Das autonom fahrende Shuttle

Am Rande der IAA 2017 öffnet der Zulieferer der Automobilindustrie Continental seine Schatzkammer und erlaubt einen Blick auf den Forschungs- und Entwicklungsstand für die automobile Zukunft. Hauptaugenmerk liegt hier auf dem Bereich „Autonomes Fahren“. Das Unternehmen mit Dependance in Frankfurt bewegt sich mit dem automobilen Zeitgeist. Denn autonome Fortbewegungsmittel schaffen mehr Zeit. Zeit, die man beim Autofahren auf der Autobahn, im dichten Berufsverkehr oder gar im Stau einsparen kann, genauer gesagt, sinnvoller nutzen. Daneben sind höhere Sicherheit im Straßenverkehr und geringere Umweltbelastungen Zielgrößen, die Continental mit der Forschung erreichen möchte. Und an welcher Technik arbeitet Conti aktuell?

Die Antworten des Unternehmens sind vielschichtig. Zum einen soll der sogenannte „Cruising Chauffeur“ die autonome Lösung für das Fahren auf Autobahnen sein. Bei der Klassifizierung des Autonomie-Grades hält man sich strikt an die Stufen der Automatisierung. Bei Parkmanövern hat man zwei Konzepte im Auge. Zum einen den bekannten „Parkassistenten“, der den Fahrer bei geringsten Geschwindigkeiten unterstützt. Und zum anderen den „Trained Parking-Dienst“. Er beobachtet den Mensch bei Parkmanövern und lernt quasi von seinen Handlungen. Ist dieser Lerneffekt abgeschlossen, soll er alles Gelernte selbst können.

Zudem gibt es das Konzept des „Valet Parkings“. Dabei werden freie Parkplätze angezeigt. Das Auto kann vor der Parkgarage abgestellt werden. Nun fährt das Auto fahrerlos durch das Parkhaus, findet den freien Parkplatz und parkt autonom ein. Kommt der Fahrer zurück, passiert der Vorgang vice versa und das Auto wartet bereits, wo es zuvor verlassen wurde. Das bedeutete im Alltag einen enormen Gewinn an Zeit und auch an Lebensqualität. Denn wer verbringt schon gerne unnötig viel Zeit bei der lästigen Suche nach Parkplätzen? Wir haben das Valet-Parking beobachtet und stellen fest: Das wünschen wir uns!

Dann präsentiert Continental auf dem Frankfurter Werksgelände stolz das fahrerlose Robotertaxi mit dem Namen „CUbe“. Die Continental Verantwortlichen wissen, dass man, will man auch im Jahre 2030 noch konkurrenzfähig sein, bis dahin eine Technik zur autonomen Mobilität anbieten können muss. Die elektrisch betriebenen Demonstrationsfahrzeuge „EZ10“ wurden vom französischen Hersteller EasyMile gekauft. Das Taxi, das bei Conti auf den vollen Namen „Continental Urban Mobility Experience“ getauft wurde, ist bereits autonom auf dem Erprobungsgelände unterwegs.
Erforscht werden im Versuchsfahrzeug auch redundante Bremssysteme und Sensoren.Der CUbe muss sich dazu auf dem Werksgelände mit zahlreichen Fußgängern, Querverkehr, Verkehrsschildern, Bordsteinen, anderen Fahrzeugen und Zebrastreifen herumschlagen. Das Taxi ist mit Continental-Technik bestückt und liefert wichtige Daten für die Forschung. Die im Fahrzeug verwendete Technik basiert auf Komponenten von Fahrerassistenzsystemen, die schon heute in Serienfahrzeugen verbaut sind. Zusätzlich kommt neue Technik – wie Laser-Sensoren – zum Einsatz. Diese Systeme werden laufend weiter entwickelt, um das Auto in Zukunft voll-autonom betreiben zu können. Wir konnten im CUbe mitfahren und sind beeindruckt vom reibungslosen Betrieb. Vielleicht sind wir alle ja doch viel früher vollautonom auf den Straßen unterwegs als gedacht? Vielleicht schon in 10 Jahren?
Das fahrerlose Taxi würde sein perfektes Anwendungsgebiet in Großstädten finden. Für Metropolen, die heute schon am Verkehrsmoloch ersticken, wäre das eine echte Entlastung. Das permanent betriebene Taxi wäre wesentlich ökonomischer, als unzählige private PKWs, von denen die meisten 22 Stunden am Tag ungenutzt bleiben. Das 4 Meter lange, 2 Meter breite und 2,75 Meter hohe „EZ10“ Shuttle bietet Platz für 12 Personen und kann theoretisch bis zu 40 Stundenkilometer schnell fahren.Um die Herausforderungen der automobilen Zukunft meistern zu können, sind die verschiedensten Spezialisten notwendig, die im besten Fall ihr Wissen und ihre Erfahrungen zusammenbringen. Kooperationen und Beteiligungen sind dazu das Mittel der Wahl. So hat Continental hat Anfang 2017 eine Minderheitsbeteiligung am französischen Unternehmen „EasyMile“ erworben. Bereits im vergangenen Jahr wurde Conti Entwicklungspartner einer Kooperation zwischen BMW, Intel und Mobileye. Diese Kooperation entwickelt gemeinsam eine technische Plattform für hoch- und vollautomatisiertes Fahren. Wir sind gespannt wie die Zukunft des Straßenverkehrs und ihre Auswirkungen auf uns aussehen werden. Neue Player kommen auf den Markt und machen etablierten Unternehmen den Rang streitig machen zu wollen. Continental hat die Zeichen der Zeit erkannt und scheint sich intensiv auf das Wettrüsten vor zu bereiten.