Verleiht Red Bull Aston Martin Flügel?
Am Rand des Formel 1-Grand Prix von Monte Carlo hatten die Briten ein paar zahlungskräftige Auto-Enthusiasten geladen, die einen siebenstelligen Betrag als Kaufpreis für einen exklusiven Sportwagen keineswegs für eine außergewöhnliche Belastung halten. Schon gar nicht, wenn es sich um ein Auto handelt, das es in zwei Versionen geben wird – eine für die Rennstrecke, eine für die Straße.
Er soll das teuerste Auto werden, das jemals britische Werkshallen verlassen hat. Brexit hin, Brexit her – 3,3 Millionen Euro, so schätzte kürzlich die in London erscheinende International Business Times, soll der Wagen mindestens kosten, von dem bisher nur der vorläufige Code-Name AM-RB 001 in Erinnerung an die enge Verbindung zwischen Aston Martin und dem Leinwand-Spion James Bond 007 bekannt ist. AM steht für Aston Martin, RB für Red Bull. Frühestens in zwei Jahren soll er an ausgesuchte Kunden gehen. Ursprünglich waren nur 100 Exemplare geplant, doch das Interesse war so groß, dass deren Zahl aufgestockt werden musste obwohl bei Vorbestellung schon jetzt rund 300 000 Euro Anzahlung fällig werden.
Mitte März 2016 hatten Aston Martin und das Formel 1-Team Red Bull Racing des österreichischen Energy-Drink-Fabrikanten, Marketing-Genie und Milliardär Dietrich Mateschitz vor der Kulisse des australischen Grand Prix in Melbourne verkündet, zusammen ein bahnbrechendes Hyperauto entwickeln zu wollen. Die außergewöhnlichen Fähigkeiten von Adrian Newey, dem in der Formel 1-Szene der Ruf eines Erfolgsgaranten vorauseilt (mitverantwortlich für über 100 Grand Prix-Siege), und von Chefdesigner Marek Reichman, der sich vor seinem Engagement bei Aston Martin Verdienste um Rover, BMW und Ford machte (unter anderem Rolls-Royce Phantom, Lincoln MKX und Range Rover Mk lll) , sollten gemeinsam ein einmaliges Auto auf die Räder stellen können wie Aston Martin-Chef Andy Palmer meinte. „Aston Martin und Red Bull werden einen Sportwagen schaffen, der die Phantasie der Autodesigner zukünftig beflügeln und ein weltweites Publikum von Sportwagen-Fans begeistern wird.“ Alles getreu dem österreichischen Werbespruch „Red Bull verleiht Flüüügel“.
Bis es so weit ist, sind aber noch erhebliche Entwicklungsarbeiten nötig. Schon jetzt wird allerdings deutlich, dass ein Meister der Formel 1 seine Finger im Spiel hat. „Ich habe mich schon lange mit dem Gedanken herumgeschlagen, ein Auto für die Straße zu entwerfen“, erklärt Adrian Newey, auf dessen Konto nicht zuletzt die vier Weltmeistertitel von Sebastian Vettel zurückgehen. Unbelastet von den strengen Bau-Vorschriften der Formel 1 formte er ein Fahrzeug, das an einen Monoposto erinnert – allerdings mit verkleideten Rädern und einem Dach als Regenschutz. Und so wie Vettel in seinem Arbeitsgerät werden die beiden Passagiere im AM-RB 001 eher liegen als aufrecht sitzen. Spoiler vorne und hinten sowie aerodynamische Vorrichtungen am Unterboden sollen dem Wagen ständigen Anpress- und damit Bodenkontakt sichern, der Einstieg in den bescheidenen Innenraum erfolgt über zwei Flügeltüren links und rechts. Für den Antrieb auf die Hinterräder soll ein kraftvoller Zwölfzylinder im Heck sorgen, wahrscheinlich kombiniert mit Hybrid-Technik, wobei die 735 kW – 1000 PS mit dem Leergewicht von 1000 Kilo – also ein Pferd pro 1000 Gramm – des überwiegend aus Karbon gefertigten Boliden leichtes Spiel haben werden.

Mindestens 25 Exemplare der Serie sollen deshalb dem reinen Rennsport vorbehalten bleiben. Es ist anzunehmen, dass einige davon spätestens 2019 bei den 24 Stunden von Le Mans mitmischen werden.
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