Der neue Toyota Mirai – Die Alternative zum Akku?
Wasserstoff könnte der Treibstoff der Zukunft werden. Den Verbrennungsmotor sieht Toyota langfristig durch die Brennstoffzelle ersetzt. Der Mirai kommt als Toyotas erstes Serien-Brennstoffzellenfahrzeug nach Europa.
Wasserstofftank statt Akku
Brennstoffzellenautos werden wie gewöhnliche Elektroautos von einem Elektromotor angetrieben. Der Akku fällt hier aber deutlich kleiner aus. Die Energie kommt nicht aus der Steckdose, sie wird in Form von Wasserstoff getankt. Durch die chemische Reaktion von Sauerstoff mit Wasserstoff erzeugt die Brennstoffzelle Strom. Die fünf Kilogramm Wasserstoff im vollgetankten Mirai ermöglichen eine Reichweite von bis zu 550 Kilometern. Der größte Vorteil gegenüber akku-befeuerten Elektroautos? In weniger als fünf Minuten ist der Mirai wieder vollgetankt.
Wasserstoff ist auf der Erde nicht in reiner Form anzutreffen. Zu seiner Herstellung wird Energie benötigt. Wasserstoff ist also ein Energieträger und keine Energiequelle. Er kann aus erneuerbaren Energien gewonnen werden und eignet sich hervorragend, um überschüssige Energie zu speichern. Als Abgas entsteht nur Wasser. Insbesondere in mit Abgasen hochbelasteten Gebieten kann das gegenüber Verbrennungsmotoren ein entscheidender Vorteil sein, wenn es bald die ersten Mega-Citys gibt, aus denen Verbrenner komplett verbannt sein werden.
Die größte Einschränkung einer schnellen Verbreitung von Brennstoffzellenfahrzeugen ist das viel zu dünne Tankstellennetz. In Deutschland gibt es aktuell nur 19 Wasserstofftankstellen. Ende 2016 sollen es 60 sein und bis 2023 dann 400 Stück. Hier müsste mehr getan werden, denn ein Netz von 1.000 Tankstellen wird unter Experten als mindestens notwendig erachtet.
Hamburg gilt in Europa als einer der Vorreiter. Durch den innerstädtischen Hafen ist die Stadt besonders stark von der Luftverschmutzung betroffen. 4 Wasserstofftankstellen gibt es im Großraum Hamburg, die fünfte soll bald folgen. So überrascht es nicht, dass die Fahrvorstellung des neuen Toyota Mirai in Hamburg stattfindet.
Futuristisches Design
Mit seinem futuristischen Design fällt das Brennstoffzellen-Fahrzeug auf. Die Raumschiff-Optik des Mirai strahlt Zukunft aus. Auch bei der Gestaltung des Innenraums bleibt Toyota konsequent. Die Bedienelemente erinnern an Science-Fiction-Filme. Die Tasten an der Mittelkonsole sind berührungsempfindliche Kunststoffelemente. Die Anzeige für den Fahrer befindet sich in der Fahrzeugmitte. Nur einen Stilbruch habe ich gefunden: Statt einer elektrischen Parkbremse setzt Toyota im “zukunftsweisenden“ Mirai auf eine fußbetätigte Parkbremse.
Fährt sich wie ein Elektroauto
Die Fahreigenschaften des Mirai sind mit denen eines Akku-Elektroauto vergleichbar. Durch die fehlenden Vibrationen und Geräusche eines Verbrennungsmotors bleibt es während der Fahrt angenehm leise. Das maximale Drehmoment von 335 Newtonmetern liegt, wie bei Elektromotoren üblich, schon bei niedrigen Geschwindigkeiten an. Die 154 PS beschleunigen den Mirai in 9,6 Sekunden auf Tempo 100. Der Brennstoffzellen-Stack, in dem die Energieumwandlung stattfindet, befindet sich unterhalb der vorderen Sitzreihe, der Wasserstofftank unter der hinteren Sitzreihe. Der niedrige Schwerpunkt des Mirai sorgt für Fahrstabilität. Auf unseren Testfahrten im Stadtverkehr zeigte der Bordcomputer einen Verbrauch von einem Kilo Wasserstoff auf 100 Kilometer an. Die Werksangabe für den kombinierten Verbrauch liegt bei 0,76 Kilo.
Preise
Aus finanzieller Sicht spricht kaum etwas für den Toyota Mirai. Sein Einstiegspreis liegt bei 78.540 Euro. Als Leasing-Vertrag kostet er inklusive Wartung und Versicherung monatlich 1.450 Euro bei einer maximalen jährlichen Laufleistung von 20.000 Kilometern. Auch die Unterhaltskosten sprechen nicht für das Fahrzeug. Schließlich kostet ein Kilogramm Wasserstoff aktuell etwa 9,50 Euro. Tankstellenbesuche mit einem sparsamen Diesel-Motor fallen also günstiger aus.
Fazit
Die Brennstoffzellen-Technologie soll die akku-elektrischen Fahrzeuge nicht verdrängen, sondern ergänzen. Elektroautos für die Stadt, Brennstoffzellenautos für Fernstrecken, könnte der Slogan sein. Der Toyota Mirai wird ein Nischenfahrzeug bleiben. Auch wenn er, abgesehen von dem kleinen Tankstellennetz, alltagstauglich ist. Der Mirai hebt sich mit seinem auffälligen Design wie auch schon der Toyota Prius von der Masse ab. Ob das ein gutes Omen ist?
Wesentliche Technische Daten des Toyota Mirai:
Antrieb: Frontantrieb
Leistung: 154 PS / 113 kW
Maximales Drehmoment: 335 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 178 km/h
0-100 km/h: 9,6 Sekunden
Normverbrauch (kombiniert): 0,76 Kilo Wasserstoff je 100 km
Tankkapazität: ca. 5 Kilo
Batteriekapazität: 1,6 kWh
Länge x Breite x Höhe in m: 4,890 x 1,815 x 1,535
Radstand: 2.780 m
Ladevolumen: 361 L
Leergewicht: 1.850 kg
Basispreis: 78.540 Euro
Bastian Meger
Als Wirtschaftsingenieur würde ich mich als Quereinsteiger in Sachen Auto-Journalismus bezeichnen. Durch meine Online-Affinität trage ich zur technischen Umsetzung und zum Marketing des Automagazins bei. Neben kräftigen Motoren und gutem Design faszinieren mich innovative Kommunikations- und Assistenzsysteme.
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Mag glaubt es kaum, aber mit gefällt der Mirai sogar optisch. Und wie ihr es schreibt, für die Langstrecke oder häufig wechselnde Einsatzgebiete macht das Sinn, denn all die regionalen oder unterschiedlichen Ladekartensysteme und kaputten Ladesäulen machen das batterieelektrische Auto nicht unbedingt sehr sexy im Moment. Schade, Chance vertan in Deutschland.
Hallo Bernd,
danke für dein Kommentar! Design ist und bleibt eben Geschmacksache. 🙂
Viele Grüße
Bastian