BMW X6 M – Mal lammfromm, mal bestialisch
Im Vorfeld der IAA im Jahr 2007 habe ich die ersten Bilder des Concept X6 gesehen. Und ich muss zugeben, begeistert bin ich von dem, was ich da auf den Fotos gesehen habe, nicht gewesen. Der X6 markierte damals ein völlig neues Segment. Nämlich ein mächtiges SUV kombiniert mit einer nach hinten deutlich abfallenden Coupé-Dachlinie. So richtig vorstellen konnte ich mir ein solch hochgebocktes Coupé nicht wirklich. Ich erinnere mich wie heute, als ich dann auf der IAA in die BMW Halle kam, die damals noch dort aufgebaut war, wo heute Audi sein feudales Zelt aufstellen lässt. Und obwohl der Concept X6 in Rot vor mir stand, hat mich dieses Auto im besten Sinn umgehauen. Dieses kraftvolle Heck, das einem Tiger im Sprung gleicht, hatte ich so noch bei keinem Auto gesehen. Und dann diese mächtige Statur. Auf dem Foto hatte sich diese Anmutung nicht wirklich vermittelt. Spontan prophezeite ich diesem Modell eine erfolgreiche Zukunft. Und ich täuschte mich nicht. Auch wenn das Design des X6 bis heute, auch nach dem ersten Facelift, noch immer polarisiert, wurden deutlich mehr von diesen SAV (Sports activity vehicle) an den Mann gebracht, als je geplant war. Und was erfolgreich ist, findet Nachahmer. Auch wenn es in diesem Fall etliche Jahre gedauert hat. Jüngst stellte Mercedes den GLE vor. Und auch Audi wird seinen Q6 bringen.
Auf den Straßen und auf der aktuellen Formel 1 Rennstrecke „Circuit of the Americans“ im texanischen Austin wurde nun der stärkste X6 aller Zeiten vorgestellt. Der neue BMW X6 M, der gemeinsam mit seinem Bruder, dem X5 M, in Deutschland am 11. April auf den Markt kommt. Noch mehr Kraft, mehr Drehmoment und bessere Fahrleistungen bei weniger Verbrauch, so kündigt M-GmbH Geschäftsführer Frank van Meel im Rahmen der Pressekonferenz den Neuen an. In Zahlen bedeutet das sagenhafte 575 PS (20 PS mehr als bisher) und 70 Newtonmeter mehr als bisher. In nur 4.2 Sekunden soll die Maschine den 2 Tonnen Koloss auf Tempo 100 wuchten. Und das bei 20 Prozent geringerem Verbrauch. Um das alles zu erreichen, wurden dem X6 M etliche technische Finessen mit auf die Straße gegeben. So die wunderbare 8-Gang-Steptronic, die ohne erkennbare Schubunterbrechung durchlädt. Auf der Rennstrecke haben mir die Schaltpaddel am Lenkrad zusätzlichen Spaß bereitet. Auch akustisch. Denn die Elektronik erzeugt beim Schalten eine scheinbare Fehlzündung. Um den X6 M bei rasanter Fahrt nicht zu sehr in Wallung zubringen, versehen fünf Pumpen in fünf Kühlkreisläufen ihre Arbeit. Zudem konnte das Gewicht der Bremsen reduziert und die gesamte Elastokinematik optimiert werden, so die BMW Ingenieure. Alle fahrwerksbezogenen Komponenten wurden extrem heckbetont ausgelegt.
Die „M Gene“ sind beim X6 M auf den ersten Blick erkennbar. An der Front saugen drei gefräßige Öffnungen für ausreichend Frischluftzufuhr. Doppelspeichen lassen den Nierengrill noch kräftiger erscheinen. 21-Zoll-Felgen sorgen für standfesten Auftritt. Am Heck deuten 4 mächtige Endrohre darauf hin, was im Motorraum abgeht. Zusammengefasst: Ein extrem kraftvoller Auftritt.
Und wie fährt sich dieser Brocken nun? Unvorstellbar, wie präzise und schnell sich dieses Schiff auf der Rennstrecke bewegen lässt. Auch wenn man zugeben muss, das dieses beeindruckende Spektakel kaum ohne die elektronischen Helferlein zu schaffen wäre. Allein Könner wie DTM-Champion Marco Wittmann zeigen auf der Rennstrecke, wie dieser Koloss auch bei abgeschalteter Stabilisierungselektronik sicher und schnell durch die Kurven rasen kann.
Auf öffentlichen Straßen macht es einfach Spaß den X6 M zu fahren. Denn je nach Lust, Laune oder Verkehrssituation kann der X6 M mal lammfromm, mal bestialisch werden. Dass der Vebrauch in der zweiten Variante kaum unter 20 Liter fallen wird, dürfte den, der den Kaufpreis von mindestens 117.700 Euro bezahlt hat, kaum davon abhalten, diesen automobilen Hochgenuss zu erfahren. Wie vernünftig ein solches Auto heute ist, das mag indes jeder für sich bewerten.
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