Auch wenn das Auto für viele Deutsche nicht mehr den Status als „liebstes Kind“ hat, so bedeutet der Erwerb der Fahrerlaubnis doch für die allermeisten jungen Menschen weiterhin einen wichtigen Schritt Richtung Freiheit – und vielleicht auch die Schwelle zum Erwachsenendasein. Denn selbst wer den Führerschein mit 17 erworben hat, darf erst ab dem 18 Geburtstag allein auf die Straße – Ausnahmen bestätigen die Regel

Allerdings sollten Fahranfänger sich darüber im Klaren sein, dass für sie viele (meist ungeschriebene) Regeln gelten, die für buchstäblich „erfahrenere“ Menschen nicht mehr oder anders gelten. Die folgenden Tipps helfen deshalb auf den ersten paar tausend Kilometern immens – und jedem Fahranfänger gleichermaßen.

Tipp 1: Kein übertriebener Stolz bei der Anmeldung

Keine Frage, wenn zum Führerschein auch noch ein eigenes Auto hinzukommt, ist es für viele Neulinge eine Frage der Ehre, dass in den Papieren auch ihr Name als Halter steht. Allerdings ist das auch ein schlechter Tausch. 

Denn auf diese Weise läuft dann in der Regel auch die Versicherung über den Führerscheinneuling. Ein großes Problem, denn hier kommt die Schadenfreiheitsklasse als kostenbestimmender Faktor ins Spiel. Je weniger unfallfreie Jahre ein Versicherungsnehmer nachweisen kann, desto höher die Kosten ungeachtet aller anderen Faktoren. 

Zwar ist es möglich, die Schadenfreiheitsklasse zu übertragen, nur bringt das Neulingen nicht viel: es kann nur entsprechend der unfallfreien Jahre übertragen werden. Die günstigste Alternative ist es deshalb, das Auto komplett als Zweitwagen der Eltern laufen zu lassen. Zwar müssen Fahranfänger dann ebenfalls bei der Versicherung angegeben werden, was die Kosten etwas steigert, diese sind jedoch trotzdem bei weitem nicht so hoch, als würde alles über die Anfänger laufen.

Diese Tipps sollte jeder Fahranfänger beherzigen

Tipp 2: Nicht blindlings „irgendein“ Anfängerauto wählen

Die wenigsten Fahranfänger können sich rühmen, mit dem Erwerb des Führerscheins auch einen Neuwagen zu bekommen. Die weitaus typischeren beiden Vorgehensweisen sehen folgendermaßen aus:

  1. Es wird das Fahrzeug eines Bekannten oder Verwandten übernommen. Ganz klassisch das Auto des Opas, der seinem Enkelkind zum Geburtstag eine Freude machen möchte oder es ihm stark unter Wert verkauft.
  2. Es wird auf dem Gebrauchtwagenmarkt ein typisches Anfängerauto erworben. Merkmale sind meistens: kleine Baugröße und häufig ein gewisses Alter. Nicht einmal nur für geringe Kaufpreise, sondern weil auch heute noch viele Eltern und andere langjährige Autofahrer der Meinung sind, für Anfänger wäre ein Auto am besten, bei dem Kratzer und Beulen leichter zu verschmerzen seien.

Beides ist jedoch eine selten universell richtige Vorgehensweise. Bei alten Autos, insbesondere in Verbindung mit hohen Laufleistungen (allerdings auch ohne diese) schon deshalb, weil mit dem Alter die Ausfallhäufigkeit von Teilen signifikant ansteigt – auch bei der häufigsten Pannenursache, der Elektrik/Elektronik. Mit etwas Pech wird das gutgemeinte Geschenk oder der günstige Gebrauchte so auf lange Sicht zu einem sehr teuren Vergnügen.

Doch es ist noch etwas anderes, das Führerscheinneulinge ihr erstes Auto sehr sorgfältig wählen lassen sollte: die Typklasse. Jedes einzelne Automodell wird von der Gemeinschaft der Autoversicherer anhand seiner Unfallhäufigkeit eingestuft, diese Liste ist frei einsehbar. Je mehr Unfälle mit einem Modell gebaut werden, desto teurer ist es für die Versicherer und desto teurer sind auch die Versicherungskosten dafür – völlig ungeachtet des Status als Zweitwagen oder der Schadenfreiheitsklasse.

Es dürfte nicht überraschen, dass speziell jene bei Anfängern beliebten Kleinwagen darin oft ganz oben aufgeführt sind – eben, weil sie so beliebte Anfängerautos sind. Denn Anfänger führen die Unfallstatistiken seit Jahrzehnten an.

Um das zu vermeiden, sollte das erste Auto besser dicht entlang dieser Liste ausgesucht werden. Vor allem auf lange Sicht spart das viel Geld. Allerdings gibt es auch noch ein weiteres, gern falsch angeratenes Kriterium:

Hyundai i20 (2018)

Tipp 3: Augen auf bei der Motorleistung

„Für Anfänger nur eine möglichst schwache Motorisierung“. Ein weiterer, oft von Routiniers geäußerter Ratschlag. Denn mit einem schwachen Triebwerk, so der Glaube, ist das Unfallrisiko deutlich geringer. 

Schon früher war das eine reichlich schwammige Ansicht, als Kleinwagen wie Polo und Corsa tatsächlich noch Motoren in der Leistungsklasse unter 50 PS hatten. Seit der Jahrtausendwende wurden jedoch auch diese Fahrzeugmodelle immer potenter, auch bei den Serientriebwerken; der aktuelle Hyundai I20 beispielsweise kommt im Serienzustand mit 84 PS – zudem erreichen auch sehr schwachmotorisierte Fahrzeuge immer Autobahngeschwindigkeiten und somit genug Tempo, um bei Unfällen gefährlich zu sein. 

Was jedoch bei (bezogen auf das Fahrzeuggewicht) schwachen Triebwerken noch hinzukommt: Sie werden auf anspruchsvollen Routen und mit höheren Beladungszuständen immer an der Leistungsgrenze betrieben. 

  • Autobahnfahrten;
  • Gebirgige Routen;
  • Lange, gerade Landstraßen;
  • Häufige Fahrten mit mehreren Personen und/oder sonstiger schwerer Beladung;

Bei solchen Fahrten benötigen kleine Motoren oft deutlich mehr Einsatz des Gasfußes, um im Verkehr mitschwimmen zu können. Entsprechend steigt der Kraftstoffverbrauch rapide – wo er bei etwas stärkeren Motoren niedriger bleiben kann, da deren Kraftreserven größer sind und sie auch höhere Belastungen mit weniger Gaseinsatz bewältigen können.

Anfänger sollten daher nur dann einen schwachen Motor wählen, wenn sie meist allein und auf typischen urbanen Kurzstrecken unterwegs sind. Jenseits davon ist ein stärkerer Motor trotz mehr Leistung meistens die auf lange Sicht verbrauchsärmere Wahl.

Tipp 4: Maximale Coolness bei Polizeikontrollen

Die Fahrschule bereitet ihre Teilnehmer auf verschiedenste Verkehrssituationen vor. Selten wird jedoch eine ganz alltägliche Lage einbezogen: Die Polizei setzt sich vor einen, am Heck leuchtet „Bitte folgen“ auf – oder am Straßenrand winkt auch einfach nur ein Beamter mit der Kelle. 

Solche Situationen erzeugen bei den meisten Menschen immer ein Schuldgefühl, obwohl sie sich ans Tempolimit gehalten haben und es am Auto nichts zu beanstanden gibt. Besonders gilt das für Neulinge auf den Straßen, die noch nie Kontakte zur Polizei hatten.

Dabei ist es eigentlich einfach und das richtige Verhalten bei der Kontrolle ist kein Buch mit sieben Siegeln:

  1. Ruhe bewahren. Wer nichts Unrechtes getan hat, muss auch nichts befürchten. Es handelt sich praktisch immer um Routinekontrollen. Polizisten kontrollieren natürlich auch junge Menschen. Und: selbst wenn es etwas zu beanstanden gäbe, sind deutsche Straßen nicht Hollywood. Die Polizei wird also nicht wegen eines vergessenen Warndreiecks oder ähnlicher Lappalien die Handschellen klicken lassen.
  2. Nicht hektisch werden. Wenn die Beamten vom Straßenrand mit der Kelle winken, zeigen sie dabei an, wo man anhalten soll. Ist das Polizeiauto vor einem, einfach folgen; ist es hinter einem, dann Blinker rechts setzen, aber erst bei der nächsten sicheren Möglichkeit anhalten; etwa auf einem Autobahnrastplatz, einem Feldweg oder einer Parkbucht.
  3. Zeitnah das Fahrer- und wenn möglich (Fensterheber) auch das Beifahrerfenster ein Stück hinablassen. Wenn es dämmrig/dunkel ist, kann auch die Innenbeleuchtung eingeschaltet werden.
  4. Anhalten, Motor ausschalten, sitzenbleiben, Hände sichtbar aufs Lenkrad – letzteres gilt auch für andere Insassen. Diese sollten am besten die Hände offen in den Schoß legen. 

Sind die Beamten ans Auto herangetreten, gelten die guten Regeln jedes zwischenmenschlichen Kontakts mit Fremden: Grüßen, freundlich bleiben, den Aufforderungen nachkommen. Bitte allerdings keine hektischen Bewegungen, etwa beim Griff Richtung Gesäßtasche, um das Portemonnaie mit dem Führerschein zu entnehmen – leider haben die vergangenen Jahre auch deutsche Polizisten hier sehr vorsichtig gemacht.

Diese Tipps sollte jeder Fahranfänger beherzigen

In 99 Prozent aller Fälle wird diese Prozedur mit einem „Vielen Dank, schönen Tag und gute Weiterfahrt“ enden; selbst, wenn etwas nicht ganz in Ordnung war – wer beispielsweise die Papiere nicht dabeihatte, muss diese nur zeitnah auf einem Polizeirevier vorzeigen. 

Tipp 5: Fahren, fahren, fahren

Es gibt Fahranfänger, die können von ihrer neugewonnenen Freiheit nicht genug bekommen und setzen sich für jede Gelegenheit ans Steuer. Sie können dieses Kapitel überspringen. 

Wer jedoch keine große Lust verspürt, künftig häufiger der Fahrer zu sein, wer vielleicht auch kein eigenes Auto hat, sollte sehr vorsichtig sein: Was die Fahrschule Neulingen beibrachte, ist auch in Sachen Praxis lediglich das absolute Basislevel, um sich im Straßenverkehr sicher fortzubewegen. Von Routine lässt sich hier nicht sprechen.

Die große Gefahr: Je seltener Führerscheinneulinge hinterm Steuer sitzen, desto rascher verfliegt selbst dieses minimale Basiswissen. Schon nach wenigen Monaten kann es dann passieren, dass die Grundfertigkeiten abhandenkommen. Dann wird es bei jeder Fahrt gefährlich.

Der Rat lautet deshalb: Ob mit oder ohne eigenes Auto, wer frisch seine Fahrerlaubnis besitzt, sollte zusehen, so schnell wie möglich viele Kilometer auf seinem persönlichen Zähler anzusammeln. Je mehr man fährt, desto mehr geht dabei alles in Fleisch und Blut über. Zudem erwächst auch die fahrerische Routine bei unterschiedlichsten Wetter- und Verkehrsverhältnissen. Jede Fahrt ist ein Lernprozess – und wer die ersten zehntausend Kilometer absolviert hat, kann es danach auch wieder etwas entspannter angehen, dann sitzt die Routine und bleibt es auch über (etwas) längere Pausen.