Schläft der deutsche Volkswagen-Konzern? Es sind nämlich die Koreaner, die den ersten Kombi in der kompakten Golf-Klasse mit Plug-in-Hybridem Antrieb (PHEV) präsentieren. Klingt nach einem Unicorn für die Steckdose – (noch). Kia wird mit dem Ceed Sportswagon PHEV wohl nicht lange ohne Wettbewerber im Segment auf dem europäischen Markt verweilen.

Historie

In einem stetig enger werdenden Wettbewerbs-Umfeld scheinen auch noch so kleine Nischen lukrativ. Dabei überrascht es immer wieder, dass Hersteller letztere überhaupt noch finden. Daher scheint es überraschend, dass bislang kein Autobauer auf die Idee gekommen war, die Karosserie eines kompakten Kombis (Golf-Klasse) mit einem Plug-in-Hybrid-Antrieb zu verheiraten. Ein Grund dafür könnte sein, dass Kombis in diesem Segment nahezu ausschließlich innerhalb Europas beliebt sind.

Andererseits wächst in Deutschland die Anhängerschaft der Plug-in-Hybriden rasant. Was wohl maßgeblich an der Erhöhung des Umweltbonus für Plug-in-Hybride liegt. Den tragen Staat und Hersteller gemeinsam. Für den Plugin-Hybrid um 4.927,50 Euro (Bruttolistenpreis unter 40.000 Euro) inklusive Mehrwertsteuer reduzieren. Außerdem wird die Dienstwagensteuer (bemessen am Brutto-Listenpreis) von einem auf 0,5 Prozent gesenkt. Bei reinen Elektro-Modellen sind es seit Januar 2020 sogar nur 0,25 Prozent.

Die Hersteller brauchen E-Autos und auch Plug-in-Hybride, um drohende CO2 Strafzahlungen möglichst zu vermeiden oder zu reduzieren. Ab diesem Jahr gelten nämlich schärfere CO2-Grenzen in der EU. Jedes neu zugelassene Auto darf im Flottendurchschnitt nur noch 95 Gramm CO2 je gefahrenem Kilometer ausstoßen. Das entspricht einem durchschnittlichen Verbrauch von 3,6 Liter Diesel oder 4,1 Liter Benzin. In 2020 gibt es für die Autobauer noch eine Schonfrist. Aber Sprit-Fresser müssen nun sukzessive aus dem Portfolio verschwinden. Denn ab 2021 gibt es keine Gnade mehr. Kia hat das erkannt und setzt es konsequent um. So wird der Plug-in-Antrieb auch in den Crossover XCeed einziehen. Im Kia Niro Plugin-Hybrid und damit auch im Konzernbruder Hyundai Ioniq wird er bereits verbaut.

Wettbewerber in der Golf-Kombi-Klasse:

Hyundai i30 Kombi, VW Golf Variant, Skoda Octavia Kombi, Seat Leon ST, Audi A3 Sportback, Opel Astra Sports Tourer, Peugeot 308 SW, Renault Megane GranTour, Ford Focus Turnier, Toyota Corolla Touring Sports, Mazda3

Kia Ceed Sportswagon Plug-in Hybrid (2020)

Optik

Der Ceed ist 4.60 Meter lang. Früher hätte man gesagt: Das sprengt die üblichen Maße einer Kompakt-Klasse. Inzwischen wachsen die meisten Wettbewerber auf solch ein Gardemass. Die Lackierung unseres Testwagens in „Deluxe White“ kostet 790 Euro Euro Aufpreis. Aber wo liegen die optischen Unterschiede zu den Ceed-Verbrennern? Das ist zum einen die geschlossene Kühlermaske mit dem „eco plug-in“-Emblem und die Frontschürze im GT-Line Stil der Verbrenner. That’s it. Serienmäßig fährt der Koreaner mit 16 Zoll Reifen vor. Unser Testwagen hatte die optionalen 17 Zoll Schlappen aufgezogen. Apropos „ziehen“, der Kia kann und darf eine Anhängelast von 1.300 Kilogramm (gebremst) ziehen.

Kia Ceed Sportswagon Plug-in Hybrid (2020)

Das Kofferraumvolumen dieses Kompakt-Kombis ist mit 437 bis 1.506 Litern jeweils 188 Liter kleiner als das der Verbrenner. Ein ähnliches Problem kommt auch auf den XCeed PHEV zu. Denn der Akku-Satz mit einer Kapazität von 8,9 kWh und einem Gewicht von 117 Kilogramm findet sich im Unterboden des Gepäckabteils. Sie lässt sich via Anschluss (im rechten vorderen Kotflügel zuhause) an Steckdosen über einen Schuko-Stecker (serienmäßig) in 5 Stunden voll laden. Mit einer Wallbox (800 Euro) kann der Akku mit bis zu 3,3 kW Druck in 2:45 Stunden voll beladen werden. Voraussetzung dafür ist ein 260 Euro teures Typ-2-Kabel. Vom Schnellladen ist der Ceed SW also weit entfernt, was trotz seiner rein elektrischen Reichweite von 58 Kilometern eine Lademöglichkeit am Arbeitsplatz oder zuhause unabdingbar macht.

Innen

Der Innenraum überzeugt nicht nur mit guter Qualität, sondern auch serienmäßig mit Klimaautomatik, Supervision“-Instrumenteneinheit mit 4,2-Zoll-Display. Hier gibt es spezielle Plug-in-Hybrid-Informationen zum Ladezustand der Batterie, zur aktuellen elektrischen Reichweite oder zum Energiefluss zwischen Akku, Benziner und E-Motor. Ab Werk sind Lenkrad und Sitze beheizbar, Einpark-Sensoren hinten und eine Rückfahr-Kamera, sind genauso wie Apple Carplay und Android Auto verbaut. Nice!

Kia Ceed Sportswagon (2020) - einziger Kombi mit Plug-in Antrieb

Praktisch: Die Ladezustandsanzeige sitzt oben auf Armaturenbrett. So kann man von außen ablesen, wie der Füllzustand des Akkus ist.

Serienmäßig gibt es ein 8,0-Zoll-Infotainment-System. Auf das optionale 10,25-Zoll-Navigations-System sollte man allerdings nicht verzichten. Denn es ist die Schnittstelle zu den neuen Online-Diensten von Kia Uvo Connect. Es zeigt die nächstgelegenen Ladestationen an, offenbart Informationen zum genutzten Antriebsstrang, zum Energiefluss zwischen Akku, Benziner und E-Motor, zum Ladezustand der Batterie, zur Reichweite, zum Energieverbrauch oder lässt über die Touchscreens das Laden der Batterie programmieren.

Kia Ceed Sportswagon Plug-in Hybrid (2020)

Motor:

Der Kia Ceed Sportwagon wiegt mit dem Parallel-Hybrid-System nach Herstellerangaben 1.533 Kilogramm. Wobei alleine der Akku mit 117 Kilo zu Buche schlägt. Trotzdem ist das ein vergleichsweise leichtes System. In ihm stellt ein 1.6 Liter-Vier-Zylinder-Saugbenziner 77 kW / 105 PS bereit. Der E-Motor trägt 45 kW / 60,5 PS bei. Die System-Leistung beider Antriebe (sie lässt sich nicht einfach addieren) wird mit 104 kW / 141 PS angegeben. Via Frontantrieb und 6-Gang DSG wird der Vortrieb auf die Straße gebracht. So beschleunigt dieser PHEV in 10,8 Sekunden aus dem Stand auf Tempo. 120 Stundenkilometer schnell wird der Ceed Sportwagen PEHV rein elektrisch befeuert. 195 Stundenkilometer werden kombiniert erreicht. Der von uns gemessene Test-Verbrauch lag bei gefülltem Akku bei 3,2 Litern. Die rein elektrische Reichweite beträgt nach 58 Kilometer (nach WLTP). Auf unseren Testfahrten haben wir bis zu 53 Kilometer geschafft.

Fahren:

Der Kia Ceed fährt ausgesprochen laufruhig. Nur manchmal schaltet sich der Verbrenner etwas harsch zu. Auf den Sport-Modus könnte man nach unserem Empfinden verzichten. Denn seine Differenzierung ist nicht allzu stark. Der Extra-Boost des E-Motors unterstützt im Stadtverkehr das Überholen. Der Kia Ceed PHEV liebt die ruhige Gangart, denn er ist wahrlich nicht übermotorisiert. Das Fahrwerks erscheint eher straff abgestimmt, was uns lediglich bei größeren Querfugen und empfindlichen Rücken aufgefallen ist. Ansonsten zeigt sich die Straßenlage und die Querdynamik in Kurven genauso herausragend wie die direkte Lenkung. Etwas nervig aber unumgänglich ist der Warnton zum Schutz der Fußgänger bei niedrigen Geschwindigkeiten sowie beim Rückwärtsfahren.

Kia Ceed Sportswagon Plug-in Hybrid (2020), Jan Weizenecker

Fazit:

Noch ist der Kia Ceed SW mit seinem PHEV-Antrieb ein echtes Unicorn (also eine Seltenheit). Wir meinen aber, das wird sich in Kürze ändern. Auf den Testfahrten hat uns der ausgewogene Familien-Kombi überzeugt. Für Fahrer mit Hang zum Sportlichen und für Langstrecken-Fahrer würden wir aber eher den 136 PS Diesel empfehlen. Durch die aktuellen Kaufprämien wird der Plug-in für viele Autofahrer interessant. Gewerbekunden und Dienstwagenfahrer werden die 0,5-Prozent-Besteuerung als großen finanziellen Vorteil empfinden. Der Preis für die Plug-in „Vision“ beginnt bei 34.990 Euro. Sie kommt hier inklusive 7-Gang-DSG, LED-Scheinwerfer und Zwei-Zonen-Klimaautomatik. Zum Vergleich: Der 1.4 T-GDI Benziner mit seinen 140 PS startet bei 24.990 Euro. Das ist ein Aufpreis für den Plugin-Hybrid von 10.000 Euro. Der 1.6-Liter-CRDI-Diesel mit seinen 136 PS beginnt bei 26.790 Euro. Was im Einstieg ein Mehrpreis von 8.200 Euro bedeutet. Letzt genannte sind allerdings nicht förderfähig (weil reine Verbrenner) und sie haben keine LED Scheinwerfer.

Kia Ceed Sportswagon Plug-in Hybrid (2020) - ein Unicorn für die Steckdose, Jan Weizenecker

Vergleichen wir also die der um 1.200 Euro teurere Ausstattung „Spirit“. Sie kommt zusätzlich mit vielen Assistenzsystemen. Wobei das Navi mit 10,25-Zoll Display 990 Euro extra kostet. Von beiden Preisen kann man brutto 4.927,50 Euro (4.500 Euro netto) für die PHEV-Umweltprämie abziehen. Dieser Wert berechnet sich durch die 19 Prozent Mehrwertsteuer auf den Herstelleranteil von 2.250 Euro. Damit damit liegt der PHEV Ceed im Einstieg unter der 30.000-Euro. Und in „Spirit“ bei etwa 31.200 Euro. Zum Vergleich: Mit DSG-Getriebe und in der Ausstattung „Spirit“ kostet der 1.6 CRDi Diesel (136 PS) 30.940 Euro und der 1.4 T-GDI Benziner (140 PS) 28.390 Euro. Daran erkennt man, dass der PHEV nicht nur interessant für Flottenkunden und für Fahrer von Firmenwagen, sondern auch spannend für den privaten Nutzer ist. Denn die preisliche Differenz kann man selbst bei Fahrprofilen mit viel Kurzstrecke in einigen Jahren „rein fahren“. In jedem Fall gewährt Kia satte 7 Jahre Herstellergarantie.

Kia Ceed Sportswagon (2020) - einziger Kombi mit Plug-in Antrieb

Technische Daten:

(2020) Kia Ceed SW Plug-in Hybrid 1.6 GDI 6DCT „Spirit“

  • Karosserie: SW Plug-in-Hybrid
  • Motor: 1,6-Liter-Saugmotor und Elektromotor
  • Hubraum (cm3): 1.580 cm3
  • Leistung in PS (kW) bei U/min-1: 141 PS / 104 kW (Systemleistung)
  • Max. Drehmoment (Nm) bei Umin-1: 265 Nm ab 1.000 Umin-1 (Systemleistung)
  • Höchstgeschwindigkeit (km/h): 120 km/h elektrisch, 195 km/h
  • Beschleunigung 0-100 km/h (sek.): 10,8 sek.
  • Getriebe: 6-Stufen-Doppelkupplungsgetrie
  • Antrieb: Front
  • Treibstoffsorte: Super / Elektro
  • Tank (L): 37 l
  • Verbrauch EU-Drittelmix (l/100 km): 1,3 l/100 km
  • CO2-Ausstoß (g/km): 28 g/km
  • Gewicht, Herstellerangabe (kg): 1.533 kg
  • max. Zuladung (kg): 497 kg
  • Abmessungen (L/B/H): 4.605 x 1.800 x 1.465 mm max.
  • Ladevolumen (L): 437 bis 1.506 l
  • Preis (Euro): 34.990 Euro
  • Preis Testwagen: 40.000 Euro
  • Abgasnorm: Euro 6d-Temp Effizienzklasse: A+

  • Wettbewerbsumfeld:
  • Hyundai i30 Kombi, VW Golf Variant, Skoda Octavia Kombi, Seat Leon ST, Audi A3 Sportback, Opel Astra Sports Tourer, Peugeot 308 SW, Renault Megane GrandTour, Ford Focus Turnier, Toyota Corolla Turing Sports, Mazda3