Jürgen Stackmann: Mit dezentralem Vertrieb wird die Marke Volkswagen erfolgreicher
Trotz der Dieselaffäre im Jahr 2016 überholte Volkswagen seinen Rivalen Toyota bei den Absatzzahlen zwei Jahre früher als angekündigt und steht schon heute als größter Automobilhersteller an der Weltspitze. Auch die Ergebniszahlen passen wieder besser. Nach Verlusten 2015 meldete der Konzern gestern wieder ein positives Ergebnis fürs vergangene Jahr: 5,4 Milliarden Euro nach Steuern. Die Marke Volkswagen ist aber noch nicht da, wo die Strategie „Together 2025“ sie sehen will. Wir sprachen mit Jürgen Stackmann, dem Vertriebsvorstand der Marke, über den Weg bis 2025.
Die Kernmarke Volkswagen will künftig mit weiteren SUV-Modellen auftrumpfen und gleichzeitig die Rendite steigern. „Tiguan und Touareg werden Geschwister bekommen“, bestätigte Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann in Wolfsburg. So soll der neu konzipierte Atlas, ein siebensitziges SUV, in den USA die Verkaufszahlen ankurbeln. Jürgen Stackmann weiß, dass „Volkswagen dort mit solch einem Modell ein Newcomer ist“. Dennoch sollen in diesem wichtigen US-Segment Marktanteile erobert werden. In den zurückliegenden sechs Jahren wuchs der SUV-Anteil auf dem US Markt von 30 Prozent auf 38 Prozent, der Pkw-Anteil sank dagegen um rund zehn Prozent auf nun 40,9 Prozent.
Stackmann will vom heute produktzentrierte Geschäftsmodel auf ein kundenzentriertes Modell umsteigen. Volkswagen hat dabei aufstrebende Ehepaare der Mittelschicht im Blick. In den USA ist diese Zielgruppe 32 Jahre alt und hat zwei Kinder und ein durchschnittliches Haushaltseinkommen von 5800 Dollar. In Europa ist der Zielkunde im Schnitt 36 Jahre alt mit einem Kind und vefügt über ein Haushaltsbudget von monatlich 3710 Euro. In wichtigsten Markt China ist der Zielkunde durchschnittlich 34 Jahre alt, verheiratet mit einem Kind.
Um die Ertragskraft der Marke wieder herzustellen wird Volkswagen seine Wertschöpfung auf Zukunftsfelder konzentrieren. Das führt auch zu zukunftsfähigen Arbeitsplätze. Dazu dient bis 2020 auch die SUV-Offensive. Danach wird es verstärkt um den Einsatz des Elektrifizierungs-Baukasten gehen. Stackmann spricht von speziellen Modellen, die nicht von herkömmlichen Typen mit Verbrennungsmotor abgeleitet werden. Vielmehr werden diese Elektro-Fahrzeuge als eigenständige Produkte entwickelt werden. Der Verbrennungsmotor werde aber weiterhin seine Bedeutung bei Volkswagen haben, erklärt Stackmann, zumal die Kunden auf Langstrecken jenseits der Metropolen auf große Reichweiten und kurze Tankstops setzen. Bis dahin kann Stackmann auf die Erfolge von Tiguan und vom Touran verweisen. Mit rund 40 Prozent mehr Aufträgen als 2015 waren beide Volkswagen-Modelle einer Treiber für den Absatzzuwachs in Europa von 2,1 Prozent.
Ziel sind für Stackmann ganz klar die Verbesserung der Rendite durch Wachstum und exzellente Produkte. „Wir müssen noch mehr Technik mit Kundennutzen bringen“, beschreibt Jürgen Stackmann die Potenziale. Die Tendenz vom heute assistierten Fahren über pilotiertes Fahren morgen bis hin zum autonomen Fahren übermorgen ist klar. Daran führt schon im Interesse der Verkehrssicherheit kein Weg vorbei. Schon heute sorgen die vorhandenen Fahrer-Assistenzsysteme für mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Eine jüngst erstellte Analyse ergab, dass der Golf 7 dank des Notbrems-Assistenten in 45 Prozent weniger Unfälle verwickelt ist als der Golf 6.
Volkswagen setzt außerdem verstärkt auf die Öffnung zu neuen Geschäftsfeldern wie Mobilitätsdienstleistungen, besonders in den Metropolregionen Chinas und Brasiliens. Im Mittelpunkt stehen hier unter anderem privates Car-Sharing und elektrisch angetriebene Modelle, wobei es wegen der noch fehlenden Infrastruktur besonders in Brasilien und auch im afrikanischen Raum länger dauern wird als in Nordamerika und Europa. Doch auch bei Erfolgen in den neuen Geschäftsfeldern sieht Stackmann Produktion, Vertrieb und Service auch in der überschaubaren Zukunft als das Kerngeschäft der Marke Volkswagen. ampnet
Ähnliche Beiträge
26. April 2016
Batterieprobleme bleiben Hauptpannenursache
Probleme mit der Batterie machen Autofahrern nach wie vor den größten Ärger. Das geht aus der aktuellen…
18. November 2016
Weitere 60 Hyundai ix35 Fuel Cell für Paris
Das französische Taxi-Start-up-Unternehmen STEP (Société du Taxi Electrique Paris) hat bei Hyundai weitere 60 ix35 Fuel…
30. Juni 2020
2020 Audi RS 7 Sportback (600 PS) – Hat er ihr Herz gebrochen? – POV I Sound I Autobahn
Ninas Begleiter heute ist der neue Audi R7 Sportback im Modelljahr 2020. Mit einem 4.0 Liter V8…
26. Januar 2018
Der lautlose Leichenwagen
Der Weg zur letzten Ruhestätte kann auch nahezu geräuschlos vonstatten gehen: Denn ein neues Leichenwagenmodell basiert…
3. April 2017
Porsche eröffnet Showroom auf Sylt
Porsche ergänzt das weltweite Händlernetz durch eine neue Form von Showrooms. Mit „Porsche auf Sylt“ wurde der erste…






