In Massen hergestellte Automobile eignen sich erfahrungsgemäß schlecht als begehrte Sammelobjekte – es sei denn, sie wecken nostalgische Gefühle oder kommen in die Jahre und haben im Gegensatz zur Mehrzahl ihrer Altersgenossen überlebt. Jüngstes Beispiel: Betagte VW-Busse und Käfer aus Wolfsburg erzielen mittlerweile auf Versteigerungen diesseits und jenseits des Atlantiks erstaunliche Preise. Sogar als Rostlauben. Ebenso wie das T-Modell von Ford, das zwischen 1908 und 1927 15 Millionen Mal vom Band lief, legte der Volkswagen Käfer mit 21,5 Millionen verkauften Exemplaren den Grundstein für die Massenmotorisierung in weiten Teilen der Welt. Damit besetzte das Auto Platz eins unter den meistverkauften Autos auf dem Globus, bis ihm sein Nachfolger Golf diesen Titel im Juni 2002 streitig machte. Zwar hatte nach Ende des Zweiten Weltkriegs der damalige VW-Chef Heinrich Nordhoff dem Wagen bescheinigt, er habe „mehr Fehler als ein Hund Flöhe“, doch spätestens zu Beginn der 1960er-Jahre, als die Werbung versprach: „Er läuft und läuft und läuft…“ hatte sich der Käfer den Ruf eines grundehrlichen, für damalige Zeiten sparsamen und stets zuverlässigen Kumpels erworben. Niemand hätte es damals für möglich gehalten, dass ein solches Allerweltsmobil eines Tages als gesuchtes Sammlerstück auf den Versteigerungsbühnen so renommierter Auktionshäuser wie Sotheby’s, Gooding oder Bonhams auftauchen würde. Inzwischen aber steigen die Preise für alte Käfer beziehungsweise Beetles oder Bugs – so heißen sie in den USA – rapide. Zwei von ihnen haben sogar schon die magische Grenze von 100.000 Dollar (rund 95.000 Euro) geknackt. 50.000 bis 90.000 Euro gelten seit rund fünf Jahren als üblich. Anfang Februar nahm zum Beispiel Southeby’s in Paris einen absolut unrestaurierten Volkswagen Typ 1 mit der berühmten geteilten Heckscheibe aus dem Jahr 1952 unter den Hammer und erzielte 58.240 Euro. Das Auto beeindruckte auf den ersten Blick durch unübersehbare Rostflecken an Kotflügeln und Fenster-Unterkanten. Hier und da war die eine oder andere Beule zu sehen. Laut Sotheby’s handelte es sich um einen der letztgebauten Käfer mit dem Brezelfenster, von seinem Erstbesitzer am 4. März 1952 in Stockholm übernommen und bis 2014 in dessen Besitz geblieben. Ab 1963 hatte der Wagen jedoch in einer Scheune eingemottet überlebt, weshalb sein Kilometerzähler auf 77 000 stehen geblieben war. Angeblich war er – versehen mit einem Schluck Benzin, etwas Öl und einer neuen Batterie – unmittelbar nach seiner Entdeckung sofort angesprungen.

Als Draufgabe erhielt der neue Besitzer sogar einen Original-Dachträger sowie ein paar hölzerne Ski, die sogar zwei Jahre mehr als der Käfer auf dem Buckel hatten. Den zweithöchsten Preis für einen Käfer erreichte ebenfalls Sotheby’s im vergangenen Jahr mit einem Volkswagen Beetle Cabriolet von 1955: 78.000 Euro beziehungsweise 82.500 Dollar. Für Oldtimer-Puristen besaß dieser Käfer allerdings einen entscheidenden Mangel. Er war bis auf die letzte Schraube überholt worden und sah aus wie fabrikneu. Ein paar Monate später war es wiederum ein Brezel-Käfer von 1952, ein Volkswagen Standard, dem die Auktionatoren von Sotheby’s in Arizona für 66.000 Dollar (62.500 Euro) einen neuen Besitzer verschafften. Im Gegensatz zum 2017er in Paris war dieses Auto ebenso wie das Cabrio perfekt restauriert und kostete als Standard zu Beginn der 1950er Jahre rund das Eineinhalbfache des damaligen Durchschnittseinkommens in Deutschland. Der berühmteste Filmstar unter den Volkswagen Käfern, nämlich der Alleskönner „Herbie“ aus den fünf Folgen der Filmreihe der Walt-Disney-Studios, die mit dem Streifen „Ein toller Käfer“ 1968 begann, war zugleich mit 126.500 Dollar (120.000 Euro) der bisher teuerste. Diesen Preis erzielte das Auktionshaus Barrett-Jackson 2015 in Palm Beach. Insgesamt schaffte Disney für seine Filme 26 Herbie-Exemplare an, darunter einige nicht fahrbereite für besondere Effekte. Davon hat nur eine Handvoll überlebt, die meisten in einem erbärmlichen Zustand. Dennoch waren Sammler bereit, für solche Schrotthaufen tief in die Tasche zu greifen: Die Rede ist von Beträgen zwischen 16.500 Dollar (15.500 Euro) und 49 500 Dollar ( 46.700 Euro). Natürlich gab es auch Käfer-Besitzer, die hofften, mit ihrem Auto den großen Reibach machen zu können. Sie gingen jedoch wegen überzogener Forderungen leer aus. So verschätzte sich das Auktionshaus The Finest Automobiles Auction 2016 gründlich, als es einen KdF-Wagen Typ 60 von 1943 zu einem Schätzpreis zwischen 275.000 Dollar (260.000 Euro) und 350.000 Dollar (330.000 Euro) unter den Hammer nahm. Niemand war bereit, für diesen Oldie so viel Geld auszugeben. Ähnliches passierte den Auktionatoren von Mecum, die im gleichen Jahr in Monterey für ein Volkswagen Hebmüller Cabrio von 1949 die gleiche Summe haben wollten. Sechsstellige Summen sind dagegen längst an der Tagesordnung, wenn es um gut gepflegte ältere Exemplare des werksintern VW Typ 2 genannten Transporters oder Bus geht. Das zeigte zum Beispiel das Sondermodell „Samba-Bus“ mit 21 Fenstern aus dem Jahr 1967, das mit 134.000 Euro (143.000 Dollar) bei einer Versteigerung in den USA für 24 Stunden den höchsten bisher realisierten Preis erzielte. Einen Tag später kam bei Auctionata in Paris das gleiche, allerdings sechs Jahre ältere Modell , auf mehr als doppelt so viel: 284.000 Euro. Kenner der Szene vermuten, dass alte VW-Busse in den USA über kurz oder lang in das Preisniveau der Bugatti und Bentley vorstoßen könnten. Grund dafür: Dieses Fahrzeug diente den kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs geborenen und späteren Beach Boys und Blumenkinder der 1960er-Jahre oft als Wohnzimmer, Schlafzimmer und Küche zugleich, verbunden mit jeder Menge nostalgischer Erinnerungen. Mittlerweile gehören einige aus der ehemaligen Woodstock-Generation dem millionenschweren Establishment an. Den Dollar müssen sie bestimmt nicht zweimal umdrehen. Für einen VW-Bus aus ihrer Jugendzeit reicht es allemal.