Seat Ibiza 1.0 TGI – Gas: DIE Lösung aller Probleme?
Heute nehmen wir den Gas Ibiza mit seinem 1.0 TGI Motor unter die Lupe. Der Seat Ibiza ist schon das dritte TGI-Modell des spanischen Herstellers. Den Leon und Mii gibt es bereits mit Gas-Antrieb. Dieser Ibiza fährt zum Glück nicht nur mit CNG (Compressed Natural Gas), der bi-valente 1.0 TGI Dreizylinder mit seiner maximalen Leistung von 90 PS kann genauso mit Benzin gefahren werden. Ein Benzintank sorgt dafür, dass der Kleine eine kombinierte Reichweite (also aus Gas und Benzin befeuert) von mehr als 1.000 Kilometern schafft. Das ist beachtlich. Wer also in Gefilden mit lückenhafter Erdgastankstellen-Versorgung lebt, muss sich keine Mobilitäts-Sorgen machen. Warum CNG eine sinnvolle Alternative sein kann und wie sich die Umweltprämie von 2.000 Euro auswirkt, lest ihr hier.



Die zweite wichtige Größe ist der Anschaffungspreis. Beim Vergleich im Seat-Sortiment liegt der Gas-Ibiza zwischen dem vergleichbar starken 1.6. TDI Diesel (95 PS) und dem 1.0 Liter Benziner (ebenfalls 95 PS). Doch geht man weiter ins Detail, so zeigt sich, dass es zusätzlich auf die gewählte Ausstattungslinie ankommt. Nimmt man die „Style“-Variante, dann ist der Benziner 1.500 billiger, während der Diesel 1.000 Euro teurer, als die Gas-Variante ist. Im Vergleich zum Diesel gewinnt der 1.0 TGI den Wirtschaftlichkeitsvergleich, denn er ist günstiger bei Anschaffung und im Unterhalt. Je mehr gefahren wird, umso größer wird folglich der Vorteil auf der Kostenseite.
Der Ibiza mit CNG Antrieb ist also unter bestimmten Voraussetzungen aus finanzieller Sicht vorteilhaft. Doch es gibt auch eine weitere Seite der Medaille. Das Fahren soll, kann und darf ja auch Spaß machen. Stellt sich also die Frage, ob der Gas-Antrieb Fahrspaß vermitteln kann. Kurze Antwort: Es ist kaum ein Unterschied zum Benziner spürbar. Zwar wirkt der Gas-Ibiza minimal behäbiger im Antritt, das kann aber auch an der pomadigen Übersetzung der Fünfgang-Handschaltung liegen. Der Blick auf das Datenblatt unterstreicht diesen Eindruck. Denn der Dreizylinder-Turbo braucht mit 12 Sekunden nur eine Sekunde mehr für den Spurt von 0 auf 100, als der Benziner, was auch am Mehrgewicht der Gas-Variante von etwas über 100 Kilo liegt. Beide Antriebe erreichen ihre Höchstgeschwindigkeit bei 180 Stundenkilometern.
Der Diesel ist indes drehfreudiger und durchzugskräftiger. Und so sind die beiden Verbrenner auch etwas kultivierter und angenehmer im Sound. Doch das ist vielleicht Gewohnheitssache. Sparsame bzw. umweltbewusste Käufer legen darauf wohl nur wenig Wert. Ein wesentlicherer Kritikpunkt bleibt der mit einem Volumen von 13 Kilo einfach viel zu kleine CNG-Tank. Er bringt es auf eine reine CNG-Reichweite von nur 300 Kilometern. Bei nur 900 Erdgas-Tankstellen in Deutschland ist das zu wenig. Zum Vergleich: In Deutschland zählen wir aktuell rund 14.000 Benzin/Diesel Tankstellen. Der 40 Liter-Benzin-Tank löst das Mobilitätsproblem zwar, doch nutzt man häufig Benzin als Treibstoff, reduziert sich der finanzielle Vorteil. Der Gas-Fahrer muss das Problem mit strukturierter Planung lösen. „Wo kann ich tanken und wann muss ich tanken?“, begleitet Fahrer, die nicht aufs Gas verzichten möchten.
Gas zu tanken ist bekanntlich nicht nur eine Frage des Geldbeutels. Gas verbrennt mit weniger Rückständen, als Benzin und Diesel. CNG emittiert weniger Kohlendioxid als Verbrenner. Schwefeldioxid und Feinstaubpartikel sind kaum feststellbar. Die Stickoxid Emissionen ähneln indes dem des Benziners.
Noch umweltfreundlicher ist der Gas-Fahrer unterwegs, wenn er Bio-Methan an einer von nur 130 Bio-Tankstellen in Deutschland zapft. Es wird aus erneuerbaren Ressourcen oder Bio-Abfällen gewonnen und reduziert die Emissionen um die Hälfte.

Fazit:
Wir haben aufgezeigt, dass der Seat Ibiza 1.0 TGI mit seinem Erdgas-Antrieb eine spannende Alternative zu Benzin- und Diesel sein kann. Und das sowohl aus ökonomischer als auch aus ökologischer Warte. Ein kleiner Spielverderber ist die geringe reine CNG-Reichweite. Zu den Preisen: Der Seat Ibiza 1.0 TGI in der Ausstattungslinie „Reference“ kostet mindestens 17.270 Euro. Das sind zwar über 2.000 Euro mehr, als für den 95 PS-Benziner anfallen. Doch durch die Zukunfts-Prämie von 2.000 Euro ergibt sich ein anderes Bild. Übrigens: Noch in 2018 bekommt auch das kleine SUV Seat Arona einen Erdgas-Antrieb.
Technische Daten:
Seat Ibiza 1.0 TGI Start&Stop
Länge x Breite x Höhe (in m): 4,06 x 1,78 x 1,44
Radstand (in m): 2,56
Motor: Dreizylinder, 999 ccm, Turbo, Direkteinspritzung
Leistung: 66 kW / 90 PS von 4500 – 5800 U/min
Max. Drehmoment: 160 Nm bei 1900 – 3500 U/min
Beschleunigung 0 – 100 km/h: 11,8 s
Höchstgeschwindigkeit: 181 km/h
Benzinverbrauch, durchschnittlich nach NEFZ: 5,0 l/100 km
Tankinhalt Benzin: 40 l
CO2-Emission (nach ECE-Norm): 114 g/km
Emissionsklasse: Euro 6
Effizienzklasse: B
Erdgasverbrauch CNG (nach ECE-Norm) kombiniert:
3,3 kg/100 km
(4,9 m3/100 km)
CO2-Emission Erdgasbetrieb: 88 g/km
Emissionsklasse: Euro 6
CO2 Effizienzklasse: A+
Tankinhalt CNG (Erdgas): 13 kg
Leergewicht: min. 1239 kg / max. Zuladung: 476 kg
Max. Anhängelast: Anhängerkupplung ab Werk nicht vorgesehen
Räder / Reifen: 5,5J x 15 Stahl / 185/65 R 15
Kofferraum: 262–1072 Liter
Basispreis: 17.270 Euro
Jan Weizenecker
Absolvent der Volks- und Betriebswirtschaftslehre der Albert-Ludwigs Universität Freiburg. Mal in kleinerem, mal in weiterem Radius, aber immer mit der nötigen Portion Humor, berichte ich seit 2012 über die Neuerscheinungen der Automobilwelt.
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