Wie wohl die meisten von euch war ich stolze 6 Wochen nicht beim Friseur. Aber sobald die Friseure wieder offen haben, wird es dort eine Sonderkonjunktur mit fettem Umsatz geben. Ein Top-Seller ist heute schon der Mitsubishi Outlander mit Plug-in-Hybrid-Antrieb. Der teil-elektrische Outlander ist das meistverkaufte PHEV SUV Europas. Wir haben das japanische SUV über zwei Wochen hinweg im Alltag gefahren. Auch wenn es keine Liebe auf den ersten Blick gewesen ist, habe ich mich bald schon in den Japaner verliebt.

Nicht unbedingt wegen seiner Optik, auch wenn man uns Männern gern nachsagt, dass wir primärreiz-orientiert seien. Also bin ich ein Beweis dafür, dass wir männlichen Wesen auch innere Werte schätzen. Was mich so begeistert? Man bekommt beim Outlander ein großes Plug-in-SUV mit umfangreicher Ausstattung für unter 40.000 Euro. Das ist wirklich günstig. Und mit dieser Auffassung scheine ich nicht allein zu sein, denn weltweit haben sich schon 200.000 Kunden für den Plug-in-Outlander entschieden.

(2020) Mitsubishi Outlander Plug-in Hybrid, Jan Weizenecker
(2020) Mitsubishi Outlander Plug-in Hybrid

Mit klassischem Antrieb ist der Outlander schon seit 2003 unterwegs. Seit 2012 fährt er in dritter Generation vor. 2014 – und damit sehr früh – kam dann der Plug-in-Antrieb. 2015 folgte ein Facelift, 2019 ein weiteres. Die Entwicklung der Outlander-Verkäufe mit Plug-in ist bemerkenswert. War 2018 noch jeder fünfte verkaufte Outlander ein PHEV, ist 2019 schon jeder zweite ein halber Stromer gewesen. Doch warum eigentlich? Da hat wieder mal der Staat seine Finger im Spiel. Entscheidet sich ein Käufer aktuell für ein Plug-in Modell unter 40.000 Netto-Listenpreis (also ohne Mehrwertsteuer), bekommt er 4.500 Euro erlassen. Zwischen 40.000 und 65.000 Euro netto sind es immerhin noch 3.750 Euro.

Getragen werden die Nachlässe je zur Hälfte vom Fiskus und vom Hersteller. Zudem sparen Dienstwagenfahrer einen Teil der Dienstwagensteuer. Statt einem Prozent (bei Verbrennern) zahlen sie aktuell lediglich 0,5 Prozent des Brutto-Listenpreises pro Monat für E-Autos und Plug-in-Hybride. Für die Hersteller ist der Verkauf von E-Autos bzw. Plug-in-Hybriden von großem Interesse, weil ihnen bei Überschreitung  bestimmten Flotten-CO2-Emissionen Strafzahlungen drohen.

Ab 2020 darf der EU Flottenausstoss im Schnitt nicht höher als 95 Gramm liegen. Plug-in Hybride wie der Outlander sind hier von Vorteil, weil der Stromanteil am Ausstoss / Verbrauch mit dem Wert null in diese Rechnung einfliesst. Was nicht realistisch ist, aber sei’s drum. So kommt man rechnerisch auf lediglich 48 Gramm CO2  je 100 Kilometer. 
Trotzdem sank im Jahr 2019 der Outlander-Marktanteil in seinem Segment. Warum? Die Konkurrenz zunimmt.

So gibt es den Ford Kuga inzwischen genauso als PHEV wie den Seat Tarraco, Audi Q5, BMW X3, Volvo XC60, Opel Grandland X, Peugeot 3008, oder Kia Niro. Modelle wie der Subaru Forester oder Toyota RAV4 wollen in Kürze nachziehen. Um hier mithalten zu können, spendierte Mitsubishi dem Outlander im Modelljahr 2019 ein Facelift mit modernisierter Optik, überarbeitetem Innenraum, mehr Leistung, etwas größerem Akku und damit mehr Reichweite. 

(2020) Mitsubishi Outlander Plug-in Hybrid

Den Outlander gibt es in den Ausstattungsvarianten Basis, Plus und Top. Unser Testwagen in Sterling-Silber Metallic (680 Euro) wurde mit den Insignien der Top-Ausstattung versehen. Das Facelift erkennt man am Dynamik Shield, der Frontgrillblende in Wabenstruktur, an der Leucht-Grafik mit LED-Scheinwerfern, am neuen Stoßfänger, dem Unterfahrschutz und dem frisch gezeichneten Dachspoiler. Die Geländegängigkeit des Outlanders profitiert von einer Bodenfreiheit von nun 19 Zentimetern. 

(2020) Mitsubishi Outlander Plug-in Hybrid

Ganz herkömmlich besitzt dieser Mitsubishi einen 43 Liter Benzintank, der für eine Reichweite von etwa 450 Kilometer sorgt. Man kann den Akku-Satz des Plug-in-Outlander aber auch an 230 Volt Steckdose laden. Hier wäre der Akku-Satz nach 5,5 Stunden voll geladen. Über ein Mode-3-Ladekabel mit Typ 2 Stecker an einer Wallbox dauert der Ladevorgang (ein-phasig) 4 Stunden. Toll: Mit einem CHAdeMO-Anschluss für eine DC-Ladung kann man das SUV in rund 25 min zu 80 Prozent „tanken“.  Ein Problem: Bei der neuesten Generation von Schnellladesäulen (bspw. Inoity) gibt es nur noch den CCS Standard. Trotzdem kann man bei Ikea, Aldi oder Kaufland relativ schnell laden. 

Mit 463 – 1.602 Litern lässt sich der Kofferraum des Outlanders beladen. Die Rückbank kann komplett flach und stufenlos umgeklappt werden. Im Vergleich mit den meisten Wettbewerbern ist das ein Spitzenwert. Genau wie die verbaute Steckdose, die 1.500 Watt Leistung bereitstellen kann. Hier lassen sich selbst Kettensägen, Rasenmäher, oder Schlagbohrer anschließen. Daneben lässt dieser Outlander bis zu 1.500 kg schwere Anhänger zu. 

Die komplette Antriebseinheit im Plug-in-Hybriden stellt 223 PS an Leistung bereit und kann bis zu 332 Newtonmeter Drehmoment auf die Straße bringen. Dieses Potenzial setzt sich zusammen aus einem 2.4 Liter Benzin-Motor mit 135 PS (211 Nm) und der Leistung der beiden Elektro-Motoren. An der Vorderachse sitzt zusätzlich zum Verbrenner ein 60 kW/82 PS leistender E-Motor, der zum gesamten Drehmoment 137 Newtonmeter beiträgt. Auf der Hinterachse agiert ein zweiter E-Motor mit 70 kW/95 PS Leistung und 195 Newtonmeter Drehmoment. Dazwischen liegt der Akku-Satz, der von 12 auf 13,8 kWh gewachsen ist und nun damit eine elektrische Reichweite von 57 Kilometern erreichen soll (nach WLTP). 

(2020) Mitsubishi Outlander Plug-in Hybrid

Bei einem Gesamtgewicht von 2.015 Kilo sorgt diese Antriebskombination für einen Beschleunigungswert von 10,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Als Höchstgeschwindigkeit werden 170 Stundenkilometer ausgewiesen. Bis zu einer maximalen Geschwindigkeit von 135 Stundenkilometern kann der PEHV-Outlander rein elektrisch fahren.

Nach dem WLTP-Zyklus verbraucht er 2 Liter und 16,9 kWh. Im Alltag sind wir – je nach Dynamik der Fahrweise – zwischen 20 und 53 Kilometer weit rein elektrisch gekommen und haben 5,4 Liter Super und 10,2 kWh auf 100 km verbraucht. Bei leerem Akku – also mit reinen Verbrenner-Antrieb waren es um die 8 Liter. 

(2020) Mitsubishi Outlander Plug-in Hybrid


Tech-Nerds werden von folgenden Funktionen abgeholt: 

  • EV-Priority-Funktion

Für rein elektrisches Fahren bis 135 km/h bei geladenem Akku ohne Kick-Down

  • Save-Funktion

Hier lässt sich Akku sparen für spätere Zeitpunkte

  • Charge-Funktion

Mit ihr lässt sich der Akku über den Verbrenner in 40 min bis 80 Prozent laden

  • Eco- / Sport-Modus

Die zwei Schaltwippen am Lenkrad ermöglichen die Rekuperation in sechs Stufen, beginnend von “B0” keine Rekuperation bis „B5“ einzustellen. Schaltet sich der Benziner in Fahrt zu, bedeutet das nicht, dass er automatisch die Vorderräder antreibt. Das passiert nur bei Geschwindigkeiten über 64 km/h und/oder bei starker Beschleunigung. Beide Elektromotoren unterstützen die Fahrt natürlich weiterhin, der Outlander PHEV ist also stets mit Allrad-Antrieb unterwegs. Bei „normaler“ Fahrweise (unter Teillast) arbeitet die Antriebseinheit nach dem effizienteren Atkinson-Zyklus und erzeugt über einen Generator Strom, der die Räder elektrisch antreibt.

(2020) Mitsubishi Outlander Plug-in Hybrid

Der Innenraum des Outlanders sieht nicht hochmodern aus. Das 4,2-Zoll-Farbdisplay im Kombi-Instrument wird umrahmt von zwei analogen Anzeigen für Drehzahlen und Geschwindigkeit. Das Mitsubishi-8 Zoll-Multi-Communication System (MMCS) Infotainment ist zwar nicht der technisch letzte Schrei, weiss aber mit sinnvollen Funktionen zu überzeugen. Das 2019-Facelift brilliert im Innenraum im Vergleich zum Vorgänger mit Sitzen mit Rauten-Steppung, Lasergravur an den Dekor-Leisten, Klavierlack-Oberflächen und einer überarbeiteter Konnektivität. Der Bass des Mitsubishi Power Sound-System mit 8 Lautsprecher und 510 W bereitete uns viel Spaß: Bass. Bass, wir brauchen Bass. 

(2020) Mitsubishi Outlander Plug-in Hybrid
https://www.instagram.com/jan_weizenecker/

Fazit:

Kommen wir also zum Fazit und der Erklärung meiner Liebe zum Outlander-PHEV. Das Hybrid SUV wirkt irgendwie modern, obwohl es etwas in die Jahre gekommen ist. Ich stehe auf seine Erfahrung. Die elektrische Reichweite macht sich vor allem im Stadtverkehr bezahlt, auch wenn das bei einem SUV irgendwie Paradox klingt. Muss Liebe eigentlich rational sein? Ja schon, denn: Liebe vergeht, Hektar besteht. Solche rationellen Argumente wären: Wer auf einen Chademo-Schnell-Lader zugreifen kann und das passende Fahrprofil mit kurzen Strecken täglich wiederholt, dabei oft große Dinge oder die Familie transportieren muss, der sollte hier genauer hin schauen. Wer im Wald eine Stromquelle für einen E-Rasenmäher oder eine E-Kettensäge braucht – den kann der „Mitsu“ glücklich machen. 

Aber passt am Ende auch sein Preis? Den Outlander mit reinem Verbrenner-Antrieb, 150 PS Leistung und 5-Gang-Schaltung gibt es ab 24.790 Euro. Die elektrifizierte Steckdosen-Variante beginnt bei 37.990 Euro und kostet in unserer höchsten Ausstattung „Top“ mindestens 50.990 Euro. Zur bereits erwähnten Förderung (Hersteller und Staat) legen die Japaner nochmal 5.750 Euro drauf (insgesamt 8.000 Euro), sodass ein Einstiegspreis von 29.990 Euro entstünde. Das ist weniger als ein gut ausgestatteter Golf kostet. Außerdem gibts die 5-Jahres-Garantie inklusive Herstellergarantie bis 100.000 km, die im Plug-in Hybrid Outlander um eine 8 Jahre Herstellergarantie auf die Fahrbatterie bis zu einer Gesamtfahrleistung von 160.000 Kilometern ergänzt wird.

Technische Daten:

(2020) Mitsubishi Outlander Plug-in Hybrid

  • Länge / Breite / Höhe: 4,69 / 1,80 / 1,7 Meter
  • Motor: 2,4 Liter Benziner
  • Hubraum: 2.360 ccm
  • max.Leistung: 99 kW/135 PS bei 4.500 U/min
  • max.Drehmoment: 211 Nm bei 4.500 U/min
  • E-Frontmotor: 60 kW/82 PS / Drehmoment: 137 Nm
  • E-Heckmotor: 70 kW/95 PS / Drehmoment: 195 Nm
  • Fahrbatterie: Lithium-Ionen 13,8 kWh
  • Sechs-Stufen-Automatik
  • 0-100 km/h: 10,5 Sekunden
  • Spitze elektrisch: 135 km/h
  • Spitze: 170 km/h
  • Reichweite elektrisch NEFZ: 54 km
  • Gesamtreichweite NEFZ: bis zu 800 km
  • Normverbrauch: 1,8 l/100 km, Strom: 13,8 kWh/100 km
  • CO2-Emission: 40 g/km
  • Preis (Basis): ab 37.990 Euro
  • Preis des Testwagens: ab 50.990 Euro

Wettbewerber/ Konkurrenten:

Hyundai IONIQ, VW Tiguan, Ford Kuga, PHEV: Seat Tarraco, Audi Q5, BMW X3, Volvo XC60, Opel Grandland X, Peugeot 3008, Kia Niro und Subaru Forester, Toyota RAV4.

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