Sind wir mal ehrlich, haben wir uns doch alle ein wenig satt gesehen an diesen rund geschliffenen SUV Dickschiffen? Wenn schon bullig, dann richtig. Wenn schon viel Stauraum, dann richtig. Und wenn schon Off-Road Image, dann aber bitte auch richtig – mit guten Offroad-Eigenschaften.

All diese Attribute vereint der neue Pick-up von VW. Nach seinem Facelift kommt der Amarok mit einem modernen 3.0 Liter V6 Dieselmotor der neusten Generation mit sportlicher Front und einer neuen Instrumententafel daher. Seit Ende 2009 hat Volkswagen 455.000 Pick-ups weltweit verkauft. Seine Hauptabsatzmärkte sind: Argentinien, Brasilien, Südafrika, Australien, Mexiko, Russland, Spanien, Schweden und natürlich Deutschland. Eben genau jene Länder in denen man ein solches Nutzfahrzeug auch vermutet. Wer aber denkt, dass der Amarok nur wegen seiner Offroad und Muli-Tauglichkeit gekauft wird, der irrt. Er hat inzwischen nämlich viele Schicki Micki Freunde. Denn finanziell gut situierte Familien haben unlängst entdeckt. In einem Pick-up kann man sich abheben und ein alternatives Image pflegen.

AmarokMit 5,25 Metern Länge und 2,23 Metern Breite ist der Amarok allerdings ein richtiger Koloss. Doch betrachtet man die neue Front, mit dem markanten Grill und den auffälligen Nebellichtern so erkennt man das Grazile, ja beinahe das Feine und die Definition der Muskeln. In Verbindung mit dem serienmäßigen Bi-Xenon und LED Tagfahrlicht kommt der Amarok eher wie ein mächtiger Schönling daher, denn als grobes Biest. Ordert man dann noch einen der matten Lacke oder die 20 Zoll Leichtmetall Felge, so ist das adipöse Laufstegmodel perfekt und wirkt in neuer Optik austrainierter denn je.
Handgriffe an A- und B-Säule unterstützen beim Einstieg auf den Amarok-Hochsitz. Zwar ist der Innenraum des Amarok noch immer pragmatisch, doch durch sein neues Cockpit mit horizontalem Design, neuer Instrumententafel und Multifunktions-Leder-Lenkrad mit Schaltwippen für die 8 Gang Automatik ist das schon wesentlich urbaner. Das gute Infotainment-System aus dem Konzernbaukasten schlägt in die selbe Kerbe. Durch optionale Features wie App Connect, Guide & Inform oder Car Net lassen sich sogar Smartphone Apps über eine USB Schnittstelle integrieren. Der rahmenlose Innenspiegel, das neues Sitzdesign und Pedale in Edelstahloptik sorgen für einen Hauch zusätzlicher Eleganz.

Highlight des Modells ist sein neuer 3.0 Liter V6 TDI Motor. Mit seinem maximalen Drehmoment von 550 Newtonmetern besitzt er 130 mehr als sein Vorgänger, der ein Reihen 4 Zylinder war. Seine Leistungsspitze erreicht er durch eine Overboostfunktion. Dafür drückt man das Gaspedal bis zum Bodenblech durch. So stehen 15 Sekunden lang rund 50 kW mehr zur Verfügung. Nach 10 Sekunden Pause steht einem dieser Leistungskick dann wieder zur Verfügung. Das faszinierende an diesem Motor ist nicht nur seine Gewalt, sondern eben auch dass er sich trotz seinen 224 PS als 8-Gang Automat mit 7,6 Litern (kombinierter Normwert) Verbrauch zufrieden gibt. Außerdem besitzt er eine robuste Steuerkette statt eines Zahnriemens. Streitigkeiten über deren Vor- und Nachteile dürfen gerne in den Kommentaren ausgetragen werden. Weitere Motoren wie etwa der mit 163 PS/ 120 kW sollen zum einen im Oktober dieses Jahres und zum anderen mit 204 PS/ 150 kW im Frühjahr 2017 folgen. AmarokFährt man ins Gelände, dann wird’s richtig spannend. Denn der Allradantrieb des Amarok ist beim Handschalter manuell zuschaltbar. Bei der 8 Gang Automatik ist er permanent aktiv. Durch das Schlechtwege ABS und die Differentialsperre scheint wirklich kaum eine Steigung zu steil, kaum ein Gelände nicht befahrbar. Das geht sogar so weit, dass man mit diesem Auto Terrains befahren kann, die man sich nicht mal zu Fuß zutrauen würde. 45 Grad Neigungswinkel bei voller Beladung (1 Tonne) und Böschungswinkel von 29 Grad vorne/ 24 Grad hinten sind möglich. Und auch als Arbeitstier brilliert der Wolfsburger. Er zieht bis zu 3,5 Tonnen Anhängelast bei bis zu 12% Steigung. Seine Ladefläche ist mit 2,52 m² die größte im Segment. So findet hier weiterhin eine komplette Europalette quer Platz. Die neuen Scheibenbremsen tragen dafür Sorge, dass selbst mit hohem Transport-Gewicht rechtzeitig gebremst werden kann.Amarok und Jan WeizeneckerDass der Amarok auch auf der Straße zuhause ist, das zeigt nicht nur sein Beschleunigungswert von 7,9 Sekunden von 0 auf 100 Kilometer. Auch seine 193 Stundenkilometer Spitze und der gute Federkomfort machen ihn autobahntauglich. Gerade im dichten Straßenverkehr werden viele die erhöhte Sitzposition und die vielen Sicherheitsfeatures zu schätzen wissen. Die 8-Gang Automatik schaltet so komfortabel, dass man sich in zeitweise in einer Limousine wägt.Doch eigentlich will ich keine Werbung für den Amarok als Straßen-Auto machen.AmarokDer Amarok hat im Nutzfahrzeugsektor zurecht viele Fans. Und ja das dürfen neben Handwerkern, Förstern auch Familien sein. Denn wo andere an ihre Grenzen stoßen, da beginnt die Tour mit dem Amarok erst richtig.

Ende September 2016 ist die Markteinführung des neuen Amarok. Doch wie so oft kommt zum Schluss die schlechte Nachricht: Der Amarok Aventura kostet in der Top-Ausstattung mit dem 165 kW V6 TDI, 4Motion-Allradantrieb und 8-Gang Automatik stolze 46.525 Euro – netto. Da komme also noch 19 Prozent Märchensteuer dazu. Die gute Nachricht: der Amarok in der heckgetriebenen Ausstattung Trendline, 120 kW V6 TDI ist für 25.720 Euro netto erhältlich. Das Einstiegsmodell liegt damit 940 Euro über dem bisherigen 103 kW TDI Vierzylinder und wird erst ab dem 2. Quartal 2017 erhältlich sein.