Die Campingbranche boomt, das Interesse an Wohnmobilen ist so groß wie lange nicht mehr. Im vergangenen Jahr wurden fast 100 000 Wohnmobile verkauft, davon ein Großteil als Gebrauchtfahrzeug. Während es beim Kauf eines gebrauchten Autos vor allem auf den technischen Zustand von Motor, Getriebe, Fahrwerk oder die Laufleistung ankommt, spielen beim Wohnmobil auch der Aufbau, die Elektrik, die Gas- und Wasserversorgung sowie insbesondere die Dichtheit eine Rolle.

„Die Reparatur eines verdeckten Wasserschadens kann schnell in die Tausende gehen“, sagt Philipp Heise, Kfz-Experte beim Auto Club Europa (ACE), der einen Online-Ratgeber für gebrauchte Wohnmobile herausgegeben hat. Bei Zweifeln an der Dichtheit, beispielsweise ausgelöst durch muffigen Geruch oder aufgequollenes Holz, sollte ein Sachverständiger oder Fachhändler zu Rate gezogen werden. Der kennt die neuralgischen Punkte und kann mit einem entsprechenden Gerät messen, ob irgendwo schon einmal Wasser eingedrungen ist.

Darüber hinaus sollten alle elektrischen Geräte, Lampen, der Kühlschrank, aber auch – sofern vorhanden – die Klimaanlage geprüft werden, denn die bordeigene Elektrik gilt bei manchen Wohnmobilen ebenfalls als anfällig. Wird die Stromversorgung über ein Zentralpaneel gesteuert, sollte auch dieses vor dem Kauf getestet werden. „Bei Fehlfunktionen sollte noch vor dem Kauf in einer Fachwerkstatt geklärt werden, wie teuer die Reparatur wird“, rät ACE-Mann Heise.

Im Winter kann die bordeigene Wasseranlage durch Frost Schaden nehmen. Der Ersatz geplatzter Leitungen ist in der Regel arbeitsintensiv. Kaufinteressenten sollten im Bereich der Spüle und der Nasszelle auf Spuren früherer Wasserschäden achten. Abgeklärt werden sollte zudem, ob die Wasseranlage regelmäßig mit Mitteln behandelt wurde, die eine Verkeimung verhindern. Eine störungsfreie Funktion sollte auch bei der Bordtoilette gegeben sein. Undichtigkeiten sind zwar selten, als Schwachpunkt bei älteren Modellen hat sich jedoch die Füllstandsanzeige erwiesen.

Der Gesetzgeber schreibt eine regelmäßige Überprüfung der Gasanlage vor. Spätestens zur Hauptuntersuchung muss diese belegt werden oder erfolgen. Daher sollten sich Kaufinteressenten vom Verkäufer die letzte Prüfbescheinigung geben lassen.

Wohnmobile sind Freizeitfahrzeuge. In den meisten Fällen werden sie nur selten für Alltagsfahrten genutzt, entsprechend gering fällt die Jahresfahrleistung aus. Doch ein niedriger Tachostand kann auch seine Tücken haben. Lange Standzeiten schaden den Reifen. Deshalb sollten nicht nur auf ihre Profiltiefe, sondern auch auf ihr Alter geprüft werden
Über 50 deutsche Städte bestehen mittlerweile auf die grüne Plakette. Doch erst seit dem Modelljahrgang 2007 erfüllen viele Fahrzeuge die Anforderungen. Für ältere Modelle werden im Zubehörhandel Nachrüstmöglichkeiten angeboten. Wer ein Wohnmobil ohne grüne Plakette kauft, geht daher ein gewisses Risiko ein. Die Nachrüstung ist nicht immer möglich und kostet laut ACE bis zu 4500 Euro. Wer von der Förderung in Höhe von 260 Euro profitieren möchte, muss sich außerdem beeilen: Am 30.09.2016 läuft die Bezuschussung aus