Caravan Salon 2017: Durch 13 Hallen musst du gehen
Mit einem Ausblick auf die Leitmesse der Branche, den Caravan Salon in Düsseldorf (26. August bis 3. September 2017), haben Hersteller und Verband CIVD (Caravaning Industrie Verband Deutschland) erneut Rekordzuwächse beim Absatz melden können. So fanden im Mai 31,3 Prozent mehr Reisemobile und 32,4 Prozent mehr Caravans einen Käufer als im Vergleichsmonat 2016. Und schon da waren die Zulassungszahlen zum dritten Mal in Folge fast zweistellig gestiegen. Von Januar bis Mai 2017 kamen insgesamt 22.597 Reisemobile neu auf die Straßen, noch in den 1990ern entsprach dies einem Jahresabsatz. Die Wohnwagen konnten im gleichen Zeitraum ebenfalls zulegen, hier stieg der Absatz auf 12.084 Einheiten.
CIVD-Geschäftsführer Daniel Onggowinarso rechnet mit weiterhin guten Zahlen und einem stabilen Markt. Das wiederum wirkt sich positiv auf den Gebrauchtfahrzeughandel aus. „Dass nicht noch mehr Reisemobile und Caravans ihre Besitzer wechseln, liegt nicht an zu geringer Nachfrage von insgesamt rund 56.500 Fahrzeugen – im Gegenteil. Caravaning ist beliebt wie nie zuvor, und wer ein Fahrzeug besitzt, möchte es trotz hoher Wiederverkaufswerte nicht abgeben. Der Gebrauchtmarkt ist leergefegt, entsprechend übersteigt die Nachfrage das Angebot“, so Onggowinarso.
Der Caravan Salon des Jahres 2017 spiegelt die immense Aufwärtsbewegung der Freizeitfahrzeuge wider. Die größte und bedeutendste Campingmesse der Welt wächst einmal mehr und erweitert ihre Ausstellungsfläche um eine komplette Halle auf insgesamt 13 und auf eine Grundfläche von 214.000 Quadratmeter. 130 Caravan- und Reisemobilmarken sind vertreten und präsentieren 2.100 Fahrzeuge. Das Angebot reicht vom einfachen Zelt für kaum 100 Euro über den preisgünstigen Familien-Caravan in der 12.000-Euro-Klasse bis zum Luxus-Mobil mit Garage für einen hochwertigen Sportwagen, das für eine siebenstellige Summe zum Verkauf steht. Ohne Sportwagen, versteht sich. Unter den mehr als 600 Ausstellern finden sich auch zahlreiche Anbieter von Zubehör, die mit innovativen Produkten das Urlaubsvergnügen nochmals steigern wollen. Mobile Brennstoffzellen für eine unabhängige Energieversorgung, Bluetooth-Lautsprecher oder Beleuchtungskörper für die Markisen-Traversen (Waeco) verbessern den Urlaubskomfort.
Der Weg zum Reisemobil 4.0 ist bereits angetreten. Viele Hersteller und Zubehör-Anbieter machen ihre Produkte fit fürs weilweite Netz. So lassen sich Heizungen und Klimaanlagen per Smartphone aus der Ferne kontrollieren, auch verschiedene Innenraumüberwachungen sind im Angebot. Die Konnektivität ist ebenfalls gegeben. Zwar hinken manche Basisfahrzeuge noch hinter den Personenwagen-Standards hinterher, doch ist eine Aufrüstung in Sicht. Denn auch die Speditions- und Lieferbranche, die ja Hauptabnehmer für die Fahrzeugkategorie ist, fordert ein Nachrüsten für effizienteren Gewerbeeinsatz.
Den sehen manche Hersteller als kontraproduktiv an. Dem Begriff Kastenwagen haftet auch bei perfekt zum Campingbus ausgebauten Versionen immer noch das Odeur des Transportgewerbes oder des Handwerks an. Deshalb bemühen sich einige Hersteller teils rührend wirkungslos um eine neue Definition der Begrifflichkeit. Knaus etwa bemüht den Begriff CUV für Caravaning Utility Vehicle. Bürstner spricht vom Wohn-Van und andere sprechen vom Camper-Van. Der CIVD will die Namenssuche eventuell auf dem Caravan Salon als Preisausschreiben gestalten.
Zudem bemüht sich der Verband aktuell in Gesprächen mit der Europäischen Kommission um eine kleine, aber bedeutende Veränderung der Führerscheinregelung. Denn wer seine Fahrerlaubnis nach 1999 erworben hat, darf mit der Klasse B nur noch Fahrzeuge mit einem maximalen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen fahren. Die Lizenz bis 7,5 Tonnen muss extra bestanden werden und gilt dann nur für fünf Jahre. Danach muss sie zeit- und kostenaufwändig unter der Vorlage von ärztlichen Attesten verlängert werden. Was viele jüngere Verkehrsteilnehmer scheuen. Das aber bedeutet für die Hersteller immense Investitionen in Leichtbau und für Kunden oft den Verzicht auf Platz und Stauraum. Über was genau verhandelt wird, will CIVD-Chef Onggowinarso noch nicht verraten, stellt aber eine nicht zu ferne Entscheidung in Aussicht. Was allerdings sowohl Ab- wie auch Zusage bedeuten kann. mid
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