VW Crafter

Wie sicher sind Kastenwagen-Wohnmobile?

In Deutschland boomt Camping schon seit vielen Jahren. Unter den verschiedenen Reisemobiltypen ist der Kastenwagen unangefochten derjenige, der in Deutschland derzeit am öftesten zugelassen wird, denn mit seiner praktischen Größe ist er besonders alltagstauglich. Doch wie sicher sind die zu einem Wohnmobil umgebauten Kastenwägen für die Passagiere bei einem Unfall? Der ADAC wollte es genau wissen und hat einen Crash-Test mit einem dieser Wohnmobile bei vorschriftsmäßiger Beladung durchgeführt. Das Ergebnis ist bedenklich.

Versuchsaufbau des Wohnmobil Crashtests

Was passiert, wenn ein Kastenwagen, der zu einem Wohnmobil umgebaut ist, frontal mit einem entgegenkommenden Kombi zusammenstößt? Der ADAC inszenierte ein riskantes Überholmanöver und ließ den 3,5 Tonnen schweren Kastenwagen gegen einen 1700 kg schweren Kombi antreten. Für den Versuch wurde von den Testern ein umgebauter Fiat Ducato gewählt. Der Mittelklasse-Kombi ist ein Citroen C5. Das Wohnmobil wurde praxisnah und den Vorschriften gemäß beladen. Im Wohnmobil nehmen vier mit Sensoren ausgestattete Dummys Platz – der Fahrer, ein Beifahrer und auf der hinteren Sitzbank ein Erwachsener mit Kleinkind im Kindersitz. Dann geht es los.

Die Folgen des Aufpralles

Nach einem lauten Knall schiebt das Wohnmobil den Kombi mit und schwankt stark. Doch das Wohnmobil bleibt stehen und fällt nicht zur Seite. Schnell ist klar: Bei einer Aufprall-Geschwindigkeit von 56 km/h, waren die Knautschzonen beider Fahrzeuge überfordert. Der Kombi ist stark beschädigt, die Front komplett deformiert. Die Türe auf der Fahrerseite lässt sich nicht mehr öffnen. Sie ist so stark verformt, dass sie sich im Ernstfall nur noch von der Feuerwehr öffnen lassen würde, was die Bergung von verletzten Insassen erheblich erschwert. Dass der Kombi dem voll beladenen und schweren Kastenwagen nicht gewachsen ist, war voraus zu sehen. Doch auch die Front des Wohnmobiles ist stark beschädigt. Seine Fahrgastzelle hat den Aufprall ebenfalls nicht unbeschadet überstanden.

Hohes Sicherheitsrisiko für Insassen

Die Lenksäule wurde in den Innenraum geschoben, wodurch ein erhebliches Verletzungsrisiko für die Insassen besteht. Wie bei Kombi ist auch beim Wohnmobil die Fahrertüre stark verklemmt. Die Beifahrertüre lässt sich nur mit enormer Krafteinwirkung öffnen, die Schiebetür im hinteren Bereich des Wohnmobils ist komplett verklemmt. Nur die Hecktüren lassen sich problemlos aufmachen. Würde der Kastenwagen beim Unfall zur Seite kippen, wäre das Verletzungsrisiko der Insassen durch herumfliegende Gegenstände noch höher gewesen und die Bergung der Insassen für die Rettungskräfte erheblich schwieriger.

Rettungsleitfaden für schnelle Bergung

Verschiebungen und Verklemmungen der Karosserie stellen im Ernstfall eine enorme Herausforderung für Rettungskräfte da. Da Einsatzkräfte nicht die genauen Konstruktionsdetails kennen, wissen sie oft nicht, an welcher Stelle sich das Fahrzeug auf dem schnellsten Weg durch schweres Gerät öffnen lässt. Firmen wie MAN führen zu diesem Zweck Schneidversuche an Bussen durch, um anschließend praktische Informationen zu sammeln und einen Rettungsleitfaden zu erstellen. Dieser kann die Rettungsmaßnahmen – sowohl für die Einsatzkräfte als auch die verletzten Insassen – erheblich beschleunigen.

Auswertung der Dummys

Die Auswertung der Daten der Dummys zeigte, dass im Ernstfall bei einem Frontalzusammenstoß bei beiden Fahrern schwere Verletzungen des Kopf- und Brustbereiches sowie der Beine zu erwarten sind – möglicherweise kann es sogar zu lebensbedrohlichen Verletzungen kommen. Der Beifahrer des Wohnmobils hingegen ist einem geringeren Risiko ausgesetzt, da dieser Teil der Fahrgastzelle im Vergleich nur wenig beschädigt war. Ganz anders ist der Fall bei den Mitfahrern auf der hinteren Bank des Wohnmobils. Gerade dort wo oft Kinder Platz nehmen, ist das Verletzungsrisiko enorm. Hier verzeichnen die Test-Dummys schwere Verletzungen im Kopfbereich. Für Kleinkinder, die im Kindersitz angeschnallt sind, fällt dieses Risiko jedoch etwas geringer aus.

Verbauten im Innenraum teilweise unsicher

Im Innenraum des Wohnwagens zeigt sich, dass vor allem der Küchenblock instabil ist und sich komplett aus seiner Verankerung gerissen hat. Alle übrigen Einbauten wie die Betten, Schränke und das Bad haben den Aufprall relativ unbeschadet überstanden. Auch das Gas schaltet sich wie sicherheitstechnisch vorgesehen von selbst ab, wodurch das Risiko eines Brandes kleiner ist.

Das Fazit des Crashtestes

Nach dem Test ziehen die Ingenieure des ADAC Bilanz über den Wohnmobil Crash Test. Ihrer Meinung nach ist die Knautschzone des Basisfahrzeuges nicht ausreichend. Die Front sollte vielmehr so beschaffen sein, dass die Energie des Aufpralles abgebaut werden kann. Im Falle eines Unfalles würde dadurch die Fahrgastzelle zu einem sicheren Überlebensraum werden, der die Insassen schützt.

Doch auch die Aufbauhersteller von Kastenwägen können einiges zu einer erhöhten Sicherheit bei Unfällen beitragen. So sollte die Stabilität der Innenraumeinrichtung gewährleistet sein und diese im Idealfall mit dem Fahrzeugrahmen fest verbunden werden.