Wer etwas Fundiertes über ein Wohnmobil schreiben möchte, der sollte es nicht nur genau angeschaut haben. Er sollte es benutzt haben. Nicht einen Tag! Einen Urlaub lang! Danach weiß man, was an einem Wohnmobil gut ist, und was nicht. Was einem gefällt, und was weniger. Was praktisch ist, und was nicht.

Also habe ich mich mit meiner Frau aufgemacht, den Bürstner Ixeo i 744 unter die Lupe zu nehmen. Von Offenburg ging es zunächst zum Caravan Salon nach Düsseldorf. Und von dort weiter über Belgien, quer durch die Normandie, in die Bretagne bis in die Vendee. Und nach 3 Wochen über die Route National auf dem direkten Weg zurück nach Hause.

Bürstner Ixeo i 744

Wohnmobilcamping boomt, davon konnten wir uns in Düsseldorf auf dem Caravan Salon überzeugen. Reisemobile und Wohnwagen verkaufen sich quasi von allein, so scheint es. Der Drang nach  der großen Freiheit zieht. Langwierige Abfertigungen an Flughäfen, unbequeme Hotelbetten und eingeschränkte Essenszeiten, darauf möchten viele sich nicht einlassen. Die Schreckensmeldungen von Terrorszenarien tun ihr übriges. Einsteigen, losfahren, im eigenen Bett schlafen, stehen, wann und wo es uns gefällt. Und abends gemeinsam etwas brutzeln, dass ist auch unseres.

Bürstner Ixeo i 744

Das Leben im Wohnmobil bringt Einschränkung mit sich. Kuschelecken suchte man bisher vergebens. Anders beim Ixeo i 744  von Bürstner. Der rollende Camper, der nahe an der französischen Grenze in Kehl gefertigt wird, möchte ein modernes Wohnmobil sein. Dazu hat Bürstner im Heck eine Lounge eingerichtet und zwei Hubbetten verbaut. Das Hubbett im Heck über der Lounge gegen Aufpreis. Alles auf einer Ebene, keine Stufen stören das Leben im Wohnmobil. Ein doppelter Boden offeriert Stauraum und warme Füße. Eine Lounge zum Lümmeln. Die Tür lässt sich zu ziehen, so dass man auch ungestört mal ein Buch lesen kann. Wie wunderbar. Doch man muss wissen für diesen Luxus muss man sich anderweitig einschränken.

Bürstner Ixeo i 744

Das kleine Wohnzimmer im Heck wird nämlich gewonnen,  indem man auf die große praktische Garage für Fahrräder verzichtet. Das vorhandene, quer durchgehende Ladefach im Heck unter der Lounge kann zwar Stühle Tische, Liegen aufnehmen, seine Höhe reicht für Räder leider nicht aus. Also müssen die Räder auf einen Träger.

In der Kuschel-Lounge im Heck haben die Entwickler selbst einen kleinen Beistelltisch, der clever im Unterschrank versteckt, nicht vergessen. Wo sollte man sonst auch das Weinglas und die Chips abstellen? Ebenso ein Tritt, der das Aufsteigen ins Hubbett erleichtert. Das passt alles, so lange die Nutzer des Ixeo nicht größer als 1,75 Meter sind, sonst wird das Hubbett zur ständigen Gefahr für den Kopf, denn die lichte Höhe unter dem nach oben gefahrenen Hubbett ist zu gering für Menschen wie mich (1,86 Meter).

Eine Alternative wäre auf das hintere Hubbett zu verzichten. Aber wer bequem in 2 breiten Betten schlafen möchte oder zu viert, der braucht das zweite Hubbett einfach. Apropos Hubbett, das hintere ist nicht ganz so komfortabel, wie das Vordere, denn wegen der lichten Höhe wird auf einen Lattenrost verzichtet. Eine Art Gaze, die die Matratze belüften soll, kommt hier zum Einsatz.

Die Lounge und gleichsam das hintere Bett kann durch eine Schiebetür vom sich anschließenden Bad und Toilette getrennt werden. Das ist gut gelöst. Die Intimsphäre bleibt gewahrt.

Weniger gut ist die Türsituation zur Küche hin. Denn diese Tür kann die Toilette schließen. Ist sie offen, trennt sie den Toiletten-/Duschbereich von der Küche. Allerdings steht die Tür in beide Richtungen immer in Weg. Die Dusche passt. Ebenso die Küche. Leider hat sich die Kühlschranktür während der Fahrt immer wieder in Kurven wie von Geisterhand geöffnet. Die früher übliche separate Verriegelungsmöglichkeit haben wir nicht mehr gefunden. Auch die Material-Qualität im kühlenden Schrank lässt zu wünschen übrig. Das leicht brechende Kunststoffmaterial der Fächerunterteilungen möchte ich nicht in 5 Jahren sehen.

Kommen wir zum Küchentisch. Er lässt sich zwar verschieben, aber diese Verstell-Möglichkeit reicht nicht aus. So stößt man sich beim Durchgang zum Fahrerhaus im wieder an den abgerundeten Ecken des Tischs. Der in Fahrtrichtung stehende Doppelsitz quält den Rücken mit seiner senkrecht stehenden Lehne. Im Fahrerhaus dominiert – leider – die Ducato Basis mit ihren billigen Kunststoffmaterialien. Zusätzliche Schalter sehen aus, als hätte sie ein Hobby-Bastler nachträglich eingebaut. Das gilt übrigens auch für das Hubbett-Bedien-Element, das aus der Zeit gefallen scheint. Hier ist noch viel Luft nach oben.

Bürstner Ixeo i 744

Wie fährt sich der Ixeo i 744

Dank der optionalen Getriebe-Automatik, entfällt das lästige und auf die Dauer anstrengende Kuppeln. Nicht zuletzt beim Durchfahren der unzähligen Kreisverkehre mit Abbremsen und Beschleunigen ist das eine hilfreiche Erleichterung. Auch wenn dieses automatisierte Schaltgetriebe ehe an ein Nutzfahrzeugerinnert, sollte man sich diesen Luxus gönnen. Gerade in Frankreich sollte man seine Aufmerksamkeit auf das vorgeschriebene Tempolimit richten, denn Geschwindigkeitsübertretung gehen richtig ins Geld.

Bürstner Ixeo i 744

Der italienische Diesel-Motor bewegt den Ixeo ausreichend dynamisch und stets gut vernehmbar vorwärts. Die Geräuschbelastung bei geschlossenen Fenstern ist kaum geringer, als offen. Das spricht nicht für eine gute Isolierung. Bei zurückhaltendem Gasfuß kann man den Ixe i 744 mit einem Verbrauch von 11 Litern je 100 Kilometer bewegen.

Was uns noch aufgefallen ist

Die Bodenfreiheit dieses vollintegrierten Wohnmobils ist gering, und damit die Gefahr aufzusetzen größer. Für Gelegenheitscamper ist im Bürstner Ixeo i 744 kaum etwas selbsterklärend. So blieb während der 14 Tage die Bedienungsanleitung unser ständiger Begleiter.

Fazit

Nahezu 100.000 Euro muss für den Bürstner Ixeo i 744 auf den Tisch legen. Ein stolzer Preis. Dafür erwartet man hochwertigere Materialen und exaktere Verarbeitung. Die Lounge im Heck ist einzigartig in der Branche, doch sollte die Entscheidung für Kuscheln und dafür weniger Stauraum reiflich überlegt sein. Ein Luxusproblem halt.

Unser Tipp: Vor dem Kauf erst 2 Wochen mieten und dann über einen Kauf entscheiden. Das gilt übrigens für jedes Modell bei jedem Hersteller.

Fotos: Der-Autotester.de/Bürstner