Alltagstest: Kia Sportage PHEV (2022)

Schon im Frühjahr haben wir das Kompakt-SUV Kia Sportage mit seinem Plug-in-Hybrid-Antrieb (er kann Strom an Lade-Stationen und am Haushaltsstecker aufnehmen) zu seiner Markteinführung vorgestellt. Nun haben wir den koreanischen Alleskönner im Alltagstest. Bei dieser Gelegenheit gehen wir in unserem Video auf die zu erwartende weitere Entwicklung der PHEV-Antriebe ein, nachdem die bisher gültige Kauf-Förderung der PHEVs bekanntlich ab dem Jahreswechsel abgeschafft wird.

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Bis heute (Mitte August 2022) hat die Politik nicht alle Parameter der PHEV-Behandlung veröffentlicht. Doch dafür ist es höchste Zeit, wenn man nicht möchte, dass die PHEV-Verkäufe durch diese Unsicherheit einbrechen. Einige Hersteller, unter anderem Ford, haben schon reagiert und bieten die vollen bisherigen Förderbeträge an, wenn man bis zu einem bestimmten Zeitpunkt bestellt. Wir vermuten zudem, dass die Hersteller die Preise der PHEV-Modell nach Ende der staatlichen Förderung nach unten anpassen werden. Weiterhin unsicher ist zudem, ob die Dienstwagenförderung (halber Prozentsatz gegenüber reinen Verbrennern) für die PHEVs bestehen bleibt.

Wie zu hören ist, könnte eine Lösung sein, die Mindest-E-Reichweite auf 80 Kilometer zu erhöhen, um die 0,5-Prozent-Regelung zu erreichen. Andere Quellen wollen wissen, dass man diese Förderung an einen Mindestanteil an mit Strom gefahrenen Kilometern gebunden werden soll. Aber auch dazu hört man schon wieder Dementis. Noch ist, auch hier leider nix fix.

Wie geht es mit den PHEVs weiter?

Seit 1993 wird der Kia Sportage bereits angeboten. Schon früh haben die Koreaner offensichtlich erkannt, wie gern die Käufer kompakte SUVs mögen werden. Längst ist dieses Segment das am schnellsten wachsende auf dem Automobilmarkt. So ist es kaum verwunderlich, dass nun schon die fünfte Generation des kompakten SUVs auf unseren Straßen fährt. Der sichtlich neu gezeichnete Korea-SUVs trägt eine moderne Formgebung mit scharf gezogenen Linien, einem markanten, unterbrochenen Kühlergrill, den sichelförmigen Scheinwerfern und der angepassten „Tigernase“.

Kia Sportage mit Plug-in-Hybrid-Antrieb (2022)

Je länger ich den neuen Sportage sehe, umso besser gefällt er mir. Beim ersten Kontakt war ich zunächst nicht begeistert. Am Heck fällt die geschwungene Linie ins Auge, die den Lack optisch vom schwarzen Bereich um den Unterfahrschutz trennt. Ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber interessant. An den Seiten werten Chrom-Zierleisten an der Unterseite der Fensterlinie den Sportage optisch auf. Mit einem Sprung nach oben wird sie an der Seite der Heckklappe weitergeführt. 

Kia Sportage PHEV 2022 - Haben Plug-in-Hybride eine Zukunft?

265 PS und Allradantrieb

Zur Systemleistung von 265 PS trägt der Turbo-Benziner 180 PS bei. Die Elektro-Maschine steuert 91 PS zu. So resultiert ein Drehmoment von 350 Newtonmetern. Damit braucht der Sportage PHEV aus dem Stand 8,2 Sekunden auf Tempo 100. Mit diesem Antriebssystem wird der neue Sportage zwar nicht zum Sportwagen, aber das Fahren mit ihm ist auch an steilen Autobahnanstiegen ausreichend dynamisch. Über einen Schalter in der Mittelkonsole kann der Fahrer entscheiden, ob er überwiegend elektrisch angetrieben fahren möchte (EV), stärker mit dem Verbrenner bewegt werden möchte (HEV) oder das System den Anteil automatisch festlegen soll. Die Kraft wird dabei über eine 6-Gang-Wandler-Automatik an die 4 Räder geleitet. 

Kia Sportage PHEV 2022 - Haben Plug-in-Hybride eine Zukunft?

Bis zu 78 Kilometer rein elektrisch

Im reinen E-Betrieb gibt Kia 16,9 Kilowatt je 100 Kilometer als WLTP-Verbrauch an. Auf unseren gemischten Testfahrten lag der Verbrauch im „EV-Modus“ bei 19,8 Kilowatt. So resultiert mit dem 13,8 kWh Akku, je nach der Dynamik des Fahrstils, eine rein elektrische Reichweite von 60 bis 78 Kilometern. Wenn man seinen Gasfuß mäßigt, kann man aus unserer Sicht den Norm-Wert erreichen. Die Reichweite des Benziners baut auf einen 42 Liter-Tank. Unsere ersten Testfahrten, die nicht auf eine Minimierung des Verbrauchs aus waren, sondern auf eine realistische Alltagsnutzung, ergab im automatischen Modus (das Fahrzeug mischt E-Antrieb und Vebrenner-Antrieb selbstständig) einen Verbrauch von rund 9,5 Litern.

Kia Sportage mit Plug-in-Hybrid-Antrieb (2022)

Man kann bestimmt auch 8 Liter je 100 Kilometer erreichen, aber ob man da noch Spaß an der Fortbewegung hat, sei dahingestellt. Durch seine E-Reichweite kann es gelingen, den Sportage PHEV im üblichen Alltagsbetrieb (die meisten von uns fahren in der Regel nicht mehr als 50 Kilometer pro Tag) nahezu ausschließlich elektrisch zu bewegen. Wer dann die Möglichkeiten findet, an Supermärkten, Discountern oder beim Arbeitgeber kostenfrei zu laden, muss sich um hohe Benzin-Preise kaum noch Sorgen machen.

Kia bietet zudem mit „Kia Charge“ einen Vertrag an, über den an nahezu allen Ladestationen zu einem Preis von 33 Cent je Kilowattstunde unkompliziert geladen werden kann. Weil wir schon bei den Kosten sind: Der Kia Sportage PHEV kostet ab 44.390 Euro. Noch bis zum Jahresende (Auslieferung) gibt es die Förderung in Höhe von 6.750 Euro (siehe dazu unsere Einführung und das Video).

Kia Sportage PHEV Ladebuchse

Laden in 1:45h

Der Sportage PHEV kann mit bis zu 7,2 kW geladen werden. So ist er in 1:45 Stunden wieder voll. An einer üblichen 4,6 kW Wallbox dauert der Vorgang 2:44 Stunden. Wer an einer Standard-Steckdose laden möchte, schafft das in etwa 5,5 Stunden. Also locker über Nacht. 

Europäische Abstimmung

Der Kia Sportage PHEV lässt sich wunderbar leicht bewegen. Sein Fahrwerk wurde bestens auf den Geschmack der Europäer hin abgestimmt. Schon im Normal-Modus (es gibt mehrere Fahr-Modi) zeigt er in schnell gefahrenen Kurven nur wenig Wankneigung. Die Getriebe-Automatik schaltet schnell, kaum merklich und besser, als wir es könnten. Der Allradantrieb sorgt für sichereren Vortrieb auch auf schwierigem Untergrund. Es ist eine Freude. Unter Voll-Last dröhnt der Motor bisweilen ein wenig, aber auch daran gewöhnt man sich schnell. Kaum der Rede wert. 

Der Innenraum kratzt an Premium

Die 4,52 Meter lange Koreanern hatten offensichtlich das Premium-Segment im Auge, als sie den Innenraum des Sportage 2022 entwickelt haben. Deutlich sichtbar am gestiegenen Niveau der verwendeten Materialien und auch an der soliden Verarbeitung. Beeindruckend ist das leicht gewölbte Doppel-Display (2 x 12,3 Zoll). Weiche Materialien werden auch an den Türverkleidungen eingesetzt. Ein schöner Mix aus Klavier-Lack und mattem Chrom. Alles klar und übersichtlich strukturiert. Die Bedienung erscheint uns daher leicht und intuitiv.

Clever gemacht ist die Doppelbelegung der Bedien-Leiste in der Mitte des Armaturenbretts. Spaß macht auch das online-basierte Spracherkennungssystem. Warum? Weil es zuverlässig funktioniert. Das schont die Nerven, ist in der Branche leider noch immer nicht die Regel. Mein Tipp: Gönnen Sie sich das große, teilweise öffenbare Panoramadach für 990 Euro, denn es macht den Innenraum heller und freundlicher. Zudem kann schlechte Luft schnell nach oben raus gelassen werden und die Sonne herein.

Als Gepäckraum stehen ordentliche 540 Liter bei 5er Belegung zur Verfügung. Das sind etwa 50 Liter weniger, als beim reinen Benziner. Die im Verhältnis 40:20:40 umklappbaren Rücksitzlehnen geben bis zu 1.715 Liter fürs Gepäck frei. Leicht macht es Kia den Usern auch beim Öffnen der Heckklappe (Teil der höchste Ausstattungsstufe). Sie kann entweder per Sprachbefehl aus dem Auto, auf Knopfdruck oder durch Stehen neben der Heckklappe mit dem Schlüssel bei sich geöffnet werden. Hier müssen keine artistischen Bewegungen auf einem Bein mehr vollführt werden, wenn man mit einem Getränkekasten in den Händen hinter dem Auto steht. Tolle Lösung!

Kia Sportage PHEV Navi

Moderne Assistenz-Systeme

Schon in der Basis sind etliche moderne Assistenz-System verbaut. Gegen 1.300 Euro bekommt man aber das volle Paket, so unter anderem ein Abstandsregeltempomat, der die Daten des Navis integriert, was ihn vor Kurven angemessen abbremst und danach wieder entsprechend der jeweils gültigen Geschwindigkeitsobergrenze wieder beschleunigt.

Kia Sportage PHEV

7 Jahre Garantie

Wie für alle Kia Automobile gilt auch für den Sportage eine besonders lange Garantiedauer. 7 Jahre (bis maximal 150.000 km) haben der Käufer und auch mögliche Wiederkäufer die Sicherheit, für technische Mängel (die nicht durch Unfälle oder üblichen Verschleiß verursacht sind), nichts extra bezahlen zu müssen. Damit hebt sich Kia deutlich positiv von den meisten anderen Herstellern ab, die oft nur 2 Jahre anbieten. Für die Käufer kann das ein entscheidender Vorteil sein, denn je älter ein Auto wird, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit von auftretenden Mängeln. Und das kann dann viel Geld kosten. 

Kia Sportage PHEV Dr Friedbert Weizenecker

Fazit

Der PHEV-Antrieb ist in meine Augen die aktuell beste Wahl für den Kia Sportage, die durch die – noch – geltende Förderung nicht mal teurer sein muss. Mit ihm kann man wählen, ob man elektrisch oder mit dem Verbrenner angetrieben fahren möchte. Das ist die aktuell wohl klügste Übergangstechnologie. Dieser Kia Sportage muss sich wahrlich nicht vor einem VW Tiguan, einem Ford Focus verstecken. Er bietet viel Raum, ist klug entwickelt, solide gebaut, trägt wertige Materialien im Innenraum und ist mit moderner Technik versehen. Wer ein kompaktes SUV mit Plug-in-Antrieb auf dem Zettel hat, der sollte sich auch den Sportage anschauen.

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Technische Daten:

Kia Sportage Plug-in Hybrid

Verbrennungsmotor: 1,6-Liter-Turbobenziner mit 132 kW/180 PS
Elektromotor: 67 kW
Systemleistung / Systemdrehmoment: 195 kW (265 PS) / 350 Nm
0-100 km/h / Höchstgeschwindigkeit: 8,2 Sek. / 191 km/h (Elektromodus: 140 km/h)
Akku: 13,8 kWh (Lithium-Ionen-Polymer-Akku)
Normverbrauch: 1,1 Liter Benzin und 16,9 kWh pro 100 km (WLTP)
CO2-Emissionen: 26 g/km (WLTP) Elektrische Reichweite: 78 km (WLTP)
Maße: 4.515 mm Länge / 1.865 mm Breite / 1.650 mm Höhe / 2.580 mm Radstand
Kofferraum: 540-1.715 Liter
Basispreis: 44.390 Euro

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