Der Ford Explorer ist ein klassisches SUV: Groß. Mächtig. Massiv. Das amerikanische Ur-SUV eben. Nun kommt es in seiner 6. Generation nach Europa. Und das mit einem Antrieb, auf den die amerikanischen Kunden verzichten müssen. Der Plug-in-Motor ist ganz auf die Verhältnisse in Europa ausgerichtet. Mit diesem System kann der Nutzer seinen Explorer rein elektrisch betreiben. Eine E-Reichweite von bis zu 42 Kilometer (nach WLTP) ist möglich. Das ist ein Wert, mit dem viele von uns im Alltag klar kommen, ohne Nachladen zu müssen. Für weitere Fahrten ist ein Benziner an Bord, mit dem man Sorgen um die Reichweite getrost vergessen kann.

Der Preis

Der neue Explorer kommt alternativ in zwei Ausstattungslinien zu uns. In der ST-Line (76.000 Euro) gibt er sich sportlicher. Als Platinum (77.000 Euro) ist er edel ausgestattet. Der Staat fördert solche Plug-in-Hybride aktuell mit 3.500 Euro und auch der Hersteller gibt einen beachtlichen Nachlass. Im Ford Konfigurator wird – ohne jegliche Verhandlung – ein Angebotspreis ab 68.750 Euro ausgeschrieben.

Unser Testwagen ist mit der Platinum-Ausstattung versehen. Sie beinhaltet nahezu alles, was sich der Autofahrer wünschen kann. So sind jede Menge Assistenz-Systeme an Bord, Lederbezüge, ein großes Panoramadach, ein Sound-System von Bang & Olufsen, ein modernes Kommunikationssystem mit 12,3 Zoll Display sowie zahlreichen Anschlüssen bis hin zur 220 Volt-Steckdose. Der Testwagen stammte noch aus der Vorserien-Produktion und war im Innenraum im Detail nicht fehlerlos verarbeitet. Wer stattliche Autos mag und braucht, wird sich im Explorer wohlfühlen. Bis zu 7 Personen können in diesem SUV Platz finden. Der Zugang zur dritten Reihe ist für Kinder kein Problem, dürfte ihnen sogar Spaß machen. Wenn man die Lehne des Mittelsitzes in der 2. Reihe umklappt, entsteht eine Art Tisch, der von Passagieren beider Sitzreihen genutzt werden kann. Wie in US-Autos üblich, gibt es Ablagen und Cup-Holder (12 Stück) en masse. Wer die 3. Sitzreihe mal nicht benötigt, der klappt sie auf Knopfdruck und elektrisch betrieben um und ebenso wieder auf. Sehr angenehm und rückenschonend.

Ford Explorer Plug-in Hybrid kommt nach Europa

Auch in der ersten Reihe kann man sich wohlfühlen. Alles da, was man sich wünscht. Nicht über-digitalisiert. Alles intuitiv und leicht verständlich zu bedienen. Das Spracheingabe-System hat meine Sprache allerdings nicht wirklich verstehen wollen. Vielleicht liegt das ja an meinem badischen Singsang. Ins Auge springt das aufrecht stehende 12,3 Zoll Display über das alle wesentlichen Informationen abgefragt werden können.

Im Kofferraum stehen – je nach Stellung der Lehnen – bis zu 2.274 Liter (im 2er-Sitz-Modus) Stauraum zur Verfügung. Bei 7er-Bestuhlung mindestens 240 Liter. Und weil wir schon am Heck des Autos sind: Bis zu 2.500 Kilo kann der Explorer gebremst an den Haken nehmen.

Ford Explorer Plug-in Hybrid kommt nach Europa

Der Antrieb

Für ein großes 2,5-Tonnen-SUV, das mit reinem Benziner-Antrieb sehr viel Durst entwickeln würde, ist der hier verwendete Plug-in-Antrieb eine interessante Lösung. 20,5 kWh verbraucht er je 100 Kilometer. Geht man von einem durchschnittlichen Preis in Deutschland von 30 Cent je kWh aus, ergibt das Verbrauchskosten von etwa 6 Euro pro 100 Kilometer. Etwa die Hälfte dessen, was ein Diesel verursachen würde und etwa ein Drittel dessen, was ein reiner Benziner kosten (Verbrauch) würde. Wer kostenfrei Strom zapfen kann, hat natürlich immense Vorteile. Leider bietet Ford im Explorer nicht die Möglichkeit an, Schnelllade-Säulen zu nutzen. Aus meiner Sicht unverständlich. Denn mit dieser Option wäre eine volle Ladung während eines kurzen Einkaufs möglich. So muss man 5,5 Stunden an der Haushaltssteckdose kalkulieren und 4,2 Stunden an einer Wallbox/Ladesäule.

457 PS Systemleistung und ein Drehmoment von 825 Newtonmeter gibt Ford für den Explorer an. Der 3-Liter-V6-Benziner stellt 363 PS bereit, der E-Motor gibt 102 PS ab. Aus dem Stand benötigt der Explorer im besten Fall 6 Sekunden. Seine Top-Speed erreicht er bei 230 Stundenkilometern. Die realistischen Verbrauchswerte hängen selbstredend stark davon ab, wie das Verhältnis von E-Nutzung zu Verbrenner Nutzung im Alltag aussieht. Daher kann man hier seriös keine Angaben machen.

Schon im e-Modus entwickelt der 5 Meter lange Explorer ausreichend Drehmoment um mit Freude fahren zu können. Die 10-Gang-Automatik schaltet sauber durch. Zu ihrer Bedienung verwendet Ford inzwischen ein aus dem Range Rover Modellen bekanntes Einstell-Rad, das sich nach kurzer Eingewöhnungszeit blind bedienen lässt. Der „intelligente“ Allradantrieb sorgt für sicheren Vortrieb auf nahezu allen Untergrund-Situationen.

Fazit

Ein Ford, der 77.000 Euro kostet, ist nicht alltäglich und eine ganz ordentliche Stange Geld. Aber wenn man vergleicht, was ein BMW X7 oder ein Mercedes GLS kostet, ist der Ford ein Schnäppchen. Auch wenn man bei der Verarbeitungsqualität Abstriche machen muss. Touareg, Santa Fe und Co liegen zwar auf ähnlichem Preis-Niveau, bieten aber weniger Außenlänge und weniger Ausstattung. Mit Plug-in-Hybrid-Antrieben darf man in zu erwartende Umwelt-Zonen bedenkenlos einfahren. Das könnte ein entscheidender Vorteil werden.

Ford Explorer Plug-in Hybrid kommt nach Europa

Technische Daten:

Ford Explorer Plug-in-Hybrid Platinum

Länge x Breite x Höhe (m): 5,06 x 2,29 x 1,78
Radstand (m): 3,03
Motor: V6-Benziner, 3000 ccm, Turbo, Direkteinspritzung
Systemleistung gesamt: 336 kW / 457 PS bei 5750 U/min
Max. Drehmoment: 825 Nm bei 2500 U/min
Elektromotor: 75 kW
Batterie: Lithiumionen, 13,6 kWh, 36 Ah
Elektr. Reichweite (WLTP): 42 km
Getriebe: 10-Gang-Automatik
Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 6,0 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 3,1 Liter
CO2-Emissionen WLTP: 71 g/km (Euro 5)
Leergewicht / Zuladung: 2466 kg / max. 694 kg. Max. Anhängelast gebremst/ungebremst: 2.500 kg/750kg. Stützlast: 100 kg. Dachlast: 35 kg
Kofferraumvolumen: 240–2274 Liter
Max. Anhängelast: 2500 kg
Wendekreis: 12,6 m
Bodenfreiheit: 204 mm
Böschungswinkel: 20,2 Grad (v.) / 21,0 Grad (h.)
Bereifung: 255/55 R20
Basispreis: 77.000 Euro

Wettbewerbsumfeld:

BMW X7, Mercedes GLS, VW Touareg, Hyundai Santa Fe