Campingbus selbstgemacht: Beim Ausbau hilft der Baumarkt
Das Thema Caravaning hat es mittlerweile bis in die Hauptnachrichten des öffentlich-rechtlichen Fernsehens geschafft, und auch andere Marktteilnehmer werden darauf aufmerksam. Rollt doch die Erfolgswelle weiter ungebremst und wird von der Corona-Pandemie sogar noch beflügelt. Die gewaltige Nachfrage hat zu ausgedehnten Lieferzeiten für Camper geführt, das ruft nun die Baumärkte auf den Plan.
Hornbach („es gibt immer was zu tun“) bietet in seinen 96 deutschen Filialen und im Online-Shop Bausätze für Campingmöbel an, mit denen ein Kastenwagen zum Reisemobil wird. Der Preis ist heiß, kaum 2000 Euro kostet die Komplettausstattung mit Bett, Tisch, Schrank und Bank.
Akkuschrauber und Gummihammer genügen
Mehr als zehn verschiedene Module bietet Hornbach an. Sie werden bei der Online-Bestellung auf Paletten geliefert und lassen sich mit nur wenig handwerklichem Geschick zusammenbauen. Jeder halbwegs versierte Ikea-Schrauber schafft dies in kurzer Zeit, so Jörg Vetter, Holzeinkäufer bei der Baumarktkette. Als Werkzeuge genügen ein Schraubendreher oder ein Akkuschrauber sowie ein Gummihammer, um die einzelnen Bretter passsicher miteinander zu verbinden.

Die Namensgebungen der einzelnen Pakete orientierten sich dabei erkennbar an der Terminologie des schwedischen Möbelhändlers. Statt Sten oder Ivar finden sich bei Hornbach das Bettenmodul Bob für 480 Euro, das den VW T5 oder T6 zum Camper macht. Der Schubladenschrank Robert kostet 249 Euro und sorgt für Ordnung an Bord, das Küchensystem Louis kommt im VW Transporter auf 430 Euro. Für Sprinter, Crafter oder Ducato heißt die Pantry dann Ferdinand und will mit 545 Euro bezahlt werden.
Außerdem liefert Hornbach auf Wunsch verschiedene Matratzen als Bettauflage für den Unterbau aus leichtem Birkensperrholz, auch Isoliermaterial für die Blechwände des Basisfahrzeugs ist im Angebot. Für Installationen bietet der Baumarkt allerdings keine Hilfestellung an. Weder sorgt er für fließendes Wasser, noch für eine elektrische Einrichtung oder gar eine Gasversorgung, mit der sich Kocher und Kühlschrank betreiben ließen. Dies sollte den Fachleuten überlassen werden, vor allem eine abschließende Prüfung und Begutachtung seitens TÜV oder Dekra sind unabdingbar.
Ohnehin minimiert Hornbach mögliche Haftungspflichten. „Unsere Produkte sind keine Bestandteile des Fahrzeuges“, heißt es in den Sicherheitshinweisen. Und: „Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich bei unseren Produkten um Ladegut handelt, dessen ordnungsgemäße Sicherung nicht in unserem Verantwortungsbereich liegt.“ Wie die Module also befestigt werden, wird nur am Rande gestreift: „Eine Sicherung unserer Produkte durch den Halter/Fahrer des Fahrzeugs ist notwendig und muss den Gegebenheiten des Fahrzeugs entsprechend ausgeführt werden (z. B. mit Zurrgurten verspannen)“, lautet die Empfehlung.

Hinten sitzen darf während der Fahrt keiner
Damit ist ein springender Punkt erreicht. Wer einen Kastenwagen ausbaut, sollte tunlichst eine Version mit fester Blechwand zwischen Fahrerhaus und Laderaum wählen. Denn dann wird der Aufwand zur Ladungssicherung reduziert. Dass dann keine Kombiausführungen in Frage kommen, die hinten im Wagen weitere Sitzplätze bieten, versteht sich und ist auch nicht im Sinn des Ausrüsters: „Unsere Produkte sind nicht geeignet als Sitzplatz/zur Nutzung während der Fahrt“, schreibt Hornbach. Der im Do-it-Yourself-Verfahren eingerichtete Van ist dann während der Fahrt nur noch von zwei, maximal drei Campern nutzbar.
Dennoch ist die Idee der Baumarktkette charmant. Für kleines Geld lassen sich Kastenwagen zu Basis-Campmobilen ausbauen. Die grenzenlose Freiheit wird sich jedoch nicht einstellen, weil die Nähe zu einem Stell- oder Campingplatz mit sanitären Anlage sehr empfehlenswert ist. Für eine Kassettentoilette gibt es keinen passenden Vorschlag zur Unterbringung. Was auf rund acht Quadratmeter Fläche abgesehen vom olfaktorischen Aspekt ein überaus schwieriges Unterfangen wäre. ampnet
Fotos: Hornbach
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