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Was Wohnmobil-Besitzer über den Abgasskandal wissen müssen

Wer sich ein Wohnmobil kauft, macht dies in der Regel nur einmal im Leben. Dementsprechend hoch ist der emotionale Wert, den Wohnmobil-Besitzer ihren fahrenden Behausungen oft zuschreiben. Doch was ist, wenn das eigene Wohnmobil eigentlich nie in Deutschland hätte zugelassen werden dürfen? Mittlerweile ist nämlich klar: Auch Wohnmobile sind vom Abgasskandal betroffen.

Beliebte Wohnmobil-Fahrgestelle wurden illegal manipuliert

Wohnmobile, die auf Basis der Volkswagen-Modelle Crafter, T5 und T6 sowie der Mercedes-Benz-Nutzfahrzeuge V-Klasse, Vito, Viano und Sprinter gebaut wurden, wurden teilweise schon wegen des Abgasskandals zurückgerufen. Doch das tatsächliche Ausmaß des Wohnmobil-Abgasskandals scheint noch deutlich größer zu sein. 

Der Fiat Ducato steht nämlich unter erhärtetem Manipulationsverdacht. Das ist insofern brisant, da der Kastenwagen das mit Abstand beliebteste Fahrgestell von nahezu sämtlichen Wohnmobil-Herstellern ist. Insgesamt setzen mehr als 50 renommierte Wohnmobil-Hersteller auf den Fiat Ducato. Dazu zählen unter anderem Hymer, Westfalia und Dethleffs.

Laut Staatsanwaltschaft Frankfurt stehen sämtliche Ducato-Modelle aus den Baujahren 2014 bis 2019 unter Manipulationsverdacht. Demnach sollen alle Euro 5- und Euro 6-Varianten des Ducato vom Abgasskandal betroffen sein. Lediglich Fahrzeuge mit Euro 6d- und Euro 6d-TEMP-Motoren sollen nicht gegen die EU-Umweltregularien verstoßen.

Staatsanwaltschaft Frankfurt durchsuchte Fiat-Geschäftsräume

Bereits im vergangenen Jahr durchsuchte die Staatsanwaltschaft Frankfurt mehrere Geschäftsräume von Fiat und Iveco, um Beweise im Zusammenhang mit dem Verdacht der Fahrzeug-Manipulation zu sammeln. Wenig später verkündeten die Ermittler, dass allein in Deutschland wohl mehr als 200.000 Automobile aus dem Fiat Chrysler-Konzern (seit 2021 Stellantis) vom Abgasskandal betroffen sind – vor allem Wohnmobile.

Abgastests der Deutschen Umwelthilfe (DUH) bestätigten diesen Tatverdacht. Demnach schaltet die Abgasreinigung der betroffenen Wohnmobile nach 22 Minuten komplett ab. Das führt dazu, dass die manipulierten Fahrzeuge ein Vielfaches der zulässigen Schadstoffmengen emittieren. Zugelassen wurden die Autos trotz der zeitabhängigen Abschalteinrichtung. Das liegt daran, dass die Abgastests während des Zulassungsprozesses nur bis zu 20 Minuten andauerten.

Kraftfahrt-Bundesamt kündigt weitere Schritte an – Rückrufe drohen

Das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) kündigte bereits an, weitere Schritte gegen Fiat zu prüfen. Gegenüber der Deutschen Umwelthilfe gab die Flensburger Behörde an, ebenfalls hohe Stickoxidemissionen bei Wohnmobilen festgestellt zu haben. Die zuständige Typengenehmigungsbehörde aus Italien sowie die Europäische Union habe das KBA darüber bereits in Kenntnis gesetzt. 

Insofern müssen sich betroffene Wohnmobil-Besitzer auf zeitnahe Rückrufaktionen einstellen. Fiat muss dann dafür sorgen, dass die Abgasreinigung der manipulierten Fahrzeuge normalisierte wird. Die bisherige Erfahrung aus dem Abgasskandal zeigt, dass die verantwortlichen Hersteller hierfür gern auf Software-Updates setzen. Diese sollen die Manipulationssoftware überschreiben und den Schadstoffausstoß auf ein erlaubtes Niveau senken.

Die negativen Konsequenzen des Abgasskandals

Viele Experten sehen in der Installation von Software-Updates allerdings nicht die komplette Beseitigung eines Mangels, sondern vielmehr die Verschiebung des Problems. Die manipulierten Automobile sind nämlich nicht für eine derart starke Filterung der Schadstoffe konzipiert worden. Daher beschwerten sich zahlreiche PKW-Besitzer nach der Durchführung eines solchen Updates über Fahrzeugschäden, die vor allem mit dem Motor zu tun haben.

Oft gehen diese Probleme mit hohen Reparaturkosten einher, für die die verantwortlichen Hersteller nur selten haften. Ein Nachweis für den direkten Zusammenhang zwischen Software-Update und Fahrzeugschaden lässt sich oftmals nämlich nur schwer erbringen. Häufig treten Fahrzeugprobleme erst Wochen oder Monate nach der Installation des Updates auf.

Darüber hinaus hat der PKW-Abgasskandal weitere negative Konsequenzen offenbart, die mit den Fahrzeug-Manipulationen verbunden sind. So gibt es mittlerweile unter anderem Diesel-Fahrverbote in deinigen deutschen Innenstätten. Außerdem haben viele Abgasskandal-Autos enorme Wertverluste erlitten. Im schlimmsten Fall droht den Fahrzeugen sogar die Stilllegung. Insofern ist unabhängig von dem eigenen Umweltbewusstsein extrem wichtig, dass das eigene Auto die geltenden Umweltrichtlinien erfüllt.

Das rät ein spezialisierter Rechtsanwalt betroffenen Wohnmobil-Haltern

Der Rechtsanwalt Claus Goldenstein hat sich mit seiner Kanzlei Goldenstein Rechtsanwälte auf die Durchsetzung von Verbraucherrechten im Abgasskandal spezialisiert. Die Kanzlei vertritt mittlerweile fast 30.000 Mandanten in der Sache und ist unter anderem für das erste verbraucherfreundliche Abgasskandal-Grundsatzurteil am Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe verantwortlich. Auch im Rahmen des Wohnmobil-Abgasskandals unterstützt die Kanzlei tausende Kläger bei der Durchsetzung ihrer Rechte.

“Wer ein Wohnmobil besitzt, das auf Basis eines Fiat Ducato gebaut wurde, sollte sich schnellstmöglich über seine rechtlichen Möglichkeiten informieren”, rät Goldenstein betroffenen Fahrzeughaltern. Er ergänzt:

“Die Fahrzeughalter hätten ihre Wohnmobile sicherlich nicht zu den gleichen Konditionen erworben, wenn sie bereits zum Kaufzeitpunkt von dem Betrug gewusst hätten. Gleichzeitig müssen sie nun mit enormen Wertverlusten und im schlimmsten Fall sogar mit einer Stilllegung ihres Wohnmobils rechnen. Deshalb stehen ihnen Schadensersatzansprüche zu.

Es gibt jedoch bestimmte Fristen, die bei der Durchsetzung der eigenen Rechtsansprüche beachtet werden müssen. Insofern ist es wichtig, sich möglichst frühzeitig über die eigene juristische Situation zu informieren. Gern beraten wir von Goldenstein Rechtsanwälte Wohnmobil-Besitzer kostenfrei bezüglich ihrer möglichen Rechtsansprüche im Rahmen des Abgasskandals.”

Diese Rechte haben die Besitzer von manipulierten Wohnmobilen

Wer ein manipuliertes Fahrzeug besitzt, kann den verantwortlichen Hersteller juristisch dazu bringen, das Fahrzeug zurückzunehmen. Im Gegenzug erhalten die Kläger eine finanzielle Entschädigung, die sich an dem ursprünglichen Kaufpreis orientiert. Alternativ besteht zudem der Anspruch auf die Lieferung eines mangelfreien Neufahrzeugs, wenn die Gewährleistungsfrist noch nicht überschritten wurde.

Schadensersatzansprüche im Rahmen des Wohnmobil-Abgasskandals richten sich gegen den verantwortlichen Motorenhersteller bzw. Den jeweiligen Autohändler. Ob Wohnmobil-Hersteller wie Hymer, Carthago oder Dethleffs von den Manipulationen wussten, ist nämlich unklar. Bislang hat sich kein Wohnmobil-Hersteller öffentlich zu dem Thema geäußert. Insofern ist das eine von vielen offenen Fragen, die in den kommenden Monaten im Rahmen des Wohnmobil-Abgasskandals aufgeklärt werden muss.