Der im Januar präsentierte Countryman der zweiten Generation kommt jetzt auch als John Cooper Works. Er will mit 231 PS, optischen Retuschen und noch sportlicherer Straßenlage möglichst viele Kunden von sich überzeugen. Dieser kleine große Mini kann bereits jetzt beim Händler abgeholt oder bestellt werden.Es gab Zeiten, da bekam der legendäre John Cooper zwei englische Pfund für jedes John Cooper Works Modell, das verkauft wurde. Damals waren die Absatzzahlen noch gering und die zwei Pfund eher ein symbolischer Betrag. Aber seit Mini fest in bayrischer BMW-Hand ist, gehört Mini zu den Großen. Heute gibt es viel mehr Mini-Modelle, das bringen die Aktivitäten der nimmersatten Automobilindustrie-Raupe mit sich. Beachtlich ist, dass es selbst den kleinen Mini jetzt als 5-Türer gibt, mit dem Clubman sogar einen Mini-Kombi, und es gab bis vor kurzem ein Mini-Coupé. Und in Zeiten des SUV Hypes muss natürlich auch ein Geländewagen sein – der Countryman. Die Menschen wollen diese SUVs, also werden sie gebaut. Nur logisch, dass mit dem Countryman auch der jüngste Spross, der gar nicht mehr so kleinen Familie eine verschärfte Version erhält. Der Motor findet sich ja sowieso im Portfolio und muss quasi nur mit der Countryman-Karosserie verheiratet werden.Wer das denkt, der irrt. Irrt gewaltig. Denn so läuft der Mini-Hase nicht. Der Countryman JCW bekommt ein eigenständiges Design um seine Kulleraugen im freundlichen Gesicht. Man erkennt ihn nicht nur an den zahlreichen JCW Emblemen oder an seinem betörenden Sound. Nein, das Modell zeichnet sich durch eine veränderte Frontlippe (ohne Nebelscheinwerfer), die obligatorische rote Spange im Kühlergrill, die „Sideshuttles“ und die 18-Zoll Felgen aus.Auch der Innenraum zeigt sich John Cooper Works geprägt. Nebst den sehr guten Sportsitzen, gibt es ein eigenes entworfenes Lenkrad, Gangwahlhebel, Pedalerie und besondere Einstiegsleisten. Die grün-rote Tannenbaum Lackierung bleibt dem Countryman JWC vorbehalten. Sie kann man haben. Muss man aber nicht. In jedem Fall profitieren Familien auch im JCW Countryman von der verschiebbaren Rückbank und dem variablen Laderaum (450 bis 1.390 Liter).Ihr kritischen deutschen Leser, ihr werdet jetzt wieder sagen: das ist doch verrückt. Ein Sport SUV Modell. Das verkauft sich doch nicht. Das ist doch sinnbefreit. Und dazu noch teuer. Stimmt! Völlig sinnlos und echt teuer. Doch gerade darin liegt eben der Reiz des Modells. Der 1,5 Tonnen schwere Countryman JCW trägt sein primäres Kaufargument unter der Haube. Das ist bekanntlich mit vielen Dingen so. Ihr in die Jahre gekommener Ehepartner wiegt hoffentlich keine Tonne. Doch hat sie/er zugenommen, wird sie/er Ihnen auch erzählen, dass es auf die innere Werte ankommt. Und damit hat sie/er ja auch Recht. Wenn schon Countryman mit Platz und Alltagstauglichkeit, dann bitte auch mit richtig viel PS für den Spaß. Die Analogie zum Lebenspartner erspare ich uns.

Der Countryman John Cooper Works jedenfalls hält die Familie auf zack. Der Motor presst aus den vier Zylindern des Cooper S satte 170 kW/231 PS – das sind 49 Pferdchen mehr, als beim Countryman S. Die zusätzliche Leistung wird durch den Turbolader generiert. Er sorgt dafür, dass ständig genug Drehzahl vorhanden ist, um den Countryman schon bei sanften Gaspedalstössen vom Fleck zu katapultieren. In Zahlen ausgedrückt: 6,5 Sekunden auf Tempo 100. Untermalt wird diese spürbare Dynamik von tosendem Fehlzündungsfeuer (bewusst erzeugt) aus dem Auspuff. Das Ende der Beschleunigungsfahnenstange ist bei 234 Stundenkilometern erreicht.Planen Sie einen Banküberfall, oder wollen die Ehefrau für einige Stunden in Richtung Kneipe verlassen, glauben Sie mir, man wird Ihnen nur schwer folgen können. Hören wird man Sie allerdings bestimmt. Im Sportmodus jedenfalls.

Schaltet man den Drive-Mode Schalter auf Eco, so wird aus Rammstein plötzlich Andrea Berg. Jetzt ist unser Mini SUV leiser und zurückhaltender mit der Gasannahme. Doch das will in diesem Auto keiner wirklich – genau wie diese Schlagersängerin. Zwar verbraucht der Countryman im Idealfall nur 6,9 Liter Benzin. Und ein Berg Konzert kostet ja auch „nur“ 69 Euro. Aber will man das? Nein! In diesem Auto muss der Sportmodus eigentlich festgetackert werden. Denn seine direkte Gasannahme, der direkte Vortrieb über die schnell schaltende Achtstufen-Automatik und der brodelnde Auspufflärm machen süchtig. In Verbindung mit der direkten Lenkung wird dieser SUV überaus sportlich. Der variable Allradantrieb gibt die Kraft beim Anfahren zwar erst relativ spät ans hintere Geläuf weiter, er sorgt allerdings während der Kurvenjagd dafür, das stets genug Traktion auf die Straße gebracht wird. Wobei die Federung komfortabel genug ist, um sich eben nicht in einem überdimensionierten Go-Kart zu wähnen.

Fazit

Würde John Cooper noch immer zwei englische Pfund pro verkauftem JCW Modell bekommen, hätte er im Jahr 2016 jede Menge Kohle gemacht. In der Basis kostet der Countrymann, der stolz seine Initialen trägt, satte 38.800 Euro. Dafür muss ne alte Frau ziemlich lange Stricken. Das ist richtig viel Geld für einen stärker ausgebauten Motor mit einigen optischen Retuschen an der Karosserie. Doch hey: man lebt nur einmal. Yolo. Und das Leben ist zu kurz um langweilige Autos zu fahren – sparen Sie doch einfach an anderer Stelle! An dieser Stelle möchte ich keinesfalls vom Heiraten abraten.
Technische Daten:

Mini John Cooper Works Countryman AT

Maße (Länge x Breite x Höhe in m): 4,30 x 1,82 x 1,56
Radstand (m): 2,67
Motor: Vier-Zylinder-Turbobenziner, 1998 ccm, Direkteinspritzung
Leistung: 170 kW / 231 PS bei 5000 U/min
Maximales Drehmoment: 350 Nm bei 1450 – 4500 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 234 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 6,5 s
Verbrauch (Schnitt nach EU-Norm): 6,9
Kohlendioxid pro Kilometer: 158 g (Euro 6)
Leergewicht (DIN)/ Zuladung: 1555 kg / 595 kg
Gepäckraum: 450 – 1390 l
Bereifung: 225/50 R 18
Basispreis: 38.800 Euro