Der BMW X6 wurde überarbeitet – Ein Dinosaurier der mit der Zeit geht
Tyrannosaurus 6. Am 6. Dezember ist der Verkaufsstart der neusten Generation dieses gewaltigen Autos. Der BMW X6 bietet neben seiner schieren Größe dann noch mehr Komfort und Sportlichkeit. Passendes Weihnachtsgeschenk denkt sich vielleicht manch einer. Schade nur, dass die zweite Generation des X6 kaum Platz unter einem Tannenbaum finden wird. Doch das hätte die erste Generation ja auch schon nicht.
Mehr Platz im Kofferraum
Aber das hat bekanntermaßen nur wenige davon abgehalten das den SUV mit dem nach hinten abfallenden Dach zu kaufen. Vielleicht war auch genau das die die „unique selling proposition“ (Alleinstellungsmerkmal). Was unter Experten kaum für möglich gehalten wurde. 260.000 Modelle gingen innerhalb der ersten 6 Jahre an die Käufer. Das spricht eine eigene Sprache: Englisch. „unglaublich“ oder „amazing“ wie der Amerikaner sagen würde. Denn in Spartanburg (South Carolina) wird er gebaut, der Riese, hier ist er Zuhause. Selbst in der Münchener Zentrale hatten nur wenig bei dieser Mischung aus Sports Utility Vehicle (SUV) und Coupé mit solchen Verkaufszahlen gerechnet.
Betrachtet man den BMW X6, so versteht man die anfängliche Analogie zum König der Dinosaurier. Denn er sieht mächtig aus. Gewaltig in Form und Gestalt. Mit ihm ist ein extrovertierter und extravaganter Auftritt gesichert. Den X6 erkennt man weiterhin auf den ersten Blick. Da ist die riesige zweigeteilte Doppel-Niere in Verbindung mit großen Lufteinlässen, welche die Front zeichnen. Die langgezogene Motorhaube und die Frontverkleidung strotzen vor Kraft. Aber das ist nicht nur brachial, sondern zugleich grazil. Denn das Design fließt. Da ist ein Fluss vom Scheinwerfer in die Niere. Sowie die fließende Dachlinie nach Hinten ins zurückversetzte Greenhouse. Seitlich ist eine doppelte Keilform schön herausgearbeitet. Das Heck profitiert von der coupehaften Linienführung. Denn optisch ist das Gewicht nach hinten verlagert. Was kraftvolle Breite, wie bei einer gewaltigen Raubkatze vor dem Start, ausdrückt. Klar ist, der Tyrannosaurus 6 bekommt Respekt gezollt von anderen, kleineren Dinos. Entgegenkommende Autos machen Platz – freiwillig. Um nicht gefressen zu werden.
Im Innenraum dominiert luxuriöse Eleganz. Es herrscht eine gewisse Horizontalität der Themen, die klar in sich abgeschlossen sind. Im Vergleich zum Vorgängermodell ist das schon eine luxuriöse Evolution. Die digitalen Instrumente sind neu. An ihnen zeigt sich die Vielseitigkeit des X6. Der sanfte Riese wird zur Business-Limo, wenn auf dem großen Bildschirm SMS oder Emails aufpoppen. Wenn Drehzahlen oder Leistungskraftverteilung der einzelnen Räder auftaucht wird klar: Wir sitzen in einem protzigen Sportwagen. Und weil das X bei BMW nicht nur für Gefahr, sondern für Offroad-Können steht, kann sein Fahrer mit ihm auch ins Gelände. Ein Wenig zumindest. Nicht fürs Allzu Grobe. Die Straße ist sein eigentliches Revier.
Verbrauchsreduzierte Motoren
Die Qual der Wahl hat man bei der Auswahl der Motoren. Zur Markteinführung stehen 3 Motoren zur Verfügung. Der 30d, ein Diesel mit 258 PS, ein 450 PS 8-Zylinder Benziner namens 50i. Und die Diesel Königin im M50d mit 381 PS als echte M-Version. Aus meiner Sicht reicht bei einem Auto mit diesem Gewicht und Ausmaßen der „kleine“ Diesel Motor aus. Denn er ist ausreichend kraftvoll und gutmütig. Aber man darf nicht vergessen, wir befinden uns im Luxussegment. Und die M-Diesel-Version ist mit einem Grundpreis von ab 87.300 die teuerste, klar. Aber besitzt auch Leistung en Masse. Kurvenjagen ist in dem Tyrannosaurus 6 (X6) vergleichbar mit dem Handling eines Sportwagens. Das hervorragend abgestimmte Fahrwerk und die unterschiedlichen Fahrmodi machen das selbst für Laien zum Genuss bei dem nie das Sicherheitsgefühl abgeht. Untermalt wird das Ganze von einem vollmundigen, aber nicht aufdringlicher Klang. Der Badner in mir hat Spaß, aber der Schwabe fragt sich: Oh Gott, was wird das Kosten? Gar nicht so viel, wie man denken könnte. Denn mit den neuen Motoren tyrannisiert man Umweltschützer kaum noch. Mit möglichen 6,6 Litern Diesel-Verbrauch beim M50d ist man nicht mehr rückständig. Dieser Top-Wert für einen fahrenden Wandschrank wird durch eine verbesserte Aerodynamik erreicht. Summa summarum kommt man auf einen Cw-Wert von unglaublichen 0,32. Technische Wundermittel, die unter anderem dazu führen, tragen Marketing Kunstnamen wie: Aircurtain, Airbreather oder aktive Luftklappensteuerung. Hierbei geht es immer darum, die Luft möglichst geschickt neben, über, unter oder durch das Auto zu leiten. Das gelingt so gut, dass der X6 von Großmutters Wandschrank zum Luftwiderstands-Schuhschrank schrumpft. Genial!
Fazit
Im Gegensatz zu den Dinosauriern wird der X6 wohl nicht aussterben. Denn seine Überlebensstrategie ist erfolgreich. Er passt sich an die bestehenden Umweltbedingungen an. Durch die effizienten Motoren muss man sich als X6-Fahrer höchstens noch für das extrovertierte Design rechtfertigen. Einzige Kritikpunkte sind wohl die eingeschränkte Übersichtlichkeit nach Hinten und der hohe Einstiegspreis von 65.650 für (mit dem „kleinen“ Diesel). Damit ist der X6 etwa 6.000 Euro teurer als der X5 und er kostet 3.000 Euro mehr als das Vorgängermodell, bei, zugegeben, erweiterter Serienausstattung.
Jan Weizenecker
Absolvent der Volks- und Betriebswirtschaftslehre der Albert-Ludwigs Universität Freiburg. Mal in kleinerem, mal in weiterem Radius, aber immer mit der nötigen Portion Humor, berichte ich seit 2012 über die Neuerscheinungen der Automobilwelt.
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