Ich habe es getan. Zum allerersten Mal. Irgendwie gibt es in meinem Alter nicht mehr viele Dinge, die man noch nie getan hat. Wintercampen ist eines davon. Das klingt im ersten Moment so sexy und verrückt wie Wintergrillen, Eisbaden oder Schneeschippen. Doch als relativ junger und trotzdem erfahrener Fan des Sommer-Campens im Reisemobil wollte ich der Sache eine echte Chance geben.

Mercedes-Benz Vans und Hymer stellten für dieses Experiment den teilintegrierten HYMER ML-T zur Verfügung, um ihn auf Schnee-Herz und Kälte-Nieren zu testen. Basis des Fahrzeugs bildet der Sprinter von Mercedes Benz. Sein optionaler Allradantrieb und der serienmäßige Seitenwind-Assistent sollen den Sprinter zum perfekten Zugpferd auch im winterlichen Sölden machen. Die Übernachtung bei Minusgraden auf rund 1.370 Metern Höhe und eine Fahrt über die zugefrorene Timmelsjoch Hochalpenstraße konnten sich zu einem echten Abenteuer entwickeln. Wie mein erstes Mal Campen im Winter war, lesen Sie in diesem Fahrbericht:
Urlaub im Reisemobil liegt offensichtlich voll im Trend. So hat sich der Absatz der mobilen Eigenheime zwischen 2012 und 2015 um 27 Prozent gesteigert. Der von Caravans im gleichen Zeitraum immerhin um 11 Prozent. Soweit so bekannt. Doch was wirklich überrascht, sind die Übernachtungen auf deutschen Campingplätzen, sie nahmen um stolze 63,6 Prozent auf 1,3 Millionen im Vergleich zum Vorjahr zu. Der Trend zum Wintercamping ist in Anbetracht dieser Zahlen logisch. Denn man besitzt das Reisemobil ohnehin das ganze Jahr. Also bietet es sich an, es auch im Winter zu nutzen. Dazu kommen Standortvorteile in Skigebieten. Der Weg vom Campingplatz zum Lift ist oft kürzer, als der zu Ferienwohnungen oder Hotels. So liegt in Sölden der Campingplatz gerade mal 200 Meter von der Gaislachkoglbahn entfernt, die direkt zur Bergstation in 3.056 Meter Höhe führt. Aber wird es ob der feuchten oder nassen Klamotten nicht unangenehm feucht im Reisemobil? Für dieses Thema haben viele Campingplätze praktische Ski- und Trockenräume eingerichtet. So bleibt es im Reisemobil kuschlig trocken. Auch das Wohlbefinden muss beim Wintercampen nicht zu kurz kommen, der Campingplatz in Sölden verwöhnt seine Gäste mit einem kleinen aber feinen Wellness- und SPA-Bereich. Doch aufgepasst, Reservierungen sind oft Pflicht, denn die Campingplätze an den Wintersport-Hotspots sind in Schulferienzeiten zwischen November und März oft ausgebucht.
Wer das Campen abseits des sicheren Campingplatzes in der winterlichen Wildnis präferiert, der sollte darauf achten, dass sein Reisemobil das Zertifikat „winterfest“ trägt. Nur so kann man sicher sein, dass Wasserleitungen nicht einfrieren. Das Testverfahren beinhaltet außerdem, dass der Innenraum bei einer Außentemperatur von minus 15 Grad innerhalb von zwei Stunden auf 20 Grad zu erwärmen ist. Die Dämmung muss dabei durch einen sogenannten „geschlossenporigen PU-Schaum“ einer 80 Zentimeter dicken Vollziegelwand entsprechen. Zudem müssen die Außenstaufächer und das Armaturenbrett beheizbar, Tanks isoliert und die Rahmenfenster doppelt verglast sein. All diese Kriterien erfüllen die Hymer Modelle ML-T.
Wer jetzt denkt, dass ein wintertaugliches und Allrad-getriebenes Wohnmobil im Widerspruch zu hohen Komfortanforderungen steht, der irrt. Denn das Innenleben des Teilintegrierten Hymer ML-T bietet fast alles, was das Camperherz begehrt. Da fehlt es kaum an Luxus. Ein Bad mit Dusche und WC, dreiflammiger Gasherd, sowie ein Kühlschrank mit 142 Litern Fassungsvermögen sind an Board. Geschlafen wird fürstlich in einem 1,93 Meter breiten und einem weiteren 1,73 Meter breiten Bett, die jeweils mit Lattenrost und hochwertiger Matratze versehen sind. Auch an Staufächern und Schränken herrscht kein Mangel. Sie sind bei unserem Testwagen in zeitlosem Holzdekor gehalten, können bei Hymer aber auch in etlichen anderen Varianten geordert werden.
Lebensmittelpunkt im Hymer ist das stufenfreie „Wohnzimmer“, das mit serienmäßig verlängerbaren Tisch, einer Sitzgruppe und den beiden um 180 Grad drehbaren Vordersitzen aufwartet. Dreht man den Fahrersitz allerdings in Richtung Lenkrad bleibt vom luxuriösen Ambiente wenig übrig. Denn im Fahrerhaus bleibt der schlichte Arbeiter-Charme des Sprinters. Doch manchmal ist Nutzwert der wahre Luxus. So ist zum Beispiel die 1,21 Meter hohe „Garage“ im ML-T auch im Winter praktisch für die problemlose Beladung des Sport-Equipments. Der isolierte Abwassertank fasst 100 Liter und ist bequem elektrisch via Knopfdruck entleerbar. Der Nutzwassertank kann bis zu 120 Liter aufnehmen und ist genau wie die Zuleitungen durchgängig isoliert. Mit diesem Reisemobil muss man im Winter im Vergleich zum Hotelzimmer kaum auf Komfort verzichten. 
Um eisige oder verschneite Straßen muss man sich im Hymer ML-T Allrad 580 kaum Sorgen machen. Denn der Hymer basiert auf einem Mercedes Sprinter, der über einen zuschaltbaren Allradantrieb verfügt. Sein 2,1 Liter Vierzylindermotor stellt bis zu 163 PS bereit. Die 360 Newtonmeter maximales Drehmoment werden über eine Sieben-Gang-Automatik Getriebe auf die Straße gebracht. Dabei benötigt das schwere Gespann in bergiger Landschaft runde 13.5 Liter  Diesel.
Hymer auf Basis Mercedes-Benz Sprinter 4x4 – Wintercamping; Hymer on Mercedes-Benz Sprinter 4x4 base – Winter campingÜberrascht hat uns, wie leichtgängig sich das 3,5 Tonnen schwere Fahrzeug bewegen lässt. Schaltet man den Allradantrieb zu, so werden 65 Prozent der Antriebskraft auf die Hinterachse und 35 Prozent auf die Vorderachse geleitet. Im Vergleich zum rein heckgetriebenen ML-T ist der Allrad 8,5 Zentimeter höher, was den Teilintegrierten zudem offroad-tauglicher macht. Das sorgt in Summe dann auch bei Schnee und Eis für viel Stabilität, macht kaum einen Weg unüberwindbar und wenige Pisten nicht erreichbar. Denn der 4 Tonnen schwere Koloss lässt sich trotz seiner 6,98 Meter Länge und verschneiter Fahrbahn problemlos behände durch engste Kurven und Terpentinen schlängeln. Durch die gute Kraftentfaltung des Motors schon von unten heraus ist der ML-T Bergauf alles andere als lahm. Bergabwärts helfen technische Features wie der hydraulische Bremsassistent, elektronische Bremskraftverteilung und adaptives ESP. Damit kann selbst das schneebedeckte und stellenweise vereiste Timmelsjoch überwunden werden.

Fazit

Mein erstes Mal Wohnmobil Campen im Winter hat mir gezeigt, dass Wintercampen inzwischen Weichei tauglich ist. Der Traum vom allradgetriebenen Wohnmobil hat neben zahlreichen Vorteilen aber auch zwei Nachteile. Zum einen steigt das Gesamtgewicht des Allrad-Teilintegrierten auf über 3,5 Tonnen, was das Gespann vom PKW zum LKW macht und somit nur mit entsprechendem Führerschein gefahren werden darf. Zum anderen steigt der Preis um 11.000 Euro auf 77.690 Euro. Doch wer sich Wintercamping traut, der wird bares Geld sparen. Denn vergisst man die erhöhten Mautgebühren für den LKW in Italien und Österreich, ist Campen im Winter nicht bedeutend teurer als im Sommer. Auf dem Campingplatz im österreichischen Sölden zahlen Erwachsene 13,40 Euro, Kinder 9,30. Dazu kommen 14,70 für den Stellplatz pro Nacht. Im Preis Inklusive sind dann Wellness, Fitnesstudio, und sanitäre Anlagen. Trauen Sie sich!