Ein Rekord nach dem anderen: Die Campingbranche boomt weiter
Der Markt schäumt über. Nie zuvor haben die Camper in Deutschland mehr Reisemobile gekauft als 2017. Deutlich mehr als 40 000 Fahrzeuge fanden einen Kunden: Selbst im November – kein Monat, der Reiselust weckt – wurden mit 1602 Wohnmobilen 24,9 Prozent mehr als im Vorjahresmonat neu zugelassen. Und es hätten noch mehr sein können. Einzig die Lieferengpässe waren nennenswerte Handelshemmnisse, die manchen Kunden verschreckt oder die Auslieferung ins neue Jahr verlegt haben. Die Caravans schnitten kaum schlechter ab. Sie legten in zwölf Monaten um 14,4 Prozent auf 22 550 Einheiten zu.



Für die Branche, die nun seit rund zehn Jahren immer wieder Absatzrekorde bricht, ist die Entwicklung Fluch und Segen gleichermaßen. Kurzarbeit ist im Gegensatz zu früher ein Fremdwort für die Hersteller geworden. Die Auftragsbücher sind zwar prall gefüllt, aber die Risiken wachsen auch. Viele Unternehmen weiten ihre Produktion aus, um der Flut von Bestellungen Herr zu werden und die große Nachfrage zu befriedigen.

Wenn die Nachfrage jedoch nachlässt, wird das Jammern unüberhörbar sein. Bereits zweimal hat die Branche solche Einbrüche verkraften müssen. Das hatte eine Konzentration der Marken in drei großen Konzernen zur Folge. Heute sind die Hymer-Gruppe mit Herstellern wie Bürstner, Dethleffs und Niesmann & Bischoff, Knaus mit Tabbert und Weinsberg sowie Hobby mit Fendt übrig geblieben. Die nächste Krise dürfte jedoch aufgrund der aktuell großen Investitionen weit gravierendere Folgen haben.

Als hinderlich könnte sich auch die Fahrerlaubnisfrage herausstellen. Jüngere Führerscheinbesitzer müssen zusätzlich die Klasse C1 beantragen und sich hierfür prüfen lassen, wenn sie – wie mit dem alten Führerschein noch möglich – Fahrzeuge mit bis zu 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht fahren wollen. Mit dem herkömmlichen Autoführerschein endet die Gewichtsklasse heute bei 3,5 Tonnen, was selbst für ein Mittelklasse-Mobil in teilintegrierter Bauweise eindeutig zu wenig ist. Der Branchenverband CIVD bemüht sich seit geraumer Zeit, bei der Europäischen Kommission eine Neuregelung zu erlangen, die eine Anhebung der Gewichtsgrenze auf 4,25 Tonnen bewirken soll.
Eine weitere Unsicherheit ist in der Abgasproblematik zu erkennen. Ältere Reisemobile könnten dann aus Umweltschutzgründen aus den Innenstädten ausgesperrt werden. Wenn die Hersteller der Basisfahrzeuge künftige Abgasgrenzen erfüllen wollen, ist dies wohl nur noch mit der teuren und schweren Harnstoffeinspritzung möglich. 
Fotos: Ampnet und Der-Autotester.de
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