Des Deutschen liebstes Kind – die Rede ist vom Auto. In den letzten Jahren ist der Bestand deutlich gestiegen. Laut  KBA (Kraftfahrtbundesamt) sind auf den Straßen inzwischen allein mehr als 46 Millionen Pkw unterwegs. Und es werden jedes Jahr mehr. Allein im Jahr 2017 ließen deutsche Halter über 3,4 Millionen Neuwagen zu. Mehr als doppelt so oft wurde allerdings auch zu einem Gebrauchtwagen gegriffen. Das Alter eines Gebrauchtwagens liegt im Durchschnitt bei etwas mehr als neun Jahren. Warum sind Gebrauchtwagen heute so beliebt?

Liegt es allein am Preis? Oder sprechen noch andere Gründe dafür, sich statt für ein fabrikneues Auto lieber einen Pkw aus 2. Hand zu gönnen? Grundsätzlich sind es oft sehr individuelle Faktoren, welche den Ausschlag geben. Nicht vergessen werden darf an dieser Stelle, wie facettenreich der Gebrauchtwagenmarkt ist. Und dass Neuwagen nicht nur von privaten Haushalten zugelassen werden. Auch Unternehmen brauchen Pkws für ihre Fahrzeugflotte – von Leasingfirmen und Autoverleihern einmal ganz abgesehen.

Neuwagen kaufen – die Vor- und Nachteile

Der Begriff Neuwagen wird zwar im Alltag immer wieder benutzt. Allerdings machen sich Verbraucher und Händler selten die Mühe, diesen auch zu definieren. Dabei ergibt sich hier durchaus ein gewisser „Spielraum“. Als Neuwagen gelten im Allgemeinen fabrikneue Fahrzeuge. Was genau darunter zu verstehen ist, haben in der Vergangenheit durchaus schon Gerichte klären müssen.

Der Anspruch an ein fabrikneues Fahrzeug lässt sich unter anderem an folgenden Eigenschaften festlegen:

Zeitraum zwischen Verkauf und Produktion weniger als 12 Monate

Standschäden sind nicht vorhanden

Keine Zulassung für den Straßenverkehr.

Darüber hinaus rollt – so die allgemeine Einschätzung – das Modell nach wie vor vom Fließband, wird also immer noch hergestellt.

Oft kaufen Verbraucher ein Fahrzeug, dass bereits für einige Tage zugelassen war – in dem Glauben, dass es sich um einen Neuwagen handelt. Dabei sind hier einige Rahmenbedingungen entscheidend. Ist der Pkw weniger als fünf Tage zugelassen und hat noch nicht am Straßenverkehr teilgenommen, handelt es sich immer noch um einen Neuwagen. Steht das Fahrzeug (auch ohne Zulassung) länger als die erwähnte Frist beim Händler, darf dieser eigentlich nicht mehr von einem Neuwagen sprechen.

Was macht Neuwagen so besonders?

Dass Haushalte immer wieder lieber zu Neuwagen greifen, hat zwei Gründe:

Der Wagen ist noch keinen Meter im Straßenverkehr gelaufen, versteckte Schäden oder Ähnliches sind also nicht zu befürchten.

Käufer können sich – wenn das Fahrzeug erst gefertigt wird – für spezielle Ausstattungspakete entscheiden.

Gerade der letzte Punkt – die Wahlfreiheit in Lackierung und Innenausstattung – kommt vielen Haltern entgegen. Gleichzeitig sind die Gewährleistungsansprüche und Garantie-Erklärungen bei einem Neuwagen oft sehr viel umfassender als bei Gebrauchtwagen. Heute bieten viele Hersteller spezielle Garantiezusagen auf Motor, Kupplung und Getriebe für 36 Monate bis 48 Monate an.

Nachteile beim Neuwagen

Neuwagen haben ein entscheidendes Manko – sie sind teuer. Kostet das gleiche Modell am Gebrauchtwagenmarkt 10.000 Euro, sind neu vielleicht 25.000 Euro zu stemmen. Diese finanzielle Belastung ist aber nicht der einzige Aspekt.

Viele Haushalte zahlen den Kaufpreis nicht in bar. Stattdessen wird der Neuwagen finanziert. Der Zins ist – angesichts der höheren Kosten – ein zweiter finanzieller Aspekt. Parallel kann es passieren, dass Bank oder Hersteller (im Gegenzug für bestimmte Rabatte oder Aktionspakete) eine Werkstattbindung für den Neuwagen geltend machen.

Gebrauchtwagenkauf – die bessere Alternative?

Gebrauchtwagen wechseln in Deutschland täglich den Besitzer. Die Palette reicht inzwischen vom Jahreswagen über Rückläufer aus dem Leasing bis zur Familienkutsche aus dem Privatverkauf. Welche Vorteile hat der Gebrauchtwagen?

Preis: Im Vergleich mit einem Neuwagen sind Gebrauchte sehr viel günstiger zu haben. In der Praxis zeigt sich, dass im ersten Jahr der Wert eines Autos schnell um 10 Prozent bis 25 Prozent – gegenüber dem Neupreis – sinken kann.

Hohe Lebensdauer: Moderne Pkw sind inzwischen technisch so ausgereift, dass Motoren nicht nach 50.000 Kilometern den Geist aufgeben. Im Gegenteil: Viele Pkw kommen auf 150.000 Kilometer und mehr Laufleistung – ohne neue Motorteile zu brauchen.

Eigenheiten der Modelle sind bekannt: Jedes Modell fährt sich etwas anders und hat Problemzonen. Neuwagen sind – gerade die neu eingeführten Modelle – hier immer noch die typische Schachtel Pralinen. Ein Gebrauchtwagen hat sich im Alltag bewähren müssen.

In Bezug auf die Finanzierung hat der Gebrauchtwagenkauf Vorteile wie auch Nachteile. Die Kreditvergabe läuft zwar grundsätzlich ähnlich ab, vor allem hinsichtlich der notwendigen Prüfungen im Vorfeld. Neuwagen bieten allerdings eine bessere Kreditsicherheit, da sich der Wagen bei Zahlungsausfällen besser verwerten lässt. Dafür liegt die Kreditsumme bei einer Gebrauchtwagenfinanzierung deutlich niedriger. Wer zudem noch eine Anzahlung leistet, kommt eventuell schon mit einem Kleinkredit für seinen Gebrauchten aus. 

Wann ist welche Option besser?

Passt der Gebrauchtwagen oder ist ein Neuwagen die bessere Wahl? Viele Haushalte stehen vor dieser Frage. Gerade wenn ein Händler für neue Modelle mit Angeboten ohne Zinsen wirbt, ist die Verlockung groß. Solche Angebote bedürfen allerdings immer einer besonderen Prüfung.

Ob es ein Neuwagen sein muss, hängt von verschiedenen Aspekten ab, wie:

Finanzielle Situation

Wartezeit auf den Neuwagen

Akzeptanz fertiger Konfigurationen.

Wer sich als Halter zum Beispiel nicht mit dem Gedanken anfreunden kann, keinen Einfluss auf die Konfiguration des Fahrzeugs zu haben, wird an einem Neuwagen nicht vorbeikommen.

Auf der anderen Seite ist die Rechnung bei der Frage nach den Finanzen einfach. Jedes Auto, das nicht innerhalb von 60 Monaten durchfinanziert werden kann, ist am Ende deutlich zu teuer. Bei einer durchschnittlichen Lebenszeit von 9 Jahren wären es Unsinn, sich über 10 Jahre an einen Autokredit zu binden.

Fazit: Beim Autokauf nicht aus dem Bauch entscheiden

Beim Kauf eines neuen Autos geht es für Halter oft um Details, Fragen nach der Kfz-Steuer und den Versicherungsprämien. Ganz oben auf der Liste steht die Entscheidung zwischen Neu- und Gebrauchtwagen. Hier sind in der Entscheidung ganz unterschiedliche Aspekte relevant. Einige Halter wollen unbedingt bei der Konfiguration ihres Fahrzeugs mitreden. Anderen geht es allein um den Preis. Besonders Jahreswagen sind ein guter Kompromiss zwischen zurückgelegter Laufleistung und dem aufgerufenen Kaufpreis.