Stell dir vor, ALLE feiern EINE Party und DU bist nicht eingeladen! Dieses Szenario scheint den meisten Autoherstellern aktuell Sorgenfalten ins Gesicht zu zeichnen. Was tut man als Entscheider also, um sicher zu gehen, weiter DER Typ zu sein? Den Typ, den JEDER auf SEINER Party haben will? Man schaut sich an, was die anderen so machen und tanzt schlussendlich auf ALLEN Partys. Das größte Fest findet dabei derzeit bei den kompakten Lifestyle SUVs statt. Jeder in der Branche will DAHIN. Denn die Dinger sehen verdammt lässig aus. Außerdem hat man mit der hohen Sitzposition quasi den Platz im VIP Bereich des Straßenverkehrs sicher. Durch den relativ geringen Einstiegspreis ist es auch nicht unmöglich REIN zu kommen. Deshalb wächst DIE Party von Jahr zu Jahr. Wer mal drin war, will immer wieder rein. Auch wenn wir wissen, wie der Lifestyle Hase im Feier-Business läuft, sind wir aus dem Clubbing-Alter langsam raus. Trotzdem probieren wir in diesem Fahrbericht zu beurteilen, ob Sie im neuen T-Roc den Weg vorbei an den harten Türstehern, rauf auf die Gästelisten der Welt schaffen können.Die meisten werden jetzt sagen: Ich stehe zwar auf Feiern, aber was zur Hölle ist ein VW T-Roc? Ganz einfach: Ein kompaktes SUV mit den Maßen eines Golfs. Nur ist er deutlich höher und sieht cooler aus. Er erweitert damit die VW-SUV-Palette um ein weiteres Derivat, das sich unterhalb des Tiguans einreiht.

Der kompakte Lifestyler kommt im November 2017 auf den Markt.

Nach seiner statischen Weltpremiere im August in Como und einem ersten Auftritt auf der IAA sind wir ihn nun zum ersten Mal gefahren. Dabei ist der Volkswagen Konzern – wie gewohnt – mit der Plakatierung für die eigene Party reichlich spät dran. Denn Mercedes GLA, BMW X1, Opel Crossland X, Seat Arona, Skoda Karoq, Hyundai Kona, Renault Captur oder Audi Q2 sind in diesem Segment schon seit geraumer Zeit auf Kundenfang.Doch wo genau positioniert sich der T-Roc im SUV-Partymaker-Moloch? Der 4,2 Meter lange, 1,8 Metern breite und nur 1,5 Metern hohe T-Roc findet seine Nische zwischen dem Polo SUV (dessen „T-Cross“-Variante kommt 2018) und dem Tiguan (20 Zentimeter länger). Der T-Roc soll nach dem Willen der VW-Verantwortlichen trotz seiner Golf-Basis komplett eigenständig auftreten. Damit das Event in der Produktion nicht zu teuer wird – man weiß ja nie, wie viele Gäste tatsächlich kommen – teilt er sich die technische Plattform mit dem Audi Q2. Dieser sogenannte MQ Baukasten würde auch ein Modell mit längerem Radstand zulassen. Sicher scheint, dass ein T-Roc-Coupé geplant ist. Heißt also: Die Partyreihe kann bei Erfolg nach Belieben erweitert werden. Audi verzichtete beim erfolgreichen Q2 bisher auf weitere Derivate. Das liegt wohl auch daran, dass die Ingolstädter bei den Q-Modellen ja bereits stärker aufgestellt als die Kollegen von VW.

Die Optik des T-Roc trifft den Zeitgeist punktgenau. Die T-Roc-Designlinie ist für einen VW zwar gewagt, klassische VW-Elemente bleiben trotzdem erhalten. Was da vor uns steht,  ist was man wohl landläufig als „cool“ beschreibt. Die ausgestellten Kotflügel, das hoch gebockte Fahrwerk, die großen Felgen und der Unterfahrschutz liegen voll im Trend. Denn derzeit geht am kernigen Off-Road Look nur ganz wenig vorbei. Der breite Kühlergrill, welcher sein Ende in den spitzen LED-Leuchten findet, zeigt zudem, dass sich der junge Wilde im Fitness-Studio schindet. Die sechseckigen Signatur-Tagfahrleuchten haben einen so hohen Wiedererkennungswert, dass man den T-Roc selbst bei gedimmtem Licht wieder erkennt.

Das starke Heck erinnert an einen trainierten Golf-Po. Erblickt das man das „schwebende“ Dach über der verchromten C-Säule, dann wird klar: Die Frisur sitzt – auch wenn sie vom Q2 geklaut ist. Für die extra Farbtupfer bei der Paarschau sorgen Kontrastlackierungen des Dachs in Weiß, Schwarz oder Rot. Wer das nicht mehr nötig hat, der wählt das Dach in Wagenfarbe. Fest steht: Mit dem T-Roc werden Sie ein gern gesehener Gast vor jedem Club sein.

Außen hui – innen pfui? Um es nach dem Diskobesuch zu mehr als einem One-Night-Stand zu bringen, sollten auch innere Werte vorhanden sein. Das Innere des T-Rocs folgt diesem Rat, auch wenn dort viel Hartplastik zu finden ist – was im Segment eigentlich nicht mehr State of the Art ist. Analogien dazu erspare ich uns. Einzelne Teile werden in Wagenfarbe (braun, blau, orange, gelb) lackiert. Damit ist ein konsequentes Bicolor-Muster in Sitzen, Tür und Armaturenbrett zu finden. Das bis zu 8-Zoll große Touchscreen Infotainment-Display ist leicht zum Fahrer hin geneigt. Es regiert den aufgeräumten und durchdacht strukturierten Innenraum. Das digitale Cockpit bietet mit dem Head-up Display weitere Unterstützung an. Mit Apple CarPlay, Android Auto und AppConnect sind modernste Konnektivitäts-Lösungen an Board. Der T-Roc-Innenraum erinnert stark an eine Berliner Loft-Wohnung. Er ist cool, technisch auf dem neusten Level, ausgesprochen geräumig und mit dem Panorama-Dach schön hell. Dabei bringt der Tagträumer auch echten Nutzwert mit. Selbst groß Gewachsene sitzen aufrecht und bequem auf der Rückbank.

Mit einem Kofferraum-Volumen von 445 bis 1.290 Liter wird der Golf um 65 Liter übertroffen. Den T-Roc gibt es in den beiden Ausstattungsvarianten „Sport“ und „Style“. Ab 2018 soll auch eine R-Line (innen und außen) verfügbar sein. Das machen die Wolfsburger Innenarchitekten schon verdammt gut.

Zum Marktstart soll es drei Motoren geben. Benziner mit 115 oder 190 PS und Diesel mit 150 PS sind so fit, dass man mit ihnen ziemlich lange durchfeiern kann. Ganz ohne Taurinhaltiges. Die beiden stärkeren Motoren kommen serienmäßig mit Allradantrieb und DSG-Getriebe. Später sollen ein 1,6 Liter TDI mit 115 PS, sowie ein 2.0 Liter TDI mit 190 PS folgen. Zudem ist mit dem Zweiliter-Turbo eine GTI-Version, eine R- und auch  eine GTD- Version angedacht. Sie bringen das Salz in die Suppe bzw. Speed in den Club. Zusätzlich ist ein CNG-Erdgasmotor genauso geplant wie die Nutzung des neuen Elektrokonzeptes aus E-Golf. Damit würde der T-Roc mit Gas-, Elektro-, Diesel- und Benzin-Antrieb eine beachtliche Leistungsspanne von 105 bis 400 PS abdecken. Mit diesem Konzept ist der T-Roc selbst für Chia-Samen-Kauer mit Fairtrade-Jutebeutel nicht mehr angreifbar.Worum es jetzt geht, werden leidenschaftliche Staßenbahnfahrer kaum verstehen. Wir bitten den T-Roc zum Tanz. Dabei enttäuscht er in unserer Menage-a-deux keineswegs.

Denn der Neue ist das agilste SUV bei VW.

Wir fahren den 150 PS starken Diesel mit DSG und Allrad. Sein bis zu 340 Newtonmeter bereitstellendes Drehmoment presst uns in 8,4 Sekunden auf Tempo 100. Dabei verbraucht der T-Roc nur 6.0 Liter Diesel. Das überraschende an diesem Auto ist nicht die exzellente Übersicht und das sportlich abgestimmte Fahrwerk im hochgebockten Golf-Derivat. Sondern das ausgesprochen agile Fahrverhalten. Dazu tragen neben dem Antrieb das solide DSG und die präzise Lenkung bei. Der Allradantrieb lädt zur sicheren Kurvenhatz ein. Mit Eco, Normal, Sport, Comfort und Individual sind fünf verschiedene Fahrmodi wählbar. Für jeden Abend also ein Outfit.

Fazit

Der T-Roc ist ready to Rock. Der Hippster mit echtem Nutzwert hat einen einzigartigen Look, an dem man sich kaum stören kann. Er bietet neben seiner coolen Optik viel Platz, modernste Konnektivität und viel Ausstattung mit etlichen Individualisierungsmöglichkeiten. Mit dem kleinen SUV, das im portugiesischen Werk Setúbal gebaut wird, sollte jeder noch so große NERD ins Berghain kommen. Die Party startet preislich bei 20.390 Euro. Dafür sind Klimaanlage, LED-Rückleuchten und das 6,5 Zoll große Infotainment-System Composition Colour Serie. Außerdem sind der Front-Assist mit City-Notbremsfunktion und Fußgängererkennung, Spurhalteassistent und Multikollisions-Bremse immer mit an Board. Die Coupé-Variante wird wohl runde 2.000 Euro teurer sein. Ob bald auch eine offene Variante und damit das erste VW SUV Cabrio folgen wird? Wir werden berichten …

Technische Daten

VW T-Roc 2,0 DTI

Fünftüriges, fünfsitziges Kompakt-SUV mit Allradantrieb, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Metern: 4,23/1,82/1,57/2,59, Leergewicht: 1.495 kg, Zuladung: 570 kg, Gepäckraumvolumen: 445 – 1.237 l, Tankinhalt: 50 l, max. Anhängelast: 1.900 kg, Bodenfreiheit: 155 mm.

Motor: 4-Zylinder, Diesel, Hubraum: 1968 ccm, Leistung: 110 kW (150 PS) bei 3500–4000, max. Drehmoment: 340 Nm bei 1750–3000 U/min, Beschleunigung 0 – 100 km/h: 8,4 s, Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h, Normverbrauch: 5,1 Liter Super je 100 km, CO2-Emissionen: 134 g/km, Preis: ab 20.390 Euro.

Ein Dankeschön an Martin Meiners für die schönen Fotos.