Der neue Mazda MX-5: Vernunft ist schließlich nicht alles im Leben
Dieser Blick. Mit seinen scharf gezeichneten Augen nimmt er mich ins Visier. Verdreht mir den Kopf? Mein Gott, Nele. Das ist doch nur ein Auto. Und diese Augen sind lediglich LED-Scheinwerfer. Kein Grund den japanischen Roadster wie ein verliebter Teenager anzuhimmeln. Perfekt proportioniert steht der Sportwagen mit seiner tiefen Nase, der flacher Motorhaube und den exakt gezeichneten Linien vor mir. Seine schlanke, aerodynamische Silhouette umgarnt mich: „Steig endlich ein“.
Mazda scheint es wieder geschafft zu haben. Auch in der vierten Generation weckt der Mazda MX-5 gekonnt die Emotionen. Sein Anblick lässt Herzen schneller schlagen. Diese wertvolle Kunst beherrscht nicht jeder. Vernunft allein gibt schließlich selten den Ausschlag, welches Auto wir kaufen. Emotionen lassen uns zuschlagen. Weltweit wurden seit seiner Markteinführung vor 25 Jahren – ja solange ist das schon her – rund eine Million Exemplare des offenen Flitzers verkauft. Davon allein 116.000 in Deutschland. Mehr als 80.000 davon sind heute noch zugelassen. Die Zahl spricht für sich. Schlecht kann die Qualität des Mazda MX-5 also nicht gewesen sein.
Testfahrten in Barcelona
Aber wie schlägt sich nun der Neue? Nele will es erfahren und macht sich mit dem jungen Kollegen auf zur Testfahrt ins Hinterland von Barcelona. Klar, dass mit diesem flotten Zweisitzer natürlich auch das Outfit passen muss. Auf den eng geschnittener Rock und die High Heels sollte frau jedoch verzichten, wenn man – pardon frau – nicht komplett unelegant Ein- und Aussteigen möchte.
Was soll’s. Mein männlicher Mitfahrer hat eh nur Augen für die heiße Roadster-Braut. Männer. Unter uns: Rein rational ist der MX-5 eher ein unpraktisches Mobil. Verreisen im MX-5? Mach es wie im Flugzeug und beschränk dich auf Handgepäck. Denn in das knuffige Gepäckräumchen (130 Liter) passen gerade mal zwei Trolleys.
Im eng geschnittenen Innenraum bleibt schon gar kein Platz für Gepäck. Selbst Ablageflächen sind Mangelware. Handschuhfach? Sucht frau vergebens! Zum Glück gibt´s nen Schminkspiegel. Sich der emotionalen Anziehungskraft des MX-5 zu entziehen fällt schwer. Rationale Gründe werden verdrängt. Bruno Müller hat sein Golfbag einfach auf den Beifahrersitz gepackt und ist so in Richtung Golfplatz unterwegs. Das Foto präsentiert der Mazda-Vizevorstand Europa auf der Fahrvorstellung. „Jinba Ittai“ nennt Mazda dieses Gefühl der Einheit von Fahrer und Fahrzeug, das der neue Mazda MX-5 auf die Spitze treiben soll. Die Insassen sitzen buchstäblich am Mittelpunkt des Fahrzeuges.
Durch den tieferen Schwerpunkt sitzen die Passagiere noch 2 Zentimeter näher an der Straße, als in den bisherigen Modellgenerationen. Fahrer und Beifahrer können sich im neuen MX-5 problemlos nahe kommen, denn sie sitzen nun noch dichter. Nähe zur Straße und zum Co-Piloten – beides soll das Fahrvergnügen steigern. Großgewachsenen (ab 1,87 Meter), wie mein Mitfahrer, bleiben grad mal zwei fingerbreit Platz bis zum Stoffverdeck.
Und wie fährt er sich nun?
Mein Mitfahrer zeigt plötzlich dieses seltsame Grinsen. Und die ganze Fahrt über wird er es nicht mehr verlieren. Sonnenbrille auf die Nase. Zwei vorgegebene Routen stehen zur Wahl. Wir wählen natürlich die längere. In 7,3 Sekunden ist unser MX-5 mit der Zwei-Liter-Maschine und seinen 160 PS auf 100. Die Haare im Wind. Von der Frisur wird nichts bleiben. Für den Antrieb des MX-5 stehen zwei Benzinmotoren zur Wahl. Die andere Variante ist 1,5-Liter-Vierzylinder-Ottomotor mit 96 kW (131 PS). Ein Automatikgetriebe gibt es leider nur für den asiatischen und den amerikanischen Markt. Frau bedauert das. Etwas mehr Sound würde sich mein Beifahrer wünschen. Hm, der MX-5 fällt schon genug auf, da braucht es nicht noch mehr Motorensound, denkt frau. Das Sechsgang-Schaltgetriebe des MX-5 wurde ursprünglich entwickelt, um das legendäre Schaltgefühl mit direkten und kurzen Schaltwegen erlebbar zu machen. Gelungen!
100 Kilo abgespeckt
Der neue MX-5 ist der leichteste seit der ersten Modellgeneration. Möglich wurde die Gewichtsreduzierung um rund 100 Kilogramm durch den deutlich höheren Anteil von hochfestem Stahl und Aluminium. Ohne Fahrer wiegt der Mazda kaum 1.000 Kilogramm und ist damit ein Leichtgewicht.
Abschiedsfoto
Am 11. und 12. September kommt die vierte Generation des offenen Japaners zu den Händlern. Die Preisliste für den Japan-Roadster beginnt bei 22.990 Euro. Wer rund 4.000 Euro mehr ausgeben kann, bekommt den Roadster mit dem 160 PS leistenden 2,0-Liter-Motor. Sein gemischter Norm-Verbrauch ist mit 6,9 Liter (6,0 Liter konsumiert der kleinere Motor) angegeben. Auf unseren Testfahrten lag der reale Verbrauch rund einen Liter höher. Den neuen Mazda MX-5 kann man in vier Ausstattungen (Prime-, Center-, Exclusive- und Sports-Line) bestellen. Neu an Bord der vierten MX-5-Generation sind Assistenzsysteme wie der Spurhalte- und Tot-Winkel-Überwacher. Und das Kommunikations-System des MX-5 kann Smartphones unkompliziert einbinden.
Fazit:
30.000 Exemplare, davon 10.000 in Europa, möchte Mazda in den nächsten 12 Monaten verkaufen. Bei dieser betörenden Form und dem niedrigen Einstiegspreis sollte das gelingen. Selbst für die Spitzenversionen bleibt der noch deutlich unter 30.000 Euro. Mehr Emotionen pro Euro bietet derzeit kaum ein Roadster. Ob man mit dem flotten Zweisitzer als Hauptfahrzeug auskommt? Muss jeder für sich selbst entscheiden. Vernunft ist ja nicht alles im Leben. Man lebt schließlich nur einmal. Dem unwiderstehlichen Blick und dem sportlich-offenen Fahrfeeling des MX-5 kann man – pardon frau – kaum widerstehen.
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Cornelia Weizenecker
Ich bin die Frau bei Der-Autotester.de. Autos sehe ich nicht durch die rosarote Brille. Von heißen Kisten bleibe ich (meist) unbeeindruckt. „Hauptsache es fährt“, lasse ich aber auch nicht durchgehen. Ganz im Gegenteil. Ein Auto muss für mich vor allem alltagstauglich, umweltschonend und bezahlbar sein. Nur bei Cabrios und Oldtimern kann ich schwach werden. Elektroautos bringen mich zum Strahlen.
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