Qoros K EV: Kampfjet für die Oberklasse
Elektrolimousinen aus Fernost hat die Branche inzwischen viele gesehen, den meisten Exponaten mangelt es allerdings an Substanz: Die Start-Ups kommen und gehen, und die hoffnungsvollen Fahrzeugstudien entpuppen sich häufig als Luftnummern. Zu den etablierten Mitspielern gehört die Marke Qoros, die 2013 lanciert wurde und sich seitdem in China in der Near-Premium-Nische etabliert hat. Für Starthilfe sorgte europäische Technologie und eine anspruchsvolle Designsprache, definiert vom früheren Mini-Chefdesigner Gert Hildebrand.

Mit 5,12 Metern Länge und vier Elektromotoren, die insgesamt 870 PS/640 kW leisten, positioniert sich die futuristisch gezeichnete High-Tech-Limousine direkt in der Oberklasse – und damit in direkter Konkurrenz zu Modellen wie dem Tesla Model S und dem Porsche Panamera. Die Eckdaten sind eindrucksvoll: Der Sprint von 0 auf 100 km/h wird knapp 2,7 Sekunden absolviert, bei 260 km/h soll der Qoros K EV in den Abregler laufen. Zum Vergleich: Das Spitzenmodell von Tesla wird mit weniger als 500 PS angegeben, der Porsche Panamera Turbo S E-Hybrid mit Plug-In-Elektroantrieb leistet 680 PS. Und das viertürige Mercedes-AMG GT Concept soll als Plug-In Hybrid maximal 816 PS auf die Straße bringen.
Drei Aufladesysteme sollen den Strom ins Auto bringen: Der Qoros kann induktiv oder konduktiv, also per Kabel, aufgeladen werden – letzteres auch ferngesteuert, inspiriert vom Betankungsvorgang bei Flugzeugen.
Für überlegene Straßenlage dürfte nicht nur der niedrige Schwerpunkt, sondern auch die Torque-Vectoring-Funktion sorgen, mit der die Kraft variabel zwischen allen vier Rädern verteilt werden kann. Die üppig dimensionierten Akkus speichern Strom für locker 500 Kilometer Reichweite.
Der Qoros K EV profiliert sich nicht nur über seinen Hochleistungs-Antrieb, sondern über eine ganze Reihe weiterer anspruchsvoller Technologien, für die man die Führerschaft reklamiert. Dazu gehören das extrem steife, crashsichere Monocoque aus Kohlefaser-Verbundstoff und das asymmetrische Türkonzept mit fahrerseitiger Flügeltüre und hinterer Schiebetür rechts. Strategischer Entwicklungspartner für die Carbon-Struktur ist die in Peking und München ansässige Firma KDX/C.
Die aggressiv-expressive Formensprache dient dazu, diese Technologien zu visualisieren: Die Zentralkabine eröffnet Blicke auf die Carbonstruktur, daran angeschlossen sind additive Front- und Heckelemente und aufgesetzte Kotflügel, die freischwebend wirken. Die LED-Beleuchtungselemente vorn und hinten wirken nicht nur futuristisch, sie unterstreichen auch die weiterentwickelte, vertikal dominierte Qoros-Formensprache, die zum ersten mal beim Qoros 2 PHEV gezeigt wurde.

Während praktisch alle chinesischen Oberklasse-Studien brav-unauffällig gezeichnet sind und kaum charakteristische Elemente vorweisen können, erinnert der Qoros K EV an die extravaganten und provokativen Studien, die in den 70er- und 80er-Jahren vorwiegend vom italienischen Karossier Bertone gezeichnet und auf die Räder gestellt wurden. Und er könnte ähnlich starke Impulse in eine Designwelt aussenden, die einerseits unübersichtlich geworden ist, andererseits in vielen Punkten stagniert.
Die Kombination aus visionärem Design und extrem leistungsfähigem Antrieb bei einem praxistauglichen technischen Ansatz verweist auf die Seriennähe dieser Studie: Qoros hat vor wenigen Tagen eine strategische Kooperation mit der Regierung der Region Yibin bekanntgegeben hat, in deren Rahmen mehrere hundert Millionen Euro fließen dürften. Damit verfügt CEO Leon Liu über erhebliche Freiheiten, um die Marke auf die Erfolgspur zu führen und ihren Bekanntheitsgrad deutlich zu steigern.
Dabei spielt die Oberklasse-Limousine K EV, die Qoros im Rahmen eines Wortspiels auch als Qomfort Qarbon Coupe beschreibt, eine wichtige Rolle. Gerüchten zufolge soll schon im November auf der Automesse in Guangzhou ein fahrfähiger Prototyp stehen. ampnet
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