Der Porsche Taycan 4S ist die dritte Variante des rein elektrischen Sportwagens aus Zuffenhausen und damit der Einstiegs-Elektro-Porsche. „Einstieg“ heißt bei den Schwaben allerdings: 105.600 Euro, mindestens 530 PS Leistung und in vier Sekunden aus dem Stand auf 100. Okay!? Was der Taycan 4S sonst noch so drauf hat: Seht und lest hier bei uns.

Historie

Mit dem Taycan will Porsche – stellvertretend für den ganzen VW Konzern – zeigen was technisch bei E-Autos in Richtung Sportlichkeit möglich ist. Die Entwicklung des Stromers dauerte vier Jahre, von der Studie „Mission E“ bis zum fertigen Serienmodell.

Aber woher kommt der Name Taycan: Das „AY“ stammt aus den Modellen Cayenne und Cayman, das „CAN“ aus Macan. Auf Türkisch übersetzt: „Seele eines lebhaften Fohlens“. Japanisch: „körperliches Erlebnis“. Englisch: „They can“. Geht es nach dem Porsche Marketing ist der Werbeslogan: soul electrified. Der Name ist also schon mal mega. Echt. Die Bezeichnung „4S“ passt besser zu Elektro-Porsche, als „Turbo“. Logisch, wie soll ein E-Modell turbo-aufgeladen sein. Aber: Namensplaketten kann man ja abbestellen.

Weniger „mega“ oder flexibel fanden die Interessenten, dass zuerst der teure Turbo (680 PS) und Turbo S (761 PS) vorgestellt wurden. Beide debütierten für mehr als 150.000 Euro bzw. 180.000 Euro. Mal ehrlich: Wer soll das bezahlen? Wer hat das bestellt. Wer hat so viel Pinke-Pinke? Wer hat so viel Geld? Wenige! Die anderen leasen, das ist zwar teuerer, aber schick. Und die monatlichen Leasing-Raten sehen, zumindest optisch, verträglicher aus. Die meisten werden die Summe am Ende nicht nachrechnen.

(2020) Porsche Taycan 4S - Der schwäbische Elektro- Einstieg

Gut, dass es nun die „bezahlbare“ 4S Variante mit 530 PS oder wahlweise 571 PS mit größerem Akku gibt. Doch dazu später mehr. Alle Varianten stehen natürlich auf der J1-Plattform und teilen sich den gleichen Antriebsstrang. Für die Schwaben selbstredend. Denn das Projekt soll sich lohnen. Es ist übrigens noch eine Version für unter 100.000 Euro geplant. Sie könnte dann den Beinamen „S“ tragen, „nur“ einen Motor besitzen und dafür vermutlich eine Reichweite von über 500 Kilometer versprechen.

Doch neben der Gewinnerzielung treibt Porsche noch eine andere Absicht in die E-Mobilität. Hersteller benötigen große Stückzahlen von Plug-in Hybriden und reinen E-Modellen, um die strengen CO2 Ziele von 95 Gramm im Schnitt über die Flotte zu erreichen. Die Kunden profitieren bei Porsche zwar nicht von einer Kaufpreisprämie, da die Modelle mit über 65.000 Euro Listenpreis notiert sind. Dafür sinkt die Dienstwagensteuer von einem auf 0,5 Prozent (nicht 0,25 da Listenpreis über 40.000 Euro. Ob das so sinnvoll ist? Eeeegal. Die Kosten werden der betuchten Kundschaft ohnehin mehr oder weniger egal sein.

(2020) Porsche Taycan 4S - Der schwäbische Elektro- Einstieg
https://www.instagram.com/jan_weizenecker/

Der Taycan gliedert sich in der Porsche-Modell-Familie irgendwo zwischen 911er und Panamera (9 cm kürzer) ein. Das Modell ist ein Showcase dafür, was möglich ist, wenn konsequent auf Elektromobilität hin entwickelt wird. Also eigentlich genau das, was Tesla schon immer macht.

Und da kommen wir auch schon zu den Wettbewerbern:

Audi e-tron / Sportback / Jaguar I-Pace

Bald: Polestar Precept und Audi e-tron GT (gleiche Plattform)

Und dann der Hauptkonkurrent: Tesla Model S

Der Große: 593 Kilometer – Reichweite 2,5 Sekunden – von 0 auf 100 2.3 Tonnen – Gewicht 102.700 Euro – Basispreis

Der Kleine 610 Kilometer – Reichweite 3,8 Sekunden – von 0 auf 100 2,3 Tonnen – Gewicht 86.800 Euro – Basispreis

Beide Model S Versionen laden mit max. 250 kW an einem Supercharger (Version 3) des Tesla-eigenen Ladenetzes.

Porsche gibt offen zu, dass der Ami hier klarer Hauptwettbewerber und irgendwie auch Benchmark ist. Logisch. Und kann man ihn schon bei vielen Parametern scheinbar nicht schlagen, so will man wenigstens querdynamisch zeigen, dass man die Nase im Duell um die Weltmärkte vorne hat.

(2020) Porsche Taycan 4S - Der schwäbische Elektro- Einstieg
https://www.instagram.com/jessicarmaniac/

Also ging man mit dem Taycan Turbo auf die Nordschleife, wo man eine Zeit von 7.42 erfahren hat. Tesla zog mit dem Model S mit den sogenannten Plaid-Package (3 Motoren, zwei an der Hinterachse) nach und will 20 Sekunden schneller gewesen sein. Bestätigt ist diese Zeit allerdings nicht.

Optik

Kommen wir zum Design. Der Taycan ist 4.96 lang, 1.97 breit und 1.38 hoch. An seiner Front offenbart er die Porsche-typischen Scheinwerfer mit vier Leucht-Elementen: Porsche Dynamic Light System Plus (PDLS Plus). Mit 0,22 (Tesla Model S: 0,23) besitzt er einen niedrigen cW Wert. Das verdankt er unter anderem den aktiven Kühlluftklappen, die je nach Fahrzustand geöffnet oder geschlossen werden können. Ein in zwei Stufen ausfahrbaren Spoiler regelt den Anpressdruck bei höheren Geschwindigkeiten.

(2020) Porsche Taycan 4S - Der schwäbische Elektro- Einstieg, Frontschürze

Der optische Unterschied zum Turbo zeigt sich lediglich daran, dass Frontschürze und der Diffusor am Heck beim 4S immer schwarz lackiert sind. Das „Sport-Design“-Paket sorgt für einen dynamischeren Look. Der Kofferraum ist insgesamt 488 Liter (407 hinten / 81 vorn) groß. Eine Anhängerkupplung ist für den Taycan nicht verfügbar.

19 bis 21 Zoll große Schlappen sind verfügbar. Serienmäßig steht der 4S auf 19 Zöllern, der Turbo auf 20 Zoll-Rädern und der Turbo S auf 21 Zoll. Die Bremssättel sind serienmäßig in Kombination mit der Stahlbremsanlage rot lackiert. Sie haben sechs Kolben und einen Durchmesser von 360 mm vorn und vier Kolben bzw. 358 Millimeter hinten. Optional gibts eine Keramik-Bremsanlage mit 415 mm vorn und 365 mm Durchmesser hinten. Für Freaks wird die Karbon-Keramik-Bremsen für 8.936 Euro interessant sein. Sie wird sich allerdings maximal auf der Rennstrecke bezahlt machen. Der Taycan steht immer auf einer adaptiven Dreikammer-Luftfederung: Sie lässt sich um 20 Millimeter anheben oder um 22 Millimeter absenken (ab 180 Stundenkilometer automatisch).

Bei den Fahrwerksoptionen gibt es:

• eine aktive Wankstabilisierung für 3.200 Euro

• Eine Allrad-Lenkung (Wendekreis minus 60 Zentimeter auf 11,2 Meter) für 2.300 Euro

• ein Torque Vectoring mit variabler Antriebsmomentenverteilung an den Hinterrädern inkl. elektronisch gesteuerter Hinterachs-Differenzialsperre für 1.500 Euro

(2020) Porsche Taycan 4S - Der schwäbische Elektro- Einstieg

Dabei liegt der Schwerpunkt des Taycan zwei Zentimeter niedriger als beim 911. Um die Leistung von den Turbo-Modellen zu reduzieren, verbaut Porsche einen sogenannten Pulswechselrichter mit 300 statt 600 Ampere. An der Hinterachse kommt ein neuer Motor zum Zug. Er ist 13 Zentimeter lang und acht Zentimetern kürzer als bei den „Turbos“. Noch spannender ist die Tatsache, dass der Taycan 4S ist mit zwei unterschiedlichen Akkus erhältlich ist. Serienmäßig kommt er mit der „Performance-Batterie“ mit 79,2 kWh Akku, 530 PS Leistung und 407 Kilometern Norm-Reichweite. Gegen Mehrpreis verbaut Porsche die stärkere 93,4 kWh-Batterie (6.500 Euro) von Turbo und Turbo S. Damit kommt der 4S auf 571 PS Leistung und einer Norm-Reichweite von 463 Kilometern.

Zum Vergleich: Ein Tesla Model S P100 Long Range erzielt nach der WLTP-Norm eine Reichweite von 610 Kilometern. Egal. Denn In beiden 4S Fällen beschleunigt der Taycan von 0 auf 100 in 4 Sekunden und wird 250 Stundenkilometer (Turbo: 260 km/h) schnell. Und das obwohl er in der leichtesten Variante mindestens 2.220 Kilogramm wiegt. Klar, denn alleine das Gewicht der Batterie schlägt bei Turbo und Turbo S mit 650 Kilo zu Buche. Der kleinere Akku spart übrigens 80 Kilogramm Gewicht. Der Verbrauch liegt bei etwa 25 kWh pro 100 Kilometer.

Strom

Laden:

Der Taycan lässt sich über zwei Dosen hinten Klappen links und rechts im Vorderwagen laden. Serienmäßig ist ein Typ-2 Anschluss an der Fahrerseite für Wechselstrom AC mit zum Beispiel 11 Kilowatt. Damit wäre der Taycan in 8 Stunden voll „betankt“. Serienmäßig kommt auch der CCS On-Board-Gleichstrom-Lader DC mit 50 Kilowatt. Mit ihm ist der Taycan in 1:30 Stunden bis zu 80 Prozent voll. Gegen Aufpreis zu haben sind ein On-Board-Charger mit 150 Kilowatt, Ladekabel, tragbarer Lader und Wallbox für die heimische Garage. Im Idealfall lädt der Taycan mit 270 Kilowatt: So wäre er in 25 Minuten mit einer Ladung von fünf auf 80 Prozent fertig. So ließen sich in 5 Minuten bis zu 100 Kilometer „nachfüllen“.

Interieur

Der Einstieg ist tief. Man sitzt quasi auf dem Boden mit Blick auf die ausgestellten Radhäuser. Das Cockpit wirkt aufgeräumt. Fünf Fahrmodi lassen sich vom Lenkrad wählen: Range, Normal, Sport, Sport Plus, Individual. Eine riesige Bildschirmlandschaft erstreckt sich vor den Augen des Fahrers. 16,8 Zoll groß, gebogen, voll-digital im 911er Design. Das 10,9 Zoll Infotainmentsystem wohnt in der Mittelkonsole. Es lässt sich per Touchscreen sowie via Sprachbedienung, die auf „Hey Porsche“ reagiert, steuern. Darunter befindet sich ein 8,4 Zoll großes Touchfeld zur Bedienung der Klimatisierung. Ein Highlight sind außerdem die elektrisch verstellbaren Lüfterdüsen. Der 4S ist serienmäßig mit Stoff (nicht mit Leder) versehen. Die verwendeten Materialien bestehen zum Teil aus recycelten Polyesterfasern, die mit einem um 80 Prozent geringeren CO2-Ausstoß produziert werden. Das sind zum Beispiel Fasern im Bodenbelag, die unter anderem aus alten Fischernetzen gefertigt werden. Nice! Trotzdem allem bleibt die Porsche DNA bestehen. So gibt es links neben dem Lenkrad zwar kein Zündschloss mehr, aber den Startknopf. Es genügt jedoch die Bremse zu treten und den Gangwahlhebel (rechts vom Lenkrad) auf D zu drücken, um los zu fahren.

(2020) Porsche Taycan 4S - Der schwäbische Elektro- Einstieg

Unser Testwagen hatte unter anderem folgende Assistenzsysteme an Board:

– adaptiven Tempomaten 1.749 Euro

– autonome und vorausschauende Fahrfunktionen 3.070 Euro

– Spurwechselassistent 773 Euro

Fahren

Die reale Reichweite liegt irgendwo zwischen 320 Kilometer und den laut Norm-Wert versprochenen 460. Nutzt man allerdings den Launch Control Start zu oft, oder gibt zu viel „Gas“, Entschuldigung: Strom, ist auf der Reichweiten-Skala nach unten fast keine Grenze zu definieren. Diese Art von Gasfüsschen-Sucht tritt dabei schneller auf, als einen Heroin süchtig macht. Denn die brachiale stufenlose Beschleunigung im Taycan wird vielleicht lediglich von dem Sprint-Gefühl in Turbo (S) überboten. Krank! Die Lenkung zeigt sich sich direkter als beim 11er, ist aber etwas schwergängiger. Der Allradantrieb mit einem Motor vorn (Eingang Getriebe) und einem hinten (Zweigang Getriebe) sorgt mit seiner Schnelligkeit, dem enormem Drehmoment und der Flexibilität für eine phänomenale Kurvenlage. Nach Testfahrten im Audi e-tron oder Jaguar i-Pace, die beide ein ähnliches System verwenden, war das allerdings zu erwarten.

(2020) Porsche Taycan 4S - Der schwäbische Elektro- Einstieg

Schön: Die Bremse fühlt sich weiterhin Porsche-typisch an. Allerdings muss das Brems-System durch die enorme Rekuperationsleistung von bis zu 265 kW selten benutzt werden. Der Taycan bremst im Normalfall vollständig mit den E-Motoren. Der E-Motoren-Sound ist optional, lässt sich zu- und abschalten und klingt irgendwie nach einem startenden Raumschiff bei StarWars. Im „Sport Plus“-Modus wird der Klang noch spezieller. Ja, schon schräg. Muss man sich irgendwie vielleicht noch dran gewöhnen? Im Video gibt’s den Sound übrigens zum Nachhören.

(2020) Porsche Taycan 4S - Der schwäbische Elektro- Einstieg
https://www.instagram.com/jan_weizenecker/

Fazit:

Kann die Elektro-Mobilität sportlich sein? Oh ja, und zwar sowas von. Und das nicht nur im Sprint, sondern auch in der Kurve. Dabei stört das hohe Gewicht durch den tiefen Schwerpunkt und vielen Fahrwerks-Optionen kaum. Beim Thema Tanken und auch beim Sound muss man sich umstellen. Wie gut ist der Taycan 4S? Selbst das Einstiegsmodell macht so viel Spaß, dass man an die Themen Energieverbrauch und Ökologie kaum noch einen Gedanken verschwendet. Und sind wir mal ehrlich: Allein die Batterie im Porsche trägt einen so großen CO2-Rucksack, dass man diesen Malus unmöglich wieder reinfahren kann. Und sind wir mal noch ehrlicher: Den Taycan braucht kein Mensch. Er ist ein absolutes Luxusgut, genau wie jeder Porsche. Und wird diese Porsche-Kiste so Schweine-viel-Spaß machen, werden sie wohl das letzte Auto sein, was jemals auf einer Straße fährt. Sein Preis macht einen Porsche anscheinend noch attraktiver. Selbst der Einstiegspreis für den Taycan 4S liegt bei 105.600 Euro. Die größere Batterie kostet 6500 Euro Aufpreis. Der Taycan Turbo will mit mindestens 152.000 Euro gelöhnt sein und für Taycan Turbo S werden mindestens 186.000 Euro fällig. Wer soll das bezahlen? Wer hat das bestellt? Wer hat so viel Pinke-Pinke? Wer hat so viel Geld?

(2020) Porsche Taycan 4S - Der schwäbische Elektro- Einstieg

Technische Daten – Porsche Taycan 4S

Typ: Elektro-Sportwagen

Motor: Zwei permanenterregte Synchronmaschinen

Leistung in PS (kW) bei U/min-1: bis zu 572 (420)

Max. Drehmoment (Nm) bei Umin-1: 650

Höchstgeschwindigkeit (km/h): 250

Beschleunigung 0-100 km/h (sek.): 4,0

Getriebe: Zweiganggetriebe an der Hinterachse

Antrieb: Allradantrieb Tank (L): 93,4

Verbrauch EU-Drittelmix (l/100 km): bis zu 26,2 (WLTP)

CO2-Ausstoß (g/km): 0 Gewicht,

Herstellerangabe (kg): 2.220 max.

Zuladung (kg): 660

Abmessungen (L/B/H): 4.963 /1.966 / 1.379 (L/B/H)

Wir sagen danke an das Porschezentrum Offenburg für die zur Verfügungsstellung des Testwagens.