Hyundai Kona Elektro (204 PS, 64 kWh) – Alltagstaugliches E-SUV? Test im Video

Wie weit kommt man im Hyundai Kona Elektro mit der 64 kWh Batterie und dem „großen“ Motor mit umgerechnet 204 PS tatsächlich? Was maximiert die Reichweite in einem Elektroauto? Und wer hilft eigentlich, wenn man liegen bleibt? Wir haben die Antwort auf diese teilweise unergründeten Alltagsfragen im Kontext mit der neuen Mobilität gesucht und die maximale Reichweite des Kona E auf der Straße unter realistischen Bedingungen bis zum bitteren Ende getestet. Außerdem lest ihr in diesem Fahrbericht, warum der Hyundai Kona für uns aktuell das spannendste Elektromodell auf dem deutschen Markt ist.

Hyundai Kona, Nina Weizenecker

Fans des Elektroantriebes sollten jetzt unbedingt weiter lesen. Soviel vorweg, wir sind auf kritische Kommentare von Tesla-Jüngern gefasst. 

Woher kommt der Strom?

Dass der koreanische Autobauer Hyundai ein Vorreiter alternativer Antriebe sein will, ist nicht erst seit dem Brennstoffzellen- oder Wasserstoff Modell bekannt. Doch bisher brachte jede Technologie noch so seine Nachteile mit sich. Die eine kämpft mit einem zu schmal ausgebauten Netz an Ladestationen, während die andere noch schlicht zu teuer scheint und wohl kaum auf Subventionen hoffen darf. Vielleicht ist das der Grund, weshalb sich die Elektronobilität in den Köpfen der Chefingenieure als gesellschaftlich akzeptierte Lösung eingehakt hat. Sie ist aktuell in aller Munde und politisch gewünscht. Und von der Industrie werden immer mehr Modelle auf den Markt geworfen. Würde man die Energie für das elektrische Fahren zu einem großen Teil aus Wind-, Sonne-, Wasserenergie gewinnen, kann das für bestimmte Anwendungen tatsächlich Sinn ergeben.

Hyundai Kona

Doch nur weil der Strom aus der Steckdose kommt, ist er leider nicht automatisch „grün“. Die alten, „schmutzigen“ Kohlekraftwerke können jedenfalls nicht die Lösung sein. Ressourcen, welche zur Herstellung des Akkus benötigt werden sind selten, und sie werden teilweise unter menschenunwürdigen Bedingungen gewonnen. Es gibt also viele Fragen zu klären. Interessiert es uns wirklich, wie human und wie umweltverträglich wir fahren? Welche sind entscheidende Kriterien von potentiellen Kunden von E-Autos? Zum einen der vergleichsweise hohe Preis von Elektroautos und zum anderen die relativ geringe Reichweite. 

Was wollen wir eigentlich?

Der neue Hyundai Kona will mit beiden Ressentiments aufräumen.

Hyundai Kona

Die 4.16 Meter lange Karosserie mit ihrer leicht erhöhten Sitzposition und dem guten Platzangebot (sub-kompakt-SUV) liegt voll im Trend. Das E-Modell ist auf Anhieb an seinem geschlossenen Grill zu erkennen, hinter welchem sich ganz unprätentiös auch die leuchtende Ladebuchse versteckt. Auch wenn es widersprüchlich erscheint, dass viele Menschen in der westlichen Welt immer ökologischer unterwegs sein wollen, das aber gleichzeitig mit immer größeren Fahrzeugen probieren, so ist das Faktum der irrationalen Präferenzen doch letztlich nicht weg zu diskutieren. Die Hersteller müssen sich dieser Herkulesaufgabe stellen. Die technologisch schier unbezwingbare Aufgabe ist es, die Reichweite der Fahrzeuge zu erhöhen.

Hyundai Kona

Doch mit den 482 Kilometern, die der Kona Elektro bietet, scheint diese Problematik beinahe Geschichte. Eine Reichweite die aktuell neben dem Opel Ampera-e, dem Tesla Model 3, dem Jaguar i-Pace und dem Audi e-tron vorenthalten scheint. Doch deren Kaufpreise sind weit weg von dem, was sich Otto-Normalverdiener leisten kann. 

Preis? 

Und dann kommt der Hyundai Kona Elekro auf den Markt und fasziniert mit seinem Einstiegspreis von 34.600 Euro für die 39.2 kWh-Batterie mit dem „kleinen“ 100 kW Motor. 39.000 Euro werden fällig für die 64 Kilowatt Batterie und den 150 kW-Motor. Ohne großes Aufhebens. Der elektrisch betriebene Individualverkehr scheint damit näher dran an der Langstreckentauglichkeit für Jedermann heran gekommen zu sein, als je zu vor. Der Audi e-tron schafft mit 500 Kilometern zwar eine ähnliche Reichweite, kostet aber 70.700 Euro und damit beinahe das Doppelte, als der Hyundai Kona E.

Hyundai Kona

Das Tesla Modell X mit einer Reichweite von bis zu 565 km (NEFZ) gibt es ab einem Basispreis von 91.000 Euro. Doch wo ist der Haken beim Hyundai? Wir testen die reale Reichweite des den Hyundai Kona E und fahren ihn bis zum bitteren Ende – bis er stehen bleibt. An dieser Stelle ein dickes Dankeschön an Hyundai für den Mut, diesen gewagten Test mitzumachen. Denn wenn der Akku eines E-Autos leer ist, bleibt er stehen. Dann kann man nicht einfach den Ersatzkanister aus dem Kofferraum holen und nachfüllen. Und eine Powerbank passt in der benötigten Größe nicht ins Auto. Ein Begleitfahrzeug mit Strom-Aggregat hilft auch nicht wirklich. Und je nach dem, wo das Malheur passiert, scheint auch das längste Verlängerungskabel immer noch zu kurz. Was bleibt ist der Abschleppwagen. Er ist der Offenbarungseid für E-Fahrzeuge. Zudem ein kostspieliges Vergnügen.

Hyundai Kona

Die Regeln der Rallye – von Frankfurt nach Paris

Wir positionieren uns also entschieden gegen Fake-News, vertrauen auch nicht dem WLTP und haben uns deshalb mit dem Hyundai den Kona E auf dem Weg von Frankfurt nach Paris gemacht und ihn damit auch an die Grenze seiner Reichweite gebracht. Unter den Fahrern der fünf teilnehmenden Autos brach schnell ein Wettbewerb aus. Jeder wollte mit seinem Kona E am weitesten kommen. Die Regeln der Rallye waren klar. Es mussten auf der Autobahn mindestens 80 Stundenkilometer gefahren werden, alle mussten sich sich an die Verkehrsregeln halten und für die 482 Kilometer lange Strecke durften nicht mehr als 7 Stunden gebraucht werden. Doch welche Strategie führte zum Erfolg? Den Tempomaten auf Strich 80 km/h einstellen? Oder lieber schneller Fahren und den Windschatten von mächtigen Brummis nutzen? Bringt das Rekuperieren, also die Rückgewinnung aus der Bremsenergie etwas, und wenn ja wieviel?

Hyundai Kona

Erst mal: Alles AUS!

Unsere Strategie war schnell klar. Wir nutzen den Eco-Modus. Und wir schalten alle Stromverbraucher aus. Klimaanlage? Nicht für uns. Sie wäre der größte Stromfresser. Lüftung? Heizung? Alles aus! Sitzheizung? Niemals. Radio? Auf keinen Fall. Wir nutzen nicht mal den Scheibenwischer. Stellen LED-Leuchten und das Infotainment Systems auf die dunkelste Stufe. Handyladen? Ebenfalls verboten. Mit diesem Setup wollte ich gewinnen. Erster werden. Am weitesten kommen. Das olympische Motto ist meine Sache nicht

Die Strategie

Im Verkehr galt es Ruhe zu bewahren, denn der Tempomat war ja auf 80 km/h festgetackert. Das ist auf wenig befahrenen französischen Autobahnen ermüdend bis einschläfernd. Vor allem wenn man bedenkt, dass der Kona E nur leise vor sich hin surrt. Wind und Abrollgeräuschen gelangen nur reduziert in den Innenraum. Dazu kommt das komfortable „One-Paddle Driving“. Spielt man mit dem Grad der Rekuperation am Lenkrad, so bremst der Kona unterschiedlich stark beim Lösen des „Gas“-Pedals. Das lässt den Fahrer nahezu ohne die Nutzung des Bremspedals auskommen.

Unsere größte Sorge war nicht zu erfrieren oder einzuschlafen. Wir wollten unnötige Bremsvorgänge vermeiden. Wollten vorausschauend fahren. Wir waren die Vorletzten im Feld und sicher nicht vor Einbruch der Dunkelheit am Ziel. Dunkelheit bedeutet: Licht einschalten. Und Licht bedeutet Stromverbrauch. Dann überholte uns auch noch der letzte Konkurrent mit etwa 95 km/h. Er hatte sich dich an die Stoßstange eines LKWs gehängt. Aber wer so schnell fährt, braucht zu viel Energie. Unsere Strategie schien aufzugehen. Ob es für den Sieg reicht? Die entscheidende Frage: Erreichen wir das Ziel in der vorgeschriebenen Maximal-Zeit? Falls nicht, sind wir komplett raus.

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Nach der Hälfte der Strecke eine kurze Pause. Manche hatten zu diesem Zeitpunkt schon frustriert aufgegeben. Zu verlockend war der immer wiederkehrende Tritt aufs „Gas“-Pedal. Denn mit seinen 395 Newtonmetern maximalem Drehmoment, einem Beschleunigungswert von 7,4 Sekunden von 0 auf 100 und einer maximalen Höchstgeschwindigkeit von 155 km/h macht der Kona E einfach Laune. Da vergisst man gern mal das Sparen. Trotzdem blieben Fragen offen. Welcher Grad der Rekuperation (er kann per Paddeln am Lenkrad eingestellt werden) ist der beste? Mit wie vielen Brems- und Anfahrmanövern kommt man durch die Städte? Wie stark macht sich die Bremsenergie-Rückgewinnung auf der Langstrecke bemerkbar? Bergab im Leerlauf rollen lassen? Wie stark macht sich die Nutzung der Heizung, des Radios oder der LED-Front-Leuchten bemerkbar? 

Sieg oder Niederlage?

Wir kommen schließlich als Letzte – aber noch innerhalb des Zeitlimits – am 482 Kilometer entfernten Ziel an. Eine Restreichweite von 21 Kilometern zeigt der Bordcomputer an. Wir sind also – bei etwa 16 Grad Außentemperatur – auf homogener aber hügeliger Strecke mit wenig Stadtverkehr insgesamt 503 Kilometer weit gekommen. Das müsste doch zum Sieg gereicht haben? Hat es nicht. Das Gewinnerteam kam minimale 4 Kilometer weiter als wir. Und es war 20 Minuten vor uns am Ziel. Sie hatten sogar das Fahrlicht benutzt und Radio gehört. Doch wie haben sie das gemacht? Ihre gewinnbringende Strategie war die Nutzung des Windschattens von LKWs – und das, obwohl der Kona E einen cW-Wert von 0,31 hat. Die Niederlage schmerzt. 

Hyundai Kona

Die Lehre?

Wir haben gelernt, wie entscheidend der Luftwiderstand für den Verbrauch und damit auch für die Reichweite sein kann. Unsere Folgerung aus der Niederlage? SUV fahren und gleichzeitig wenig Energie verbrauchen wollen: Ein paradoxer Zielkonflikt des perversen Zeitgeists. Übrigens: Die Teams, die schneller als 120 km/h gefahren sind, Heizung oder Sitzheizung genutzt haben, wären allesamt vor dem Ziel stehen geblieben. Manche weit davor.  Die Ladedauer an einer 50-kW-Schnelladestation beträgt 1:15 Stunden für die große und 54 Minuten für die kleine Batterie (auf 80 Prozent). Mit einer Stunde Pause (die auf dieser Strecke ohnehin gemacht werden sollte) käme man mit letzterer Konfiguration also 1.000 Kilometer weit. Elektromobilität scheint – mit gewissen Einschränkungen – endlich auch langstreckentauglich geworden zu sein. 

Hyundai Kona, Nina Weizenecker

Fazit: 

Der Hyundai Kona ist nach dem realitätsnahen WLTP Messverfahren mit einer Reichweite von 482 Kilometern angegeben. Dass das wirklich nahe am Erreichbaren liegt, zeigt unser Ergebnis, indem wir diesen Wert um 21 Kilometer übertreffen konnten. Gerüchten zufolge soll bei idealen Bedingungen – wie ebener Strecke und wärmeren Außentemperaturen – sogar eine Reichweite von bis zu 600 Kilometern möglich sein.

Hyundai Kona

Mit solchen Reichweiten können E-Autos auch als Hauptfortbewegungsmitel genutzt werden und aus dem Schatten des Zweitwagens heraus fahren. Doch was macht den Hyundai Kona E im Vergleich mit seinen Konkurrenten so einzigartig? Schlicht sein besseres Preis-Leistungsverhältnis. Der Kona überzeugt mit Qualität, solider Verarbeitung im Innenraum, moderner Technik und einem Design, das nicht nur stromlinienförmig den Luftwiderstand optimiert, sondern mit seinem schnörkellos schlichten Charakter dem europäischen Auge schmeichelt. Aber ist ein E-SUV nun sinnvoll ist oder nicht? Mit einer Länge von 4.18 Metern, einer Höhe von 1.570 und dem Kofferraumvolumen von 332 bis 1.114 Litern passt der E Kona genau in das Segment, das derzeit so boomt – nämlich das der kleinen sub-kompakten SUVs – nur eben mit dem Antrieb der Zukunft. Aber wer kann schon in die Zukunft schauen. 

Die Konkurrenz-Modelle: 

Und um meine These mit Fakten zu untermauern hier einige Konkurrenz-Modelle zur Einordnung mit Länge, Höhe, Kofferraum-Volumen, Preis, Reichweite, Leistung, Beschleunigung und Ladekapazität.

Hyundai Kona

Daten:

Hyundai Kona E: 4.180, 1.570 mm, 332 bis 1114 Litern, ab 39.000 Euro, 482 Kilometer, 150 kW/204 PS, 7,4 Sekunden, 50 kW in 1:15 Stunden 80 Prozent 

1. Kia Soul EV 

2. Opel Ampera E

3. Tesla Model X

4. Jaguar i-Pace

5. Audi E-Tron

6. BMW i3

7. Nissan Leaf

8. Renault Zoe

9. Tesla Model 3