WLTP – Die Mutter vieler Probleme
Die Zulassungszahlen August zeigen sehr deutlich, was die Verwerfungen des Stichtages 1. September für die Branche bedeuten. Zwar sieht die bisherige Jahresbilanz über alles gesehen nüchtern betrachtet fast unauffällig aus und das Wachstum gegenüber Vorjahr kumuliert mit etwas über 6% nicht ungewöhnlich, aber schon der Monat August mit einem Wachstum gegenüber Vorjahr von fast 25% fällt auf. Das ganze Ausmaß entdeckt man allerdings unter der Oberfläche in den Details.
Interessant zu betrachten sind in diesem Zusammenhang die Zulassungen des Augusts als letzten Monat, in dem noch produzierte aber nicht nach WLTP getypte PKW zugelassen werden konnten. Insbesondere die Zulassungskanäle, die von Herstellern und Importeuren durch Maßnahmen aktiv gesteuert werden können, wie Handels-, Hersteller- und Vermietzulassungen zeigen hierbei massive Auffälligkeiten. Monatsweise Peaks können zwar im Vergleich zum Vorjahresmonat immer wieder auftreten, wenn beispielsweise Volumenmodelle in neuer Generation auf den Markt kommen oder komplett neue Baureihen gelauncht werden und damit entsprechend erstmalig Vorführ- und Vermietfahrzeuge in signifikanter Menge in die Statistik kommen. Aber beim Blick in die Details wird deutlich, dass dies im August 2018 nur etwa 1/6 der Zuwachsmenge ausmacht und auch im Vorjahr vergleichbare Neuvolumen vorhanden waren.
Lagen also diese taktischen Zulassungskanäle im Juli kumuliert für 2018 noch mit -1,4% leicht unter Vorjahresniveau, sind es plötzlich im August kumuliert 3,6% über Vorjahr. Die Differenz von 5 % erscheint zunächst überschaubar, in absoluten Zahlen bedeutet dies aber, dass über 46.000 Fahrzeuge zusätzlich in diesen Kanälen auf den Markt kamen, als wenn der August gelaufen wäre wie 2017

„Mit Blick auf den Gebrauchtwagenmarkt ergeben sich durch diese Ergebnisse verschiedene Implikationen. Zunächst darf man dieses Zulassungswachstum nicht als ‚Nachfrage‘ oder ‚Erfolg‘ fehlinterpretieren.“ erläutert Andreas Geilenbrügge, Head of Valuations & Insights bei Schwacke. „Ein Großteil dieser Fahrzeuge muss über den Handel nun vermarktet werden und in der Regel hat es dazu eine finanzielle Unterstützung des Herstellers oder Importeurs gegeben und das Ziel wird sein, vor Jahresende diese Zusatzvolumina vom Hof zu bekommen. Da es sich dann um verhältnismäßig günstige sehr junge Gebrauchte handelt, werden diese nicht nur als Gruppe unter Preisdruck geraten, sondern auch als preislich attraktive Alternative jeweils ältere Gebrauchte wie die klassischen Jahreswagen, Leasing- und Vermietrückläufer belasten.“
„Wir erwarten deshalb für den Rest des Jahres nach der Stabilisierung der vergangenen Monate einen zusätzlichen Druck sowohl auf die durch das Frankfurt-Urteil wieder medial in den Fokus geratenen Dieselfahrzeuge als auch einen verlangsamenden, womöglich sogar negativen Effekt auf Benziner mit modellbezogen teils noch stärkeren Effekten.“ befürchtet Geilenbrügge. „Die Standzeiten werden in Summe im Durchschnitt vermutlich zunächst sinken bei deutlichem Volumenzuwachs, da zahlreiche junge Fahrzeuge auftauchen werden, die je nach Alterssegment die Werte zunächst mathematisch nach unten ziehen. Preise werden voraussichtlich sukzessive nachgeben und die Standzeiten in Richtung Ende des Jahres wieder ansteigen. Wie hoch der Anteil der ins Ausland verkauften Fahrzeuge sein wird und was aus den nicht zugelassenen, zwischengeparkten Fahrzeugen wird, bleibt abzuwarten.“
Schwacke Geschäftsführer Thorsten Barg ergänzt, „WLTP ist aus unserer Sicht also nicht ausschließlich ein Neuwagen- oder Datenthema sondern sorgt in vielen Bereichen für einige Turbulenzen, so auch im Gebrauchtwagengeschäft.“ Quelle: Schwacke
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