VW Polo GTI – Fahrbericht vom 37. GTI-Treffen am Wörthersee im Bewegtbild

Was einen GTI zum wahren GTI macht? Und wie sich die 200 PS Maschine im Polo GTI mit Drive-Select Fahrwerk, DSG-Getriebe, serienmäßiger Differentialsperre und elektromechanischer Lenkung auf Rennstrecke und Straße schlägt, seht ihr in unserem Fahrbericht | Test | Review | Testdrive | Kaufberatung: – Schaut’s rein!
Das Blechkleid des kleinen Kraftprotzes unterscheidet sich bewusst kaum von dem des normal motorisierten Polo. Optisch aufdringlich wollten die VW GTIs noch nie sein. Polo und GTI – das hat Tradition.
Der Kleinwagen wird mittlerweile in sechster Generation gebaut und fand weltweit beeindruckende 16 Millionen mal den Weg zu Kunden.Der erste VW GTI lief 1976 in einem Scirocco vom Band. Erst im Frühjahr 1977 folgte der Golf GTI. 1987 hielt der GTI dann Einzug in den Polo. Von Anfang an gab es klare GTI-Designmerkmale, welche bis heute Bestand haben.
Knapp 40 Jahre später hat das Exterieur-Design mit seinem Kühlergrill in Waben-Struktur Kultstatus erreicht. Der aktuelle Polo ist gekennzeichnet von scharfen Kanten und klarer Designsprache. Der um 15 Millimeter tiefer gelegte Polo GTI bekam eine „bösere“ Frontschürze und das rote Band (GTI Streifen), das sich bis in die LED-Scheinwerfer zieht. Kennzeichnend ist auch der doppelflutige Auspuff mit den Chromblenden. Der in Wagenfarbe lackierte Dachspoiler, die roten Bremssättel und die serienmäßigen 17-Zoll Schlappen setzen weitere GTI Merkmale.
VW Polo GTIDer Polo Innenraum zeigt sich technisch modern und jugendlich frisch.
Ein klares Zentrum der Controller-Macht gibt es nicht. Denn das digitale Cockpit, auch „Active Info Display“ genannt, teilt sich die Aufmerksamkeit mit dem 19 Zoll großen Touchscreen Infotainment-System. Gewaltenteilung. In diesem hochwertig verarbeiteten Innenraum findet man mehr Platz, als in jedem Polo zuvor. Im Polo GTI kommt die bewährte GTI-Würze dazu. Ihr Rezept setzt sich zusammen aus einer etwas tieferen Sitzposition, den stabilen Sportsitzen, robustem Stoffbezug im „Clark“-Karo-Muster, die an den Ur-GTI erinnern.
Im schwarzen Innenraum sorgen Elemente in Wagenfarbe, ein unten abgeflachtes Sport-Lederlenkrad mit roten Ziernähten, das GTI Emblem, sowie die serienmäßige Ambiente-Beleuchtung für optische Hingucker. Bei alledem bleibt das „Herz“ des Polo GTI sein Motor. Und der neue Polo GTI liefert auch hier. Denn er ist der „stärkste Polo GTI aller Zeiten“. Sein 2.0 Liter 4-Zylinder-Motor stellt beachtliche 200 PS bereit. Und damit 8 mehr, als der Vorgänger, der noch mit dem 1.8 TSI. Zum Markstart wird der neue Motor ausschließlich mit einem 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) orderbar sein. Es treibt den 1,35 Tonnen wiegenden Polo GTI in nur 6,7 Sekunden auf Tempo 100. Seinen kombinierten Norm-Verbrauch gibt VW mit 5,9 Litern an. Erst bei 237 Stundenkilometern ist das Ende der Beschleunigungsfahnenstange erreicht. Damit Handschalter-Fans keine Fahnenflucht begehen müssen, liefert VW ab dem zweiten Quartal 2018 auch ein 6-Gang-Handschaltgetriebe. Es soll dann rund 1.500 Euro billiger sein als das DSG.
Der Polo GTI profitiert vom serienmäßig verbauten Sport-Select-Fahrwerk. Es ermöglicht die Einstellung unterschiedlicher Dämpfer-Vorlieben. Im „normalen“ Fahrmodus bleibt der Polo GTI ein unaufgeregter, komfortabel gefederter Begleiterin. Insbesondere auf längeren Strecken weiss man das zu schätzen. Doch wehe man gibt diesem GTI die Sport-Modus-Sporen. Dann wird die Lenkung direkter, die Federung beinhart, die Gänge ausgepresst bis in höchste Drehzahlbereiche und die Gasannahme werkelt noch direkter. Dabei wird der Sound des Kleinen ganz großes Kino. Zwischengas Frotzeln und künstliche Fehlzündungen mutieren zur rauchigen Hymne des Guten. Auch auf der Rennstrecke macht der Anti-Proletarier eine stolze Figur. Denn trotz des Vorderantriebs stempelt er kaum in den Boden, neigt nicht zum nervös ausbrechenden Heck, hält die Spur und meistert schnelle Lastwechsel mit Bravur. Was die elektromechanische Lenkung und die Differentialsperre bewirken scheint unglaublich.
Fazit:
Eine große Aufgabe, bei diesem kleinen Alleskönner einen Makel zu finden. Der fehlende Allradantrieb könnte helfen. Aber er zählt nicht, denn für einen Fronttriebler ist der Polo herausragend gut abgestimmt. Einen zu hohen Verbrauch kann man bei den gemessenen 7 Litern Benzin auf 100 Kilometer mit grobmotorischem Gasfuss auch kaum bescheinigen. Bleibt noch der übliche Verweis auf den meist zu stolzen Preis von guten Produkten Made in Germany? Doch mit einem Basispreis von 23.875 (1350 Euro teurer als Vorgänger) Euro positionieren die Wolfsburger ihren Newcomer fair im Markt.
Zum Vergleich: der Mini Cooper S (211 PS) startet als Dreitürer bei 24.750 Euro, während der Opel Corsa OPC (191 PS) 24.930 kostet. Der Polo GTI könnte bei seinen gewachsenen Außenmaßen selbst eine Alternative zum großen Bruder Golf GTI darstellen. Er mit beschleunigt nur 0,3 schneller auf 100 und beginnt bei 29.975 Euro.