VW und Luxus. Das ist eine Sache für sich. Wo die Wolfsburger in der Mittelklasse dominieren, musste man bisweilen die Oberklasse Fleischtöpfe der Konkurrenz überlassen. Mit dem Arteon präsentiert der Volkswagen Konzern nun sein neues Flaggschiff das Mercedes, Audi, BMW und Co einheizen soll. Der Arteon will bewusst nicht Nachfolger des 4-türigen Coupés CC sein, das in letzter Generation nicht mehr den Beinamen Passat trug. Nach dem Lebensende des Phaetons soll nun der Arteon hierzulande die Speerspitze der VW Modellpalette sein. Im Konzernvergleich ist der neue irgendwo zwischen A5 Sportback und A7 anzusiedeln. Der griechisch anmutende Name Arteon ist ein Kunstbegriff, der sich aus „Art“ für Kunst und „eon“ als Kürzel für die moderne VW Generation zusammensetzt. Das neue Modell wird deutlich oberhalb des Passat positioniert, aber unterhalb des ausschließlich für den chinesischen Markt produzierten „Phideon“. Wie sich die aktuell mindestens 39.675 Euro teure Limousine schlägt, lesen Sie hier:

Der Arteon basiert, wie auch der Passat, auf dem Modularen Querbaukasten des VW- Konzerns(MQB). Mit einer Länge von 4.86 Meter, einer Breite von 1.87 Meter und einer Höhe von 1.43 Meter steht der Arteon  sportlich-breit auf seinen runden 20 Zoll Säulen. Sein Radstand misst mit 2.84 Meter fünf Zentimeter mehr als der des Passats. An das Gesicht des neuen Volks-Stars werden wir uns gewöhnen müssen, denn es soll so ähnlich auch den neuen Touareg zieren.Der bis in die Lichter gezogene breite Kühlergrill gefällt nicht jedem auf Anhieb, sorgt aber für optische Breite und chromige Eleganz. Apropos Eleganz. Das neue Modell wird es künftig neben der gewohnt sportlichen R-Line (mit großen Lufteinlässen) künftig auch in der dezenteren Variante „Elegance“ geben. Klingt nach Mercedes – aber sei’s drum. Für welche Linie man sich auch immer entscheiden mag, das wunderschön gezeichnete Heck und die langgezogene, flache Coupelinie gefallen uns ausgesprochen gut. Trotzdem fehlt dem VW im Vergleich zu anderen Oberklasse-Limousinen vielleicht etwas der Aha-Effekt.
Der Innenraum des Arteon, was doch etwas nach griechischem Restaurant klingt, erinnert stark an den den Passat, auch Elemente des Golf 7 Updates sind zu finden. Die analoge Uhr in der Mittelkonsole soll Oberklasse-Ambiente demonstrieren. Aus dem 2017er Golf bekannt sind das digitale Cockpit „Active Info Display“ und Navi „Discover Pro“ mit dem 9,2 Zoll großem Touchscreen, der auch auf definierte Gesten reagiert. Die Elegance-Linie lässt den Innenraum hochwertig und loungig erscheinen. Die R-Line legt den Arteon auch innen sportlich aus. Bei Verarbeitungsqualität und Materialanmutung ist zwar ein kleiner Abstand gegenüber Audi zu spüren, auszusetzen gibt es hier aber gewiss nichts.

Vorteile gegenüber dem kleinen Bruder Passat gibt es beim Platzangebot. Zwar muss man sich beim Platz nehmen auf der Rückbank (wegen der Coupelinie) kleiner machen, ist diese Hürde jedoch genommen, verwöhnt das Arteon Fond mit westlich mehr Beinfreiheit – dem langen Radstand sei Dank. Wer nun in der zweiten Reihe eine eingeschränkte Kopffreiheit erwartet, der irrt. Menschen bis zu eine Körpergröße von 1, 90 Meter kommen hier bequem unter – müssen keinesfalls den Kopf einziehen.

Ein großes Plus des Arteon ist seine weit aufschwingende Kofferraumtür. Sie öffnet ihre riesige Pforte zur Klassen besten 563 bis 1.557 Liter-Gepäck-Großraum-Halle. Das Raum Konzept mit der oben am Dach angeschlagenen weit aufschwingenden Kofferraumklappe kommt uns aus dem Skoda Superb bekannt vor. Bleibt abzuwarten, ob diese Praktikabilität auch von den weniger nutzen-orientierten Kunden der Premium-Klasse goutiert wird.

Zahl und Qualität der Assistenzsysteme im Arteon erscheint beeindruckend. Vieles davon wurde zwar bereits 2017 mit dem Golf Update eingeführt. Was deren imposante Funktionen jedoch keineswegs abwerten soll. Die Automatische Distanzregelung (ACC) und die Geschwindigkeitserkennung arbeiten Hand in Hand und lassen auf Wunsch den Arteon intelligent teilautonom fahren. Weiteres Highlight: Das Kurvenlicht erkennt durch die Verwendung der Geo-Daten aus der Navi-Software, wann beispielsweise eine Kurve ansteht – diese wird dann frühzeitig ausleuchtet. Hier muss sich der Arteon vor gewiss nicht vor der Premium-Konkurrenz verstecken.
Trotzdem möchte der Arteon den S-Klassen dieser Erde wohl nicht zu nahe rücken. Seine Positionierung im Markt geht mit einer sportlichen Abstimmung einher.  Vielleicht auch, um der Komfort-Konkurrenz aus dem Wege zu gehen, denn das Projekt-Phaeton hat sich bekanntlich leider nicht bezahlt gemacht.
Auch die Antriebe tragen der sportlich-dynamischen Positionierung Rechnung.
Zur Markteinführung stehen ein 280 PS Benziner und ein Diesel mit 240 Pferdchen zur Wahl. Beide Motoren sind 4-Zylinder. Damit folgt auch VW hier dem Trend zum Down-Sizing. Ab dem 4. Quartal 2017 soll ergänzend ein 1.5 Liter Benziner folgen, der den Traum vom Arteon schon ab 34.775 Euro ermöglichen wird. Auch eine Hybrid-Version, deren Antriebsstrang aus dem Passat GTE bekannt ist, wird es voraussichtlich geben.
 VW selbst bezeichnet den Arteon als eines der männlichsten Autos, das die Marke je gebaut hat. Machen Sie sich am besten selbst ein Bild.

Jedenfalls machen Doppelkupplungsgetriebe, Allradantrieb, adaptives Fahrwerk, optionale 20 Zöller und Sportsitze den Arteon zu einer ausgesprochen sportlichen Business Limousine mit coupehafter Linienführung. Das verstellbare Fahrwerk federt  – trotz der großen Felgen – auf Knopfdruck im einen Moment sportlich und im nächsten komfortabel – ganz nach Lust und Laune seines Fahrers. Für die nötige Würze sorgen Beschleunigungswerte von 5,6 bzw 6,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Die Norm-Verbrauchswerte (kombiniert) der Vierzylinder-Motoren machen deutlich, warum sie immer öfter auch auch in Business Limousinen eingesetzt werden. Denn trotz ihrer hohen maximalen Leistung werden hier 7,3 (Benziner) bzw. 5,9 Liter (Diesel) abgegeben. Wer den Arteon jedoch so sportlich bewegen möchte, wie er aussieht, wird mit 1 bis 2 Litern mehr je 100 Kilometer rechnen müssen.

 Fazit:
Auf der Haben-Seite steht, dass der Arteon eine optisch gelungene, sportlich anmutende Limousine mit weit aufschwingender Kofferraumklappe, großem Platzangebot und modernster Volkswagentechnik ist. Zu einem Preis, der zwar teurer ist als der Passat, aber deutlich unter der Premium-Konkurrenz liegt. Auf der Soll-Seite bleibt die Frage, ob man mit Vierzylinder Motoren und einem, im Vergleich zum Passat wenig differenzierten Innenraum bei den Businesskunden punkten kann. Der Arteon wird ab Juli dieses Jahres erhältlich sein. Mit etwas zusätzlicher Ausstattung versehen, wird der Arteon zwar kaum unter 50.000 vom Hof des VW Händlers rollen, aber im Vergleich zudem, was die Premium-Anbieter aufrufen, erscheint das günstig. Bleibt die Frage, ob Premiumkunden das überhaupt goutieren.

Technische Daten

Volkswagen Arteon TSI 4Motion 

Länge x Breite x Höhe (m): 4,86 x 1,87 (mit Spiegeln 2,13) x 1,45
Radstand (m): 2,84
Motor: 4-Zyl.-Turbobenziner, 1984 ccm
Leistung: 206 kW / 280 PS von 5100–6500 U/min
Max. Drehmoment: 350 Nm von 1700–5600 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 5,6 Sek
ECE-Durchschnittsverbrauch: 7,3 Liter/100 km
CO2-Emissionen: 164 g/km
Effizienzklasse: C
Leergewicht / Zuladung: min. 1716kg / max. 599 kg
Gepäckraumvolumen: 563Liter
Max. Anhängelast: 2200 kg
Reifen: 245/40 R 19
Wendekreis: 11,9 m
Basispreis: 49.900 Euro