„Von einem Turbo-Loch kann beim neuen 911er keine Rede sein“
Interview mit Thomas Wasserbäch, Leiter der Porsche Boxer-Motorenentwicklung
Mit der Markteinführung der neuen 911er Modelle 2016 stellt der schwäbische Sportwagenhersteller seine Boxermotoren auf Turbo-Technik um. Ein viel diskutiertes Thema unter den Porschefans. Warum Porsche nun den 911er nicht mehr mit den sportwagentypischen Saugmotoren ausstattet, wollte der-Autotester vom Entwicklungsleiter der Boxermotoren bei Porsche, Thomas Wasserbäch wissen.
Der-Autotester: Hat der Porsche 911 Carrera mit den Turbomotoren seinen bei den Fans so beliebten Charakter mit dem spontanen Ansprechverhalten und dem schier endlosen Hochdrehen verloren?
Wasserbäch: Nein, für uns war wichtig die typische Drehfreude des Boxermotors zu erhalten. Lediglich die maximale Drehzahl ist leicht um 300 Umdrehungen pro Minute gesunken.
Sie liegt aber mit 7.500 Umdrehungen pro Minute weiterhin auf sehr hohem Niveau. Die Leistungsentfaltung der neuen Turbomotoren ist ähnlich wie bei den Saugmotoren ausgeprägt worden, jedoch auf einem deutlich höheren Drehmomentniveau. Die Anpassung des Hubraums auf 3,0 Liter (Rightsizing), die punktgenaue Auslegung der Biturbo-Aufladung sowie applikative Maßnahmen gewährleisten ein sehr spontanes Ansprechverhalten.
Der-Autotester: Was hat Porsche denn dazu veranlasst, den klassischen 911er nicht mehr mit den sportwagen-typischen Saugmotoren, sondern mit Turbo-Motoren zu versehen?
Wasserbäch: Im Vordergrund standen zum einen Verbrauchs- und Emissionsgründe, zum anderen die Erhöhung der Alltagstauglichkeit durch den deutlich besseren Durchzug aufgrund der Drehmomentsteigerung bei gleichzeitiger deutlicher Performance-Steigerung.
Der-Autotester: Die Porsche Konzernschwester Audi hat den neuen R8 in diesem Jahr sehr bewusst wieder mit einem Saugmotor lanciert. Wie passt das zusammen?
Wasserbäch: Wir haben viele unterschiedliche Varianten des 911 im Programm. Die GT-Modelle, die vornehmlich für die Rundstrecke entwickelt werden, wird es weiterhin mit Saugmotoren geben.
Der-Autotester: Wie wirkt sich der System-Wechsel auf die Fahreigenschaften des 11ers aus? Was hat sich hier verändert?
Wasserbäch: Der 911 Carrera weist selbst aus niedrigsten Drehzahlbereichen heraus ein souveränes Drehmomentangebot aus, so liegt das maximale Drehmoment von 500 Nm beim S-Modell bereits bei 1750 1/min an; dies ist über 50 Prozent mehr als beim Vorgängermodell. Beim Sprintvergleich aus dem Stand (mit PDK, ohne Launch Control) hat der neue 911 Carrera S nach fünf Sekunden bereits 7,5 Meter Vorsprung auf seinen Vorgänger. Es sind für den Kunden also deutlich spürbare Verbesserungen bei der Performance bei gleichzeitig niedrigerem Verbrauch.
Der-Autotester: Welche Vorteile hat der Porsche Kunde vom System-Wechsel?
Wasserbäch: Zusammengefasst kann man sagen: bessere Performance, höherer Alltagsnutzen, niedrigerer Kraftstoffverbrauch.
Der-Autotester: Welche Nachteile muss er im Gegenzug in Kauf nehmen? Wie haben Sie etwa das berühmt-berüchtigte Turbo-Loch bekämpft?
Wasserbäch: Die komplexere Technik führte zu einem leichten Mehrgewicht, welches durch das

Zur Person: Thomas Wasserbäch ist Entwicklungsleiter für die Boxermotoren bei Porsche. Der studierte Maschinenbauer kam 1998 von der Konzernschwester Audi AG zu Porsche.
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