Hybride sind Autos, die neben einem klassischen Verbrenner (als Hauptantriebsquelle) zusätzlich einen E-Motor einsetzen, für den die elektrische Energie aus der Bewegungsenergie des Autos zurückgewonnen wird. Damit sollen sie nicht zuletzt eine bezahlbare Alternative zum in Verruf geratenen Diesel sein. Ein Auto dieser Gattung ist der Kia Niro Hybrid (HEV). Attraktiv macht den Niro zudem, dass er eines dieser kompakten SUVs ist, die seit geraumer Zeit hoch in der Gunst der Käufer stehen. Ein Nachteil: Aktuell profitieren nur die Plug-in-Hybride von der bevorzugten Dienstwagenregelung.

Kia Niro HEV

Plug-in-Hybride haben die Möglichkeit, über einen Stecker externe Stromquellen zu nutzen und in einem großen, schweren Akku-Satz zu speichern. Sie erreichen so eine rein elektrische Reichweite von 30 bis 80 Kilometern. Hybride ohne diesen Anschluss – wie der Niro HEV -schaffen nur kurze Strecken im Schwachlastbereich rein elektrisch. Sobald man etwas stärker aufs Gaspedal drückt, schaltet sich der Verbrenner zu. Wir haben den Kia Niro HEV über 14 Tage hinweg im Alltag unter die Lupe genommen. 

Kia Niro HEV

Mit seinen 4,36 Metern Länge, 1,55 Metern Höhe und dem Radstand von 2,70Metern rangiert er am oberen Rand der Kompakt-Klasse. 160 Millimeter Bodenfreiheit bringen den Koreaner auf SUV-Niveau.

Dank der erhöhten Bodenfreiheit gleitet man bequem auf den Fahrerplatz. Wie in allen Kia-Modellen fällt die Orientierung im aufgeräumten Cockpit leicht. Die Sitze sind komfortabel und trotzdem seitenstabil. Auch die Passagiere der Rückbank genießen noch eine angenehme Beinfreiheit. Das Gepäckraumvolumen liegt mit 436 Liter bis 1.434 Litern im Klassen-Mittelfeld.

Kia Niro HEV

Die ebene Ladefläche steigt leicht nach vorne hin an.
Neben dem Vier-Zylinder-Benziner mit seinen 1,6 Litern Hubraum und 105 PS Leistung ist ein 44 PS starker Elektromotor an Bord. Der zur Speicherung der kinetischen Energie verbaute Lithium-Ionen-Akku hat eine Kapazität von 1,56 kWh. So entsteht eine rein elektrische Reichweite von 3 bis 5 Kilometern.

Das kombinierte Drehmoment beider Motoren gibt der Kia mit 265 Newtonmetern an. Rund 1,6 Tonnen bringt der Niro Hybrid auf die Waage. Damit wird der Niro zum vielseitigen Familienfreund, aber nicht zum dynamischen Freizeitgerät. Das macht auch seine Höchstgeschwindigkeit von nur 162 Stundenkilometern deutlich. Am Ende des Testzyklus habe ich 5,9 Liter als Verbrauch notiert. Das ist deutlich mehr, als der vom Hersteller definierte Normverbrauch von 4,4 Litern. Warum das so ist? Der Verbrenner ist häufiger gelaufen, als ich das erwartet hatte. Selbst im E-Modus schaltet er sich zu, sobald man Verbraucher – wie die Heizung – zuschaltet. Und das unabhängig davon, wie schnell man fährt oder beschleunigt.

Spaß hat mir die sogenannte One-Pedal-Bedienung gemacht. Damit ist gemeint, dass man auf das Brems-Pedal in vielen Fahrsituationen verzichten kann, wenn man rechtzeitig eine der 3 Rekuperationsstufen über die Paddel am Lenkrad einlegt. Je höher die Stufe (1 bis 3), umso stärker bremst der Niro ab und umso stärker ist die Ladewirkung. An diese Funktion muss man sich gewöhnen, aber wenn man sie mal drauf hat, kann das Energie gewinnen mit Hilfe dieser Funktion beinahe zur Sucht werden. Insbesondere auf langen Bergab-Fahrten – wie etwa von Pässen herunter – macht sich das deutlich positiv auf den Ladezustand der Akkus bemerkbar. In unserem Fall war gegen Ende der Talfahrt der Akku sogar komplett gefüllt. Ein voller Akku bringt den Nachteil mit, dass die Funktion dann nicht mehr zur Verfügung steht, also die Energie nicht genutzt werden kann und die Bremswirkung durch die Rekuperation weg fällt. Aber das wird wohl nur nach sehr langen Abfahrten passieren. Die im Akku geladenen Energie wird dann für Fahrten im reinen E-Modus oder als Boost beim starten Beschleunigen verwendet. Leider kam im Schnitt trotzdem kein Verbrauch zu Stande, der einen signifikanten Vorteil zu reinen Benziner in dieser Klasse ergeben würde. Unser Audi A3 schafft – ohne Hybrid-Hilfe – auch einen Verbrauch von 7 Litern. Damit stellt sich die Frage der Sinnhaftigkeit dieses Hybriden, der ja mehr kostet, als der Niro mit reinem Benzin-Antrieb. 

Was uns auf den Testfahrten noch aufgefallen ist? Das im Grundpreis beinhaltetet, automatische 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe Getriebe schaltet manchmal ohne erkennbaren Anlass hin und her. Nervig. Ansonsten ist dieser Niro ein ganzer Kia. Will sagen, gut verarbeitet, ordentliche Materialien, leicht zu bedienen und mit 7 Jahren Garantie versehen (bis 150.000 km).

Kia-Niro

Der Grundpreis des Niro Hybrid (HEV) liegt bei 26.990 Euro (Edition 7). Wer aber das große Spektrum an Komfort- und Assistenz-Systeme haben will (Spirit), der kommt auf nahezu 34.000 Euro. Dafür bekommt man eine Berganfahrhilfe, Brems- und Spurhalteassistent, Leichtmetallfelgen, Müdigkeitserkennung, höhenverstellbare Vordersitze, Nebelscheinwerfer, Klimaautomatik, Tempomat, Wegfahrsperre und Zentralverriegelung. Ein Navi mit 8-Zoll-Bildschirm, Regensensor, Einparkhilfen vorn und hinten, LED-Scheinwerfer und Rückfahrkamera.

Und so sieht Jan den Kia Niro HEV:

Fazit:

Der Niro Hybrid lässt sich leicht handhaben, er ist ausreichend komfortabel, unauffällig im Fahrverhalten, und hinreichend wirtschaftlich. Sportlichkeit ist seine Sache nicht. Er liebt die ruhigere Gangart. Sein gutes Platzangebot macht ihn zum vielseitigen Alltagsauto. Die Hybrid-Technik bringt ihn beim Verbrauch in die Nähe eines Diesel-Motors. Wir hätten hier jedoch eine größere Verbrauchseinsparung erwartet, um seinen Mehrpreis gegenüber dem reinen Benziner zu rechtfertigen. Seine 7 Jahre Garantie stellen einen beachtlichen wirtschaftlichen Vorteil dar. 

Kia Niro HEV

Technische Daten:

Kia Niro 1.6 GDI (HEV) Spirit
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe): 4,36 / 1,80 / 1,55 m
Radstand: 2,70 m
Leergewicht (DIN): 1.587 kg
Sitzplätze: 5
Ladevolumen: 436 / 1.434 Liter
Motor: 4-Zylinder Reihenmotor, Hubraum 1.580 ccm
Getriebe: 6-Gang Doppelkupplung, automatisch
Systemleistung Verbrennungs- und E-Motor: 141 PS (104 kW)
Kraftstoffart: Super-Benzin
Antrieb: Frontantrieb
Höchstgeschwindigkeit: 162 km/h
Tankvolumen: 45 Liter
max. Drehmoment (gesamtes System): 265 Nm von 1.000 – 2.400 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h: 11,5 Sekunden
Normverbrauch (kombiniert): 4,4 Liter
Testverbrauch (kombiniert): 5,9 Liter
CO2-Emission kombiniert: 101 g/km

Fotos: Kia