Mit dem Arteon möchte VW ein Stück weit den eingestellten Phaeton ersetzen. Er soll, so Volkswagen, nicht Nachfolger des 4-türigen Coupés CC sein, das in seiner letzten Generation nicht mehr den Beinamen Passat trug. Mindestens 39.675 Euro kostet die coupéhafte Limousine. Wir haben den Arteon über 2 Wochen hinweg im Alltag unter die Lupe genommen. Unser Testwagen ist mit dem 240 PS leistenden Dieselantrieb versehen, der seine Kraft per 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe an alle 4 Räder verteilt. Allerdings hat das in Kombination mit allerlei Zusatzausstattung seinen Preis. Unser Testwagen kostet stolze 67.585 Euro.Gelungenes Blechkleid

Zwar steht er mit einer Länge von 4.86 Meter, einer Breite von 1.87 Meter und einer Höhe von 1.43 Meter sportlich-breit auf seinen 19 Zoll Säulen (gegen Aufpreis), aber im Vergleich mit dem Phaeton erscheint er trotzdem eine Klasse kleiner. Der Radstand des Arteon misst mit 2.84 Metern und damit fünf Zentimeter mehr, als der des Passat. Das kommt dem Geradeauslauf und dem Raumangebot zugute. Die kürzeren Überhänge stehen dem Arteon – im Vergleich zum Passat – gut zu Gesicht. Der bis in die Lichter gezogene breite Kühlergrill gefällt nicht jedem auf Anhieb, sorgt aber für optische Breite und chromlastige Eleganz. Die skulpturale Motorhaube verleiht der Limousine elegante Stattlichkeit, die im Silberton unseres Testwagens besonders gut zum Ausdruck kommt. Das schön gezeichnete Heck und die langgezogene, flache Coupé-Linie gefallen uns ausgesprochen gut.Modernste Assistenten

Der Innenraum des Arteon erinnert deutlich an den Passat. Hier hätte eine stärkere Differenzierung gegenüber dem Business-Klassiker geholfen, das Image des Arteon nach oben zu ziehen. Die analoge Uhr in der Mittelkonsole soll Oberklasse-Ambiente demonstrieren, reicht dazu allein aber kaum aus. Das digitale Cockpit „Active Info Display“ und das Navi „Discover Pro“ mit dem 9,2 Zoll großem Touchscreen (gegen Aufpreis), der auch auf definierte Gesten reagiert, werten den Arteon technisch, wie optisch auf. Bei Verarbeitungsqualität und Materialanmutung ist zwar ein kleiner Abstand gegenüber Audi zu spüren, auszusetzen gibt es hier aber gewiss nichts. Unser Testwagen wird mit gebürsteten Alu-Dekorleisten noch ein Ticken schicker.

Nur beim Platz nehmen auf der Rückbank sollten Groß-Gewachsene den Kopf einziehen. Ist diese Hürde jedoch genommen, verwöhnt das Arteon-Fond mit westlich mehr Beinfreiheit – dem langen Radstand sei Dank. Ein großes Plus des Arteon ist seine weit aufschwingende Gepäckraumtür, die im Testwagen bequem, elektrisch öffnet und schließt. 563 bis 1.557 Liter Gepäck passen in die Großraum-Halle, die tief in den Wagen reicht. Kleinere Teile, die dort hin gerutscht sind, lassen sich nur mit Mühe zurückholen. Zahl und Qualität der Assistenzsysteme im Arteon lassen kaum Wünsche offen. Unser Arteon-Testwagen kann mit seinem Park-Lenk-Assistenten sogar teilautonom fahren. Das optionale Kurvenlicht erkennt durch die Verwendung der Geo-Daten aus der Navi-Software, wann beispielsweise eine Kurve ansteht – diese wird dann frühzeitig ausleuchtet. Empfehlen möchten wir auch das Head-up-Display (565 Euro), denn mit ihm bleibt der Blick des Fahrers beim Lesen der in der Frontscheibe eingeblendeten auf die Straße gerichtet.

SCR-Diesel – Dynamischer Vortrieb bei geringem Verbrauch

Aktuell stehen ein 280 PS leistender Benziner und ein Diesel mit 240 Pferdchen zur Wahl. Beide Motoren sind 4-Zylinder. Ab dem 4. Quartal soll ergänzend ein 1.5 Liter Benziner folgen, der den Traum vom Arteon schon ab 34.775 Euro ermöglichen wird. Auch eine Hybrid-Version soll es geben. Unser Testwagen ist, wie bereits erwähnt, mit dem 240 PS Diesel ausgestattet, der ihn in flotten 6,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 bringt. Der kombinierte Norm-Verbrauchswert des Vierzylinder-Diesels wird mit 5,9 Liter (Diesel) angegeben. Dieser Diesel-Motor (mit SCR-Filter) passt in unseren Augen perfekt zum Arteon. Auf unseren gemischten Testfahrten lagen wir 0,7 Liter höher. Ein guter Wert. Wir haben das Fahrwerk des Arteon als perfekt abgestimmt empfunden. Das Fahrwerk kann per Knopfdruck zwischen sportlich und komfortabel variiert werden. Auf langen Strecken hat uns der Komfort-Modus in Kombination mit dem ErgoKomfort-Sitz (1.060 Euro) gut getan.

Fazit

Der Arteon eine optisch gelungene, sportlich anmutende Limousine mit weit aufschwingender Kofferraumklappe, großem Platzangebot und moderner Volkswagentechnik. Wir haben ihn ausgesprochen gern gefahren. Bleibt die Frage, ob man mit Vierzylinder Motoren und einem im Vergleich zum Passat wenig differenzierten Innenraum bei den Business-Kunden punkten kann. Volvo macht seit geraumer Zeit deutlich, dass der Verzicht auf 6-Zylinder-Antriebe kein Nachteil mehr sein muss. Auch wenn unsere üppig ausgestatteter Testwagen mit seiner Komfort- und Sicherheitsausstattung bei knapp 70.000 ankommt, ist er im Vergleich mit dem, was Premium-Anbieter aufrufen, noch günstig.

 

Technische Daten

VW Arteon 2.0 l TDI SCR (240 PS) 4MOTION

Länge x Breite x Höhe (m): 4,86 x 1,87 (mit Spiegeln 2,13) x 1,45
Radstand (m): 2,84

Motor: 4-Zylinder-Turbodiesel, 1968 cm³
Schadstoffklasse Euro6

Leistung 176 kW (240 PS) bei 4000 1/min
Drehmoment 500 nm bei 1750-2500 1/min

Getriebe: 7-Gang DSG Doppelkupplungsgetriebe
Höchstgeschwindigkeit 245 km/h
Beschl. 0-100 km/h 6,5 s
Verbrauch kombiniert 5,9 l / 100 km
CO2-Ausstoß 152 g / km

Preis Testwagen: 67.585 Euro