Jeder zweite Forschungs-Euro kommt aus der Automobilindustrie
62,4 Milliarden Euro haben die deutschen Unternehmen im Jahr 2015 in eigene Forschung und Entwicklung (FuE) investiert. Das sind 9,5 Prozent mehr als im Vorjahr, heißt es in der aktuellen jährlichen FuE-Erhebung des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft. Danach wurde das Wachstum getrieben vor allem durch die Automobilindustrie und ihre Dienstleister. 21,7 Milliarden Euro hat die Kfz-Branche in eigene Forschung und Entwicklung investiert, das sind zehn Prozent mehr als 2014. Zusätzlich vergaben diese Unternehmen für 10,2 Milliarden Euro Forschungsaufträge an externe Dienstleister wie Forschungseinrichtungen oder andere Unternehmen, neun Prozent mehr als im Vorjahr.
Deutliche Steigerungen bei den Forschungsausgaben gab es auch bei den Chemieunternehmen (plus sechs Prozent). In der Pharmabranche steht einer Stagnation bei der eigenen Forschung (minus 0,9 Prozent) ein deutliches Plus bei der Auftragsforschung gegenüber (plus 25 Prozent).
Eine bemerkenswerte Entwicklung sieht der Stifterverband beim Mittelstand, der deutlich forschungsfreudiger werde: Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit weniger als 250 Beschäftigten haben danach 16 Prozent mehr für eigene Forschungsprojekte ausgegeben als im Vorjahreszeitraum. Gerade in Branchen, die insgesamt stagnieren, könne von diesen Unternehmen in den nächsten Jahren eine neue Wachstumsdynamik ausgehen, so der Stifterverband. Dazu gehören der Maschinenbau (insgesamt minus 0,2 Wachstum, aber plus rund zehn Prozent bei den KMU) und die Information und Kommunikation (insgesamt plus 0,4 Prozent Wachstum, aber plus 24 Prozent bei den KMU).
Das Drei-Prozent-Ziel der Bundesregierung sei mit den neuen Zahlen erreicht, erklärte Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung (BMBF). Zuwachs gab es auch beim Personal: Auf Vollzeitstellen umgerechnet gab es 416 000 Beschäftigte in den Forschungsabteilungen der Wirtschaft. Das ist eine Steigerung von 11,9 Prozent.
Wanka nennt als Ziel der Bundesregierung, jährlich drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Forschung und Entwicklung einzusetzen: Das sei 2015 erstmals erreicht worden. 2014 lag der Wert bei 2,88 Prozent. Zuvor war der FuE-Anteil 2013 rechnerisch auf 2,82 Prozent gesunken, weil im Zuge einer Umstellung der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung in der EU das BIP gestiegen war. Dieser Knick sei jetzt dank der Rekordausgaben für Forschung und Entwicklung mehr als ausgeglichen. ampnet
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