Der neue VW Touran – Familienkutsche im besten Sinn
Als der Volkswagen Familien Van Touran vor rund 12 Jahren auf den Markt kam, schuf der Konzern 5.000 zusätzliche Arbeitsplätze. Und diese Investition sollte nicht vergebens sein. Bis heute wurden nahezu 2 Millionen Touran ausgeliefert. Eine gewaltige Zahl. Die Kombination aus kompakten Außenmaßen, viel Raum und hohem Nutzwert mit einem Design, das kaum jemand störte, war wohl die Erfolgsformel. Auch oder vielleicht grade weil Volkswagen, wie so oft, nicht der Erste in diesem Segment war, konnten die Wolfsburger aus den Fehlern der Wettbewerber lernen und so mit einem ausgereiften Produkt mit hoher Zuverlässigkeit punkten.
Nun war und ist es aber an der Zeit, diesen „(Er)volkswagen“ komplett zu überarbeiten. So bekommt der Touran jetzt ein dynamischeres, klarer geschnittenes Kleid, das dem guten Beispiel des Golf folgt und Kraft und Sportlichkeit stärker betont. Auch im Innenraum wurde vorsichtig Hand angelegt. Und selbstredend profitiert nun auch dieser Familien Van von den Entwicklungen der Volkswagen Gruppe bei modernen Assistenzsystemen, die den Komfort und nicht zuletzt die Sicherheit verbessern.
Was sich getan hat
Bei leicht gewachsenen Außenmaßen könnten die Entwickler durch ein Bündel von Maßnahmen das Gewicht des Touran um 62 Kilo reduzieren. Das macht sich selbstredend positiv auf das Fahrverhalten und auch auf den Verbrauch bemerkbar. Auf unseren ersten Testfahrten rund um Amsterdam konnten wir das „erfahren“. Kombiniert mit dem kraftvollen 150 PS leistenden 2-Liter-Diesel (kombinierter Normverbrauch 4,5 Liter) ist der Touran für die Anforderungen an ein solches Familienauto gut gerüstet. Er fährt sich ähnlich leicht wie ein Golf und wenn Papa mal Lust hat, den kleinen Vettel in sich auszuleben, stellt dieser wunderbare Selbstzünder ausreichend Bums vom Start weg und auch noch oberhalb der Richtgeschwindigkeit bereit. Der kleinere 1,6 Liter Diesel (kombinierter Normwert ebenfalls 4,5 Liter) 110 PS Diesel zieht zwar auch munter los, aber im häufig gefahrenen Geschwindigkeitsbereich zwischen 80 und 120 Stundenkilometern fehlt es ihm im Vergleich mit dem großen Bruder doch etwas an Dynamik und damit an Fahrvergnügen. Wer diesen Anspruch nicht hat, der sollte mit der 110 PS Maschine durchaus glücklich werden.

Frisch renoviertes Familienwohnzimmer
Mit viel Liebe zum Detail wurde der Innenraum des Touran renoviert. Familien schätzen die Flexibilität zwischen Gepäckraum und Raum für Passagiere besonders. Und diese Flexibilität wurde weiter verbessert. Die neue Falttechnik der Sitze führt zu einem komplett ebenen Nutzraum hinter den Vordersitzen. Denn die zweite und auch die dritte Sitzreihe lassen sich quasi in den Boden versenken. Kein Sitz muss ausgebaut werden. Das schont den Rücken, denn die Faltvorgänge lassen sich mühelos auch von zierlicher Frauenhand bewerkstelligen. Und weil die Sitze nicht mehr ausgebaut wenn müssen, kann Volkswagen nun auch für die zweite Reihe eine Sitzheizung anbieten. In Abhängigkeit von der Stellung der Sitze lassen sich im neuen Touran zwischen 743 und knapp 2.000 Liter Gepäck verstauen. Wer besonders lange Güter transportieren möchte, der kann die Lehne des Beifahrersitzes umklappen (ohne Aufpreis ab Comfortline) und dann Gegenstände bis zu geschätzten 2,30 Meter ans Ziel bringen.
Albert Meltzow, Leiter der technischen Entwicklung des Touran-Projekts, betont, dass im Touran nun 20 Prozent mehr Ablageflächen zur Verfügung stehen, als bisher. Da geht richtig was rein, wie etwa in die Jumbo-Box mit 3 Liter Stauvolumen. Praktisch finde ich auch die beiden Fächer unter der Decke, die auch von der zweiten Sitzreihe aus erreichbar sind. Nicht ganz gelungen sind aus meiner Sicht die Klemmmechanismen der Getränkehalter zwischen Fahrer und Beifahrersitz. Sie geben den Gefäßen etwas zu wenig Halt, so dass die oft benutzten 0,5 Liter Wasserflaschen umkippen können. Wobei sich dieser kleine Mängel bis zur Händlerpremiere im September ausmerzen lassen sollte. Beliebt sind auch die Klapptische an der Rückseite der Vordersitze (ohne Aufpreis ab Comfortline), damit die lieben Kleinen ihre Spielsachen nutzen können. Allergene werden aus dem Innenraum gefiltert und neutralisiert. Über das Lautsprechersystem des Autos kann die Stimme des Fahrers in der passenden Lautstärke nach hinten zu den Kids übertragen werden. Eine 3-Zonen-Klimaautomatik sorgt auf jeder Sitzreihe für das gewünschte Klima, sie nutzt dazu Sonnen- und Luftfeuchtesensoren.

Sicherheit für die Familie
9 Airbags sorgen nun im Fall der Fälle für den Schutz der Insassen. Die 5 Einzelsitze der zweiten und dritten Reihe sind mit Isofix-Halterungen ausgestattet. Gurtstraffer spannen die Gurte rechtzeitig vor einem Aufprall vor. Radar- und Ultraschall Sensoren liefern im Zusammenspiel mit Kameras für die notwendige Datenmenge und Qualität, um die Assistenz Systemen wirksam zu machen. So übernimmt der „Emergency Assistent“ die Kontrolle über das Fahrzeug, falls der Fahrer ausfallen sollte und bringt den Wagen kontrolliert zum Stand auf dem Seitenstreifen. Der Stauassistent fährt den Touran im Stopp-and-Go-Verkehr völlig selbstständig. Der Trailer Assistent hilft dem Fahrer oder der Fahrerin, die mit einem Anhänger unterwegs sind, komfortabel und sicher zu rangieren.
Das Infotainemnent-System integriert alle Smartphones
Mit dem Infotainement-Baukasten des Konzerns lassen sich nun auch Smartphones via „Apple CarPlay“ und „AndroidAuto“ in das Kommunikationssystem des Autos integrieren. So können Inhalte des Smartphone-Displays mühelos auf den 5-Zoll-Touchscreen des Autos übertragen. Im Handy vorhandene Navigationssoftware kann damit sicher und komfortabel im Auto genutzt werden.
Fazit
Für mich ist der Touran das nahezu perfekte Familienfahrzeug. Mit seinem Raumangebot und seiner Flexibilität lässt es kaum Wünsche offen. Auch an Komfort und Sicherheit mangelt es nicht. Dem Touran möchte man seine Familie mit einem guten Gefühl anvertrauen. Keine Kritik? Doch! Wie so oft, der Preis. Zwar ist der neue Touran ab 23.350 Euro zu haben, aber schon mit dem kleinen Diesel kostet der Touran mindestens 26.325 Euro. Und bis die ganzen Feinheiten im Paket sind, wird ein Touran kaum unter 35.000 Euro vom Hof des Händlers fahren. Grob also der Jahreslohn eines Besserverdienenden.
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