Auch ein Autotester hat es nicht immer leicht. Unser aktueller Testwagen, ein Volvo XC40, will bewertet und verglichen sein. Das Bewerten klappt. Der Vergleich fällt da schon schwerer. Mit welchen Modellen kann er in eine Reihe gestellt werden?

Das Wort Premium geht den Herstellern bekanntlich leicht von die Lippen, denn es ist die Rechtfertigung für höhere Preise. Aber was ist eigentlich Premium? Ist das an harten Fakten festzumachen? Was ist schon Premium, was noch nicht? Ist der Volvo XC 40 ein kompaktes Premium SUV? Premium – das klingt nach hochwertigen Materialien und bester Verarbeitung. Wenn wir hier den XC60, den wir vor Kurzem unter die Lupe genommen haben, mit dem kleinen Bruder vergleichen, der auf der neuen Volvo Kompakt-Plattform fußt, dann kommt uns beim Kleinen das Wort Premium schon deutlich schwerer von den Lippen.

Die Materialanmutung erscheint insbesondere um die Mittelkonsole herum nicht wirklich herausragend. Auf der Suche nach Vergleichbarem fällt uns eher ein VW Tiguan, ein Skoda Karoq oder ein Seat Ateca ein. Wenn man diese Modelle in einer üblichen Motorisierung von etwa 150 PS gegenüberstellt, dann ist der Volvo runde 7.000 Euro teurer. Er kostet nämlich 31.350 Euro. Mindestens! Das klingt zwar nicht teuer, aber wenn man die Listen der möglichen Optionen betrachtet, wird deutlich, was man da alles dazu kaufen kann oder muss. Erst dann wird ein XC40 nämlich zu dem, was uns die Werbung vollmundig verspricht.

So bekommt unser Testwagen anstatt des 156 PS Drei-Zylinder-Benziners aus der Basis einen 190 PS leistenden 4-Zylinder. Dazu kommt noch die Inscription Ausstattung und allerlei Optionen. Dann sehen die staunenden Augen einen Gesamtpreis von 56.230 Euro. Selbst wenn man das mit einem Mercedes GLA oder einem BMW X2 vergleicht, ist der Volvo-Preis ambitioniert. Vielleicht bietet Volvo ja subventionierte Leasing-Verträge.

Aber wie kann man ein so schönes Auto, wie den Volvo XC40 so schnöde anhand von Zahlen und Preisen vergleichen? Ein Frevel! Dieses puristische Design – innen wie außen – ist wirklich ganz mein Ding. Kühl, klar und modern. Da bin ich auf Anhieb verliebt. Und so ist es halt mit den schönen Sachen auf dieser Welt. Sie kosten alle etwas mehr. Und auch wenn es uns unser Hirn versagen möchte, Herz und manches was noch etwas tiefer sitzt, sagen ja. So sind wir Menschen. Emotional. Und das ist gut so.

Da fällt es schwer, wieder auf eine kognitive Linie zurück zu finden, die Autos in Tests so gern klassisch beschreibt. Aber was sein muss, muss sein: Der Verbrauch des 190 PS Vier-Zylinders (erfüllt – wie alle Motoren im XC40 „6d-temp“) lag laut Bordcomputer während unseres 14 Tage währenden Alltagstests bei 9,7 Litern je 100 Kilometer. Das ist viel. In meinen Augen zu viel. Das mag mit an seinem vergleichsweise hohen Leergewicht von 1.781 Kilo liegen. Andere Kompakt-SUVs wiegen bis 300 Kilo weniger. Der hohe Verbrauch kann jedenfalls nicht mit unserem Fahrstil zusammenhängen, denn wir haben den guten XC40 nicht mal gescheucht, sondern bewusst ganz normal bewegt. Da hätte ich einen Durst von 8 Litern erwartet, aber nicht knappe 10. Bei diesem Verbrauch verabschiedet sich die Ratio in mir.

Das 8-Gang-Automatik-Getriebe tut zwar seinen Dienst ordentlich, schaltet für meinen Geschmack aber etwas zu oft hin und her. Trotzdem möchte ich – faul wie ich nun mal bin – nicht auf ein manuelles Getriebe zurückgreifen. Volvo bietet es bei dieser Motorisierung zudem nicht an. Nur den 156 PS Benziner gibt es mit Schaltergetriebe. Auf den im Testwagen verbauten Allradantrieb (2.000 Euro Mehrpreis) werden die auf Lifestyle fixierten City-SUV-Kunden in der Mehrzahl wohl verzichten. Apropos verzichten: Mir gefällt der XC40 in der durchgehenden Lackierung deutlich besser, sie lässt ihn in meinen Augen gegenüber der Zwei-Farbe-Lackierung mit den farblich kontrastierten Dach erwachsener aussehen.

Innenraum:

Durch den quer eingebauten Motor bleibt im Fahrgastraum ordentlich Platz. Insbesondere vor den Rücksitzen ist man bei kompakten Automobilen auf weniger vorbereitet. Praktisch ist auch die ebene Ladefläche bei umgeklappten Rücksitzen. Das ist in dieser Klasse eine positive Ausnahme. Ebenfalls praktisch sind die Haken für Einkaufstüten in der hochklappbaren zweiten Ladeebene (unter dem eigentlichen Gepäckraumboden). Seit ich das iPhone 8 nutze, schaue ich darauf, ob ein Auto eine induktive Ladefläche für Smartphones bietet. Diese ist im XC40 vorhanden, bestens platziert, und links und rechts bleibt sogar noch Raum für Kleinkram wie Schlüssel oder Garagentoröffner. Feines Detail! (siehe Foto oben)

Fazit:

Der Volvo XC40 ist für mich der aktuell schönste Kompakt-SUV auf dem Markt. Und Schönheit kostet bekanntlich. Seine Größe sollte für viele Kunden gut passen, der seit längerem anhaltende Erfolg dieses Fahrzeug-Segments ist ein Beleg dafür. Wer den etwas größeren XC60 im Auge hat, sollte auch einen Blick auf den XC40 werfen. Denn aus meiner Sicht bietet er ähnlich viel Nutzwert (nur 26 Zentimeter kürzer), kostet aber runde 10.000 Euro weniger. Allerdings ist seine Qualitätsanmutung in Innenraum niedriger. Wer kein Design-Freak ist, für den sollten die oben genannten Alternativen indes die bessere – weil günstigere – Wahl sein.

Technische Daten

Volvo XC40 T4 AWD

Maße (Länge x Breite x Höhe (in m)): 4,43 x 1,86 x 1,65
Radstand (m): 2,70
Motor: Reihenvierzylinder Benziner, 1.969 ccm Hubraum
Antrieb: Allradantrieb (Option)
Leistung: 140 kW / 190 PS bei 4700 U/min
Maximales Drehmoment: 300 Nm bei 1400-4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 8,5 Sek.
WLTP-Verbrauch (EU-Norm): 8,1 L/100 km
Leergewicht/Zuladung: max. 1.781 kg/439 kg
Gepäckraum: 460–1.336 Liter
Max. Anhängelast: 2.100 kg
Basispreis: 43.650 Euro

Testwagenpreis: 56.230 Euro