Die Deutschen lieben ihre Autos. Daran hat sich auch durch die Coronakrise, in der die Bewegungsfreiheit monatelang arg eingeschränkt war, nichts geändert. Doch obwohl das Interesse am Autokauf weiterhin groß ist – in einer Umfrage sagten 14 Prozent der Befragten aus, Anschaffungspläne zu haben –, sieht es für die Branche selbst nicht gar so rosig aus.

Monatelange Schließungen im Automobilhandel, heruntergefahrene Produktion und Rezession in fast allen Ländern bedeuten einen enormen Einbruch an Einnahmen für Hersteller und Händler. Geändert hat sich auch der Geschmack der Kunden, was das nächste Fahrzeug anbelangt. Statt durch ein neues Aufflackern der Pandemie oder eine andere Krise plötzlich im Ausland festzusitzen, wird der bislang schon populäre Urlaub im eigenen Land noch beliebter. Um nicht im Hotel mit vielen anderen Gästen zusammenzuhocken, legen die Deutschen zudem mehr Wert auf Unabhängigkeit und Abstand. Das zeigt sich unter anderem an dem gestiegenen Interesse an Campern, die sich dem schneller als üblich verkaufen.

Ein Umdenken hat auch in Punkto Umweltfreundlichkeit eingesetzt. Die stark gesunkenen Luftbelastungen in Städten, die bereits nach wenigen Tagen mit allgemeinem Fahrverbot zu verzeichnen waren, hat die Nachfrage nach Elektroautos gestärkt. Kaum ein Hersteller verzichtet noch auf Modelle, die sanft schnurrend mit Stromantrieb über die Straßen flitzen. Dank einer immer größeren Reichweite sind die E-Autos längst nicht mehr nur für Pendler im Stadtverkehr attraktiv, und staatliche Zuschüsse im vierstelligen Bereich reduzieren den Anschaffungspreis. Zwar sind die umweltfreundlichen Fahrzeuge noch die Ausnahme unter den 47,7 Millionen in Deutschland zugelassenen PKW, aber die Zahl steigt kräftig.

Zu den mit Spannung erwarteten neuen Modellen gehört eine Elektroversion des Verkaufsschlagers Fiat 500. Der Fiat 500E „La Prima“ soll es mit einer einzigen Akkuladung auf stattliche 300 Kilometer bringen. Dank Schnellladefunktion sollen fünf Minuten an der Steckdose genügen, um den Fiat 500E für 50 Kilometer tauglich zu machen.

Audi e-tron

Audi will mit dem e-tron Quattro auch in den USA den Markt für umweltbewusste Oberklasselimousinen erobern. Das Innere soll sich am Audi A8 orientieren und dem bewährten Slogan „Vorsprung durch Technik“ Rechnung tragen.

Die amerikanischen Hersteller wollen den Europäern und Japanern eigene Elektro-Modelle entgegensetzen. GM setzt dabei auf den Cadillac Lyriq SUV. Der Geländewagen soll die gleichen Batterien besitzen wie der militärisch anmutende Hummer.

Um den Autokauf wieder anzukurbeln, obwohl die Coronakrise noch nicht überstanden ist, haben sich die Autohändler neue Verkaufswege einfallen lassen. Dank Internet können sich Kaufinteressenten vorab Videos anschauen, die das jeweilige Fahrzeug detailliert vorstellen. Obwohl die meisten Showräume wieder geöffnet sind und auf Wunsch auch vorab Termine vereinbart werden können, richtet sich die Branche mehr und mehr darauf ein, dass viele Kunden zögern, die Anfahrt in Kauf zu nehmen oder womöglich den Verkaufsraum mit zu vielen Menschen zu teilen. Stattdessen bringen sie den Wagen zwecks Probefahrt zum Kunden.

Um die arg gebeutelte Branche, die allein im März EU-weit einen Einbruch von 55 Prozent bei den Neuwagenverkäufen erlitten hat, zu stabilisieren, plant zum Beispiel Frankreich staatliche Unterstützung in Milliardenhöhe

In Deutschland ist die Industrie ist einer der Stützpfeiler der deutschen Wirtschaft. Mehr als 830.000 Jobs hängen davon  ab, dass deutsche Fahrzeuge weiterhin weltweit auf den Straßen unterwegs sind.