. Der hatte einen mit 998 Kubikzentimetern größeren Motor und leistete 40 PS (30 kW). Damit brachte er es immerhin auf eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h. Ab 1973 wurde der Morris Mini Moke als Leyland Moke hauptsächlich in die USA exportiert. Er bekam 1976 einen neuen 1098 ccm großen Motor, der ein Jahr später durch eine 1275-ccm-Maschine ersetzt wurde. Fast 27.000 Einheiten der neuen Variante, Moke Californian genannt, liefen vom Band. Als die Produktion 1981 eingestellt wurde, hatte das Modell endgültig Kultstatus erreicht.

Nun wanderte der Moke-Staffelstab von Australien nach Portugal. Die portugiesische Tochtergesellschaft von BMC begann dort zu Beginn der 1980er-Jahre mit der Produktion und hielt 13 Jahre lang durch. Dabei liefen rund 10.000 Fahrzeuge vom Band, womit in 30 Jahren seiner Produktion in verschiedenen Ländern insgesamt 49.937 Mini Moke entstanden sind. Danach gab es eine Pause von nahezu einem Vierteljahrhundert. Fast sechs Jahrzehnte nach seinem ersten Auftritt steht der Moke nun vor seiner Renaissance.

Moke aus portugiesischer Produktion (1980).



Der britische Designer Michael Young machte das Auto 2018 reif für das 21. Jahrhundert. Es verfügt jetzt über einen 1083 Kubikzentimeter großen und bei 6000 Umdrehungen in der Minute 67 PS (50 kW) leistenden Vier-Zylinder-Motor mit einem Drehmoment von 93 Newtonmetern bei 3500 bis 4500 U/min. Servolenkung, wahlweise Schalt- oder Automatikgetriebe sowie wasserdichte Sitze und 13 verschiedene Farben sind ebenso erhältlich wie eine Vielzahl von Zubehör. Vorerst ist eine auf 56 Exemplare limitierte Sonderserie geplant, später soll es einen komplett batteriebetriebenen Moke geben

Mini Moke (2020).
Elektro-Moke aus Kalifornien.

Einen elektrischen Moke gibt es bereits heute in Kalifornien, produziert von Moke America aus Los Angeles. Der ist allerdings aus guten Gründen nur in den USA erhältlich. Er bringt es mit 20 PS (15 kW) gerade einmal auf eine Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h und schafft mit einer Stromladung, die rund acht Stunden dauert, angeblich knapp 65 Kilometer weit. Mit einem Preis von umgerechnet knapp 17.000 Euro recht teuer für ein Vehikel, das wohl in erster Linie als Cart für den Golfplatz taugt. ampnet

Fotos: The Hendy Group