Um es mit Kurt Krömer zu sagen: „Mal sehen, was die Katze uns heute vor die Türe gelegt hat?“ – ’nen Frosch? Den kleinen Bruder vom Lamborghini Urus? Der Audi RS Q3 wirkt tatsächlich wie eine zweimal zu heiss gewaschene Version des wilden Spaniers. Aus dem Stier wurde also ein gift-grüner Frosch? Oder wie man bei Audi zur Lackierung sagt: „Kyalami-Grün“.

Um es vorweg zu sagen: „Nein, ihr habt nicht zu viel Lack getrunken.“ Hier steht ein Q3 SUV mit Coupé-Dach, das 400 PS zu leisten vermag, 480 Newtonmeter Drehmoment auf die Straße bringen kann, in 4,5 Sekunden aus dem Stand auf 100 beschleunigen und 280 Stundenkilometer schnell werden kann! Wollt ihr mehr wissen? Dann bleibt jetzt dran. Nicht bei Peter Lustig, der ist ja auch tot, sondern beim Autotester eures Vertrauens.

Historie

Den Audi Q3 gibt es seit 2011. Nach Q7 und Q5 war und ist es das dritte SUV von Audi. Die Performance Geschichte des Q3 begann 2013 mit dem RS Q3. Damals mit 310 PS Leistung, 420 Nm Drehmoment, 1,9 Tonnen Gewicht und einer Sprintfähigkeit von 5,5 Sekunden aus dem Stand auf 100 Sachen. Im Jahr 2015 bekam das Modell ein Facelift verpasst. Eine Leistungssteigerung auf 340 PS und 450 Nm Drehmoment ließ den RS Q3 in 4,8 Sekunden deutlich wesentlich auf Tempo 100 kommen. Damit nicht genug. 2016 kam mit dem „RS Q3 Performance“ der nächste Step: 367 PS, 465 Nm, 2.0 Tonnen, und 4,4 Sekunden 0-100 km/h Sprint standen nun auf dem Zettel.

Jan Weizenecker
https://www.instagram.com/jan_weizenecker/

Die zweite Generation des Q3 gibt es seit 2018. 2019 bekam der Q3 mit dem Sportback eine weitere Karosserieform. Ende 2019 folgten Performance Neuauflagen: RS Q3 und RSQ3 Sportback mit jeweils 400 PS und 480 Nm maximalem Drehmoment. Beide sind gut zwei Nummern kleiner als der RS Q8, haben 200 PS und drei Zylinder weniger. Profitieren aber vom Seriensieger-Motor des “International Engine of the Year Awards”.

Die 400 PS des 2,5 Liter-5-Zylinders scheinen im Wettbewerbsumfeld fast konkurrenzlos.

Hier zum Vergleich:

VW T-Roc R, Jan Weizenecker

Cupra Ateca: 300 PS

VW T-Roc R: 300 PS

BMW X2 M35i: 306 PS

Mini Countyman JCW: 306 PS

Range Rover Evoque P300 R-Dynamic: 300 PS

Jaguar E-Pace P300

Nur der neu vorgestellte Mercedes GLA AMG kommt mit 387 PS. Im schärferen „S“ Modell sogar mit überlegen 421 PS.

Audi RS Q3 2.5 TFSI Quattro

Zum Design

Die coupéhaft abfallenden Dachlinie des 4.51 Meter langen Sportback ist mit 1.557 Millimetern um 45 Millimeter niedriger als beim RS Q3. Der Look beider Modelle zeigt den Singleframe Kühlergrill ohne abgesetzten Rahmen und mit RS-typischer Wabenstruktur. Die darüber wohnenden Schlitze sollen an den legendären Ur-quattro erinnern. Die Schürze wurde mit den boomerangförmigen Blades verfeinert. Das Optikpaket „Schwarz glänzend“ ist serienmäßig verbaut und ist durch optische Akzente an Blades, Fensterumrandung, Dachreling, Heck-Diffusor und am Einleger im Seitenschweller zu erkennen.

Dazu passend: Audi-Ringe und die RS-Schriftzüge an Front und Heck in Schwarz. Wer es klassischer mag, kann besagte Elemente optional in Aluminiumoptik ordern. Serienmäßig sind Scheinwerfer in LED-Technologie beinhaltet. Optional verbauen die Ingolstädter Matrix-LED-Scheinwerfer mit dynamischem Blinklicht und RS-spezifisch abgedunkelten Blenden (435 Euro). Im Blechkleid gibt es – im Unterschied zu RS 6 und RS 7 – signifikante Änderungen. Die Radläufe wurden um 10 Millimeter ausgestellt. Auch das serienmäßige RS-Sportfahrwerk versetzt die Karosserie um 10 Millimeter tiefer als beim Q3. Optional kann man das “RS-Sportfahrwerk plus” mit dynamischen Dämpferregelung (980 Euro) dazu wählen.

Ab Werk kommt dieser Audi mit 20-Zoll Schlappen. Optional gibt’s erstmals auch 21-Zoll-Felgen. Hinter denen sich die Sechs-Kolben-RS-Stahlbremsanlage mit 375 Millimeter (vorn) und 310 Millimeter (hinten) verbirgt. Serienmäßig kommt sie schwarz lackiert (rot optional) aus dem Werk. Wer das Auto für den Rennstreckeneinsatz kauft, dem bietet Audi die RS-Keramikbremse mit 380 Millimeter vorne (4.650 Euro). Ihre Sättel werden wahlweise in Grau, Rot oder Blau lackiert. Die abgedunkelte hinteren Scheiben (400 Euro) und der im Vergleich zum Q3 verlängerte Dachkantenspoiler (in glänzendem schwarz) lassen den kleinen SUV von hinten ähnlich schnittig aussehen wie ein Lamborghini Urus. Nur kleiner halt. Und bezahlbarer.

Audi RS Q3 2.5 TFSI Quattro

Dem sportlichen Eindruck zuträglich ist die zwei-flutige Auspuffanlage mit ovalen Endrohren und chromfarbenen Blenden. Wer es lauter mag, der lässt die RS-Sportabgasanlage (1.000 Euro) mit dunklen Endrohren verbauen! Sie sorgt trotz strengere Geräuschvorschriften und dämpfendem Benzinpartikelfilter für einen mega Sound. Fans der Marke lieben die eigenwilligen Zündfolge des 2.5 TFSI von: – 1-2-4-5-3 – .

Audi RS Q3 2.5 TFSI Quattro, Kofferrraum

In diesem Segment zählen neben den reinen Leistungsdaten und der sportlichen Erscheinung auch Attribute wie Flexibilität und Raum. Deshalb ist die Rückbank um 15 Zentimeter verschiebbaren und die Neigung (7-Stufen) der dreifach geteilten Lehne einstellbar. Der Kofferraum fasst 530 bis 1.525 Liter (Sportback: 1.400 Liter). Will man dass die Gepäckraumklappe, elektrisch öffnet und schließt, muss man 490 Euro mehr nach Bayern überweisen. Die maximale Anhängelast von 1,9 Tonnen ist dem RS Q3 jedoch immer sicher.

Innenraum:

Wer seinen hintern von den serienmäßigen Sportsitzen nicht gut genug umschmeichelt fühlt, der ordert die RS-Sportsitze in Leder Feinnappa mit Waben-Steppung (1.500 Euro). Ihre Kontrastnähte sind serienmäßig schwarz glänzend, optional rot oder blau. Bei Wahl eines der beiden RS-Designpakete in Rot oder Blau sind Akzente an Lenkradkranz, Gurtbänder, Fußmatten und Schalthebel farbig sowie Lenkrad und Wählhebel mit Alcantara bezogen. Ab Werk ist das „MMI Radio plus“ mit 8,8 Zoll Bildschirm verbaut. Für 1.775 Euro gibt’s das „MMI Navigation plus mit MMI touch“ und 10 Zoll. Das Kombi-Instrument ist mit dem „Audi virtual cockpit“ immer digital und 10,25 Zoll oder optional „Audi virtual cockpit plus“ 12,3 Zoll groß (240,00 Euro).

Audi RS Q3 2.5 TFSI Quattro

Exklusiv im RS sind das unten abgeflachte Sportlenkrad, die Sport-Anzeigen im Virtual Cockpit, die Schaltblitz Darstellung und die RS-Anzeige für Drehmoment, Leistung, Rundenzeiten und Fliehkräfte. Die Schnellwahltaste für die freikonfigurierbaren RS-Modi am Lenkrad wird die Kundschaft genauso freuen wie der Drive Select-Schalter Mit den beiden RS-Modi, Comfort, Auto, Dynamik, Individual oder Efficiency. Hier ändern sich die Charakteristika von Lenkung, Motor, Klang, Schaltung und Dämpfer (wenn adaptiv).

Audi RS Q3 2.5 TFSI Quattro

Motor:

Der Motor Ist wohl bekannt aus TTRS und RS3. Eine schlichte Legende. Aus 2,5 Liter Hub presst er via fünf Zylinder 17 Prozent mehr Leistung (60 PS und 30 Nm) mehr als sein Vorgänger. Außerdem wiegt er 26 Kilo weniger. Allein das jetzt aus Aluminium gefertigte Kurbelgehäuse brachte eine Gewichteinsparung von 18 Kilo. Dabei sind RS Q3 mit 1.775 Kilo und RS Q3 Sportback mit 1.790 Kilo wahrlich keine Leichtgewichte.

Zum Vergleich:

Audi RS3: 1.610 Kilogramm

VW T-Roc R: 1.575 Kilogramm

Cupra Ateca: 1.615 Kilogramm

BMW X2 M35i: 1.685 Kilogramm

Um die Masse des SUVs behände in Schwung zu bringen sind seine 400 PS Leistung, das 480 Newtonmeter Drehmoment, die 7-Gang-S-Tronic und der „quattro“ Allradantrieb bestens aufeinander abgestimmt. Damit wird ein Beschleunigungswert von 4,5 Sekunden möglich. Bei 250 km/h ist die Höchstgeschwindigkeit erreicht. Wer 280 km/h schnell werden will, den bittet Audi 1.500 Euro mehr zu überweisen. Der Normverbrauch von 8,8 bis 8,9 Liter Super ist zwar akzeptabel. Aber in unserem Test sind kaum weniger als 11 Liter verbrannt worden.

Audi RS Q3 2.5 TFSI Quattro

Fahren:

Jede Fahrt im RS Q3 sollte mit dem Launch Control Start beginnen. Er katapultiert den 1.9 Tonnen-Koloss brachial vorwärts. Das erscheint angesichts der hohen Sitzposition fast surreal. Doch spätestens in der ersten Kurve fühlt man den höheren Schwerpunkt und das Mehr an Gewicht gegenüber dem RS3. Doch die Progressiv-Lenkung und der Quattro tun im Kombination mit der Fahrwerksabstimmung ihr Bestes, die Querdynamik auf einem hohen Niveau zu halten. Über eine Lamellen-Kupplung wird das Antriebsmoment bis zu 100 Prozent an die Hinterachse geleitet. Fährt man viel zu schnell in die Kurve, so lernt man was schnell, was „radselektive Momentsteuerung“ bedeutet. Hier werden die kurveninneren Räder kurz abgebremst, wodurch mehr Antriebsmoment auf die kurvenäußeren Räder geleitet wird. Die Allrad-Software wurde in Richtung Übersteuern ausgelegt, was Drift-Annäherungsversuche erlaubt, bis die Elektronik abriegelt. Die sechs Fahrmodi von komfortabel bis sportlich machen den RS Q3 zur eierlegenden Wollmilchsau.

Audi RS Q3 2.5 TFSI Quattro
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Fazit:

Braucht man wirklich ein Performance SUV? Wenn ja, dann DEN! Denn er verbindet Alltag, in Beruf und Familie mit sportwagen-ähnlichem Fahrspaß. Das funktioniert tadellos!

Die Preisgestaltung erscheint dagegen surreal. Zwar beginnt der Audi Q3 Sportback als 35 TFSI mit seinen 150 PS Leistung bei 36.000 Euro. Aber für den RS Q3 werden mindestens 63.500 Euro und für den RS Q3 Sportback 65.000 Euro fällig. Das sind etwa 30.000 Euro Aufpreis gegenüber der Basis. Finanzkräftigen Fans wird’s egal sein. Im Gegenteil, viele werden auf die Performance-Version mit 430 oder 450 PS (?) hoffen.

Technische Daten:

2020 Audi RS Q3 2.5 TFSI Quattro

Karosserie-Form: Kompaktes SUV
Länge: 4,51 Meter
Breite: 1,85 (Außenspiegeln 2,02) Meter
Höhe: 1,60 (Sportback 1,56) Meter
Radstand: 2,68 Meter, Kofferraumvolumen: 530 bis 1.525 Liter
Motor: 2,5-Liter-Fünfzylinder-Otto mit Direkteinspritzung und Single-Turboaufladung
Leistung: 294 kW/400 PS
maximales Drehmoment: 480 Nm bei 1.950 bis 5.850 U/Min
Getriebe: Siebengang-Automatik (Doppelkupplung)
Antriebsart: Allradantrieb
Beschleunigung: 0-100 km/h: 4,5 s
Vmax: 250 bzw. 280 km/h
Durchschnittsverbrauch: 8,8 l
CO2-Ausstoß: 202 g/km
Effizienzklasse: E
Abgasnorm: Euro 6d-temp
Preise: ab 63.500 Euro
Preis Testwagen: ab 83.500 Euro

Wettbewerber/Konkurrenten:

Cupra Ateca, VW T-Roc R, BMW X2 M35i, Mini Countryman JCW 306 PS, Range Rover Evoque P300 R-Dynamic, Jaguar E-Pace P300, Mercedes GLA AMG (S)

Fotos: Nina Weizenecker und Marcus Jahn